West Azerbeijan bis Caspian Sea

Zu Gast in Marand

Wir fahren nach einer ausgedehnten Mittagspause weiter mit dem Ziel, unser Nachtlager unterwegs auf der Strecke nach Tabriz aufzuschlagen. In den Abendstunden sind auch so einige Familien auf dem Nachhauseweg. Die geernteten Früchte des Tages werden zuhauf in meine Velotasche gefüllt, und auch wenn dort kaum mehr Platz ist wird munter eingepackt. Eine grosse Hilfe beim kommenden Anstieg ist dies nicht gerade, doch wir freuen uns auf die süssen Früchte zum Znacht. Einladungen zur Übernachtung lehnen wir ab, schließlich sind wir erst wenige Km gefahren.

Doch eine Familie bleibt so hartnäckig dass wir, endlich oben angekommen, ihr Winken nicht länger ignorieren können. Ach, eine Picknick - Pause mit ihnen im Park, wieso auch nicht. Vielleicht können wir dann dort auch unser Zelt aufstellen, beraten wir uns. Nein, nein, sie seien nicht zum Essen hier, sie hätten nur auf uns gewartet. Ihr Haus sei doch so nahe und so gerne hätten sie uns als ihre Gäste. Eine Dusche und ein Znacht tönen zu verlockend, und wir gehen mit Ihnen mit. Aus den fünf Km wurden 12, und ja, den ganzen Berg wieder retour hinunter. Doch die Zeit mit der Familie war es definitiv wert! Wir wurden so herzlich aufgenommen, es gab ein Tee-Kränzlein mit den Nachbarinnen, traditionelles Essen, eine warme Dusche und so viel Freundlichkeit! Danke Fatheme und Familie.

Tabriz 

Der Smog, welcher über der Stadt hängt sehen wir von Weitem. Und immer wieder werden wir von Lastwagen überholt, welche einen immensen Beitrag zur Luftverschmutzung leisten. Ich bin geradezu froh über mein Kopftuch, welches ich als Schutz vor mein Gesicht halte. Da wir am Morgen nicht ganz so früh aufgebrochen sind haben wir nun das Geschenk: mitten in der Hitze fahren wie in die drittgrösste Stadt des Landes und müssen zudem noch ein Hotel finden. Noch dazu sind alle Beschriftungen in Farsi... Am nächsten Tag erkunden wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt und staunen am Eingangsportal der blauen Moschee, ein Bauwerk, welches im 15. Jahrhundert weltberühmt war. Nach unzähligen Erdbeben ist nur noch wenig vom Original erhalten, doch die Restauration veranschaulicht schön, wie wunderbar blau die Moschee gestrahlt haben muss.

Im Stadtpark El-Gohli spazieren wir entlang des künstlichen Sees und beobachten die Menschen beim Nationalsport Volleyball, beim Picknicken und sogar beim Pedalo fahren. Wir jedoch haben genug gepedalt und lassen uns im Restaurant eine grosse Portion Fleisch schmecken!

Caspian Sea - Bandar Anzali 

Wir verbringen die heissen Stunden des Tages im klimatisierten Hotelzimmer und machen es wie alle anderen, erst nach Sonnenuntergang verlassen wir das Haus und schlendern mit Mahyar, unserem persönlichen Reisebegleiter, durch den Park entlang der Lagune. Zum Tee werden frische Früchte und das für den Monat Ramadan typisch süsse Gebäck gereicht. Beim Rauchen der Waserpfeife werden die Gespräche flüssiger und es wird offen diskutiert. Der Wunsch nach grenzeloser Freiheit ist riesig, und wir zwei schweizer Touristen scheinen all dies zu verkörpern. Mit unserer Reise haben wir die Möglichkeit, unsere Träume zu verwirklichen und sehen unterwegs das Leben in fremden Ländern. Wir hören, wie die Menschen hier sich das Leben in Europa vorstellen und stellen dabei auch so einige Klischees klar. Das Leben ist anders, ganz klar. Wertende Aussagen treffen wir jedoch an dieser Stelle keine.

Am nächsten Morgen besuchen wir den grossen Bazar der Hafenstadt. Wir decken uns mit frischen Früchten und Gemüse ein und ziehen uns wieder zurück in unser kühles Zimmer. Am Abend unternehmen wir gemeinsam mit Mahyar eine Bootstour durch die Lagune, welche die grösste Süsswasserlagune der Welt ist. Sie Ist Lebensraum für eine Vielzahl an Vogelarten. Diese werden leider nicht genauer erkundet und beobachtet, der Kapitän ist schließlich Speedbootlenker und kein Ornithologe.

Am nächsten Morgen nehmen wir Abschied von der spannenden Hafenstadt und fahren weiter entlang der Küste. Angekommen in Nowshahr deponieren wir Velos & Gepäck und fahren im Bus bis Teheran. Für die nächsten zwei bis drei Wochen reisen wir mit den öffentlichen Verkehrsmittel (aufgrund der Hitze und der grossen Distanz) weiter in den Süden. Zuerst steht uns in der Millionenmetropole jedoch Bürokratie und Administration auf diversen Botschaften bevor...

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