Am Tiefpunkt

Da sind wir nun angelangt, am Tiefpunkt unserer Reise. Der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres liegt auf -29 M ü.M... entlang diesem genießen wir die frische Luft und erholen uns von den anstrengenden Bergetappen. Wir fühlen uns sehr wohl, am Tiefpunkt unserer Reise. 

Bereits mit dem Überqueren der Landesgrenze scheint uns, als ob die Temperatur so einige Grade nach oben gehüpft ist. So passen wir unseren Tagesrhythmus der Hitze an und sitzen bereits kurz nach Sonnenaufgang auf unseren Velos. Viel länger als bis 11.00h halten wir es nicht aus, zumal wir bergauf und im Gegenwind unterwegs sind. Wir suchen uns ein geeignetes Plätzchen am Schatten für ein Picknick, ein ausgedehntes Schläfchen und viel Zeit zum Lesen. In jeder Stadt finden wir einen Park mit Trinkwasser und Schatten spendenden Bäumen. Zur "Not" richten wir uns in Obstanlagen oder in Bachdurchlässen unter der Strasse ein, dort werden wir auch nicht so schnell aufgespürt...

Denn wo die Gastfreundschaft bereits in der Türkei beispiellos war, wird sie nun ums Mehrfache überboten. Wir erfreuen uns an frischem Brot, Aprikosen, Äpfeln, Chriesi, Pflaumen und erfrischenden Getränken. Häufig halten Autos vor uns an und wir werden beschenkt, nach Hause eingeladen, fotografiert und ausgefragt. Mangels Farsi-Kenntissen auf unserer Seite und Englisch-Kenntnissen auf der anderen Seite bleibts meist bei: "Hello, Welcome to my City, where are you from??" Wo das Englisch besser beherrscht wird entstehen auch sehr spannende Diskussionen über das Leben hier & da. Wir erhalten Tipps für Aktivitäten, kommen in den Genuss von traditionellem Essen und werden durch die Stadt geführt. Denn Touristen sind sehr beliebt, können doch von ihnen alle Informationen aus erster Hand erfahren werden. Unmöglich also, jeder Einladung nachzukommen und gerne kriechen wir abends, nach weiteren 2-3h Velofahren in den Abendstunden in unser Zelt. Genau, richtig gelesen! Nach fast vier Monaten unterwegs geniessen wir das Zelten im Wäldchen, im Park oder direkt am Meer.


Doch wie das so ist mit dem Erreichen des Meeres, der flachen Strassen entlang der Küste, meist ist zuvor ein Gebirge zu erklimmen. Und im Falle des Alborz Gebirgszuges verlangt uns diese Strecke so einiges ab. Knapp 1000 Hm sollen auf nicht einmal 20 Km überwunden werden. Die Strasse ist teilweise so steil, dass wir die Räder kurzzeitig schieben, auf der Schotterpiste kommen wir fahrend nicht mehr voran. Hinzu kommen die Temperaturen um 30 Grad - welch gutes Gefühl, oben angekommen ein Lüftchen zu verspüren! Dieses Lüftchen wandelt sich im Laufe des Tages leider zu grausamem Gegenwind, und nochmals stehen Höhenmeter an... Doch jeden, den wir heute auf dem Konto verbuchen können fällt

morgen weg! Auch der zweite Tag wird nicht minder intensiv - eine Dusche und ein klimatisiertes Zimmer stehen bald schon ganz oben auf unsere Wunschliste! Die Abfahrt von 2300 m.ü.M. sparen wir uns für den nächsten Tag und übernachten doch noch einmal im Zelt - bei Vollmond und grandioser Aussicht!

Was für eine Fahrt! Was für Gegensätze sich ennet' des Gebirges auftun! Grün, soweit das Auge reicht, Wälder, Bäche und frischen Luft erwartet uns. Das Kaspischen Meer und in Bandar Anzali ein kleines aber feines Hotel mit Dusche, Klimaanlage und leckerem Essen! Welche Freude über all den Luxus! Alle Mühen sind vergessen etwas Stolz macht sich breit. Müde von Kopf bis Fuß fallen wir in einen tiefen Schlaf und träumen vom morgigen Ruhetag.

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