Big City Life: Tehran

Wird es klappen mit dem Visum für China? Soo vieles (Negatives) haben wir bereits gelesen und gehört... Die Dauer unseres Aufenthaltes in Tehran hängt vor allem davon ab, wie erfolgreich wir bei der Beschaffung unserer Visa sein werden. Inklusive einem Staatsfeiertag und dem Wochenende sind wir mit 7 Übernachtungen ganz zufrieden.

Die Dauer unseres Aufenthaltes in der Millionenmetropole hängt vor allem davon ab, wie lange wir auf die ersehnten Visa für die Weiterreise warten müssen. Anders als in Istanbul, wo wir quer durch die Stadt fahren mussten, liegen in Tehran die von uns benötigten Botschaften alle im selben Stadtteil.

Schweizer Effizienz - etwas anderes hätten wir auch gar nicht erwartet

Auf der schweizer Botschaft werden wir in schönem Schweizerdeutsch empfangen, sogar den Hijab nehme ich für einmal vom Kopf. Wir schmökern im Heftli für Auslandschweizer und überlegen noch, ob wir das diesjährige 1. August Abzeichen kaufen sollen und werden bereits wieder an den Schalter gebeten. Unser LNO (Letter Of No Objections - ein Empfehlungsschreiben welches wir für die Visumbeantragung benötigen) ist in kaum erwähnenswerter Wartezeit geschrieben und gestempelt. Dann geht's zügig weiter zum Copy Shop und ab auf die usbekische Botschaft. Denn die Zeit ist knapp, bei Öffnungszeiten zwischen 09.00 Uhr und 11.00 Uhr liegen keine Umwege der Taxifahrer oder Wartezeiten drin. 

"Come back on Tuesday, the Embassy is closing now for two days" 

Doch leider läuft es bei den Usbeken nicht ganz so speditiv. Geöffnet wird nicht pünktlich und wir werden gebeten uns erst einmal auf der Warteliste einzutragen, als Nr. 12 gesellen wir uns zu den Wartenden. Als wir dann die Agenten entdecken, welche vor uns dran sind stellen wir uns schon einmal darauf ein, es heute wohl nicht auch noch zu den Chinesen zu schaffen. Diese haben nämlich ihre Taschen mit Reisepässen gefüllt und die Nr. 12 wir zur gefühlten 112.

Unter den anderen Reisenden befinden sich weitere Tourenradler, sie kommen aus Frankreich, Belgien und haben so einige Tipps auf Lager. Kurz vor 11.00 Uhr erhalten wir Einlass und stellen leider fest, dass wir nicht alle benötigten Formulare bei uns haben. Wir haben doch alles doppelt ausgefüllt und bereits in Istanbul eingereicht!! Doch Widerstand ist zwecklos und eine Diskussion wird mit den Worten: "Come back on Tuesday, the Embassy is closing now for two days" beendet. Zum Glück liegt die chinesische Botschaft nur wenige Strassen entfernt und so schaffen wir es doch noch, unseren Antrag einzureichen. Dank des bevorstehenden Wochenendes sind wir nun mindestens vier Tage ohne Reisepass, da dieser zu Bearbeitung eingezogen wurde. 

So lassen wir uns zurück im Hotel von Mr. Lonely Planet beraten und planen die freie Zeit in der riesigen Stadt. Wir spazieren die nächsten Tage durch Pärke und Palastanlagen und vergessen den Ärger der Behörden.


Zum zweiten Mal im Botschaftsviertel wissen wir es besser und schreiben uns auf der Warteliste ein noch bevor die Usbeken ihre Tore öffnen. Etwas nervös drängeln wir uns dann vor den Agenten an den Schalter der Chinesen und hoffen, dass unsere Pässe mit einem hübschen Stempel auf uns warten... Haben wir doch während unserer Recherchen im Vorfeld über so viel Willkür und ständig wechselnde Bestimmungen gelesen. Möglich wäre, dass wir nach dem Ausstellungsdatum innerhalb von 30 Tagen in China einreisen müssten. So ist dies beispielsweise bei unserem Bekannten, welchen wir vor der usbekischen Botschaft angetroffen haben, der Fall. Das wäre für uns per Velo nicht möglich, doch um Plan B können wir uns später kümmern, wir hoffen noch immer dass wir mehr Glück haben... Es stellt sich heraus,  dass alle Bedenken umsonst waren und die Erleichterung ist gross. Wir dürfen bis spätestens in drei Monaten in China einreisen und mindestens 30 Tage im Land bleiben. Gerne hätten wir 60 bekommen, doch um eine Verlängerung können wir uns auch in China noch kümmern.

Auch den Usbeken scheint das Wochenende gut bekommen zu sein, wir werden freundlich empfangen und haben bereits kurze Zeit später ein weiteres Visum im Pass. Das läuft ja wie am Schnürchen heute! Im Copy Shop kennt man uns noch und schnell haben wir die gewünschten Kopien in der Tasche. Auf der Botschaft von Turkmenistan müssen wir nämlich vorweisen, dass die Weiterreise bewilligt ist und sie uns nach 5 Tagen ins Nachbarland "weitergeben" können. Schnell ins Taxi springen und loooos!!!! Ab zu den Turkmenen, viel Zeit bleibt nicht mehr... Mist, wir haben nur einen Kugelschreiber dabei und soo viele Zeilen sind auszufüllen. Als wir alle Angaben hingekritzelt haben ist dann promt die Klappe geschlossen! Auch nach energischem Anklopfen eines weiteren Antragstellers wird sie nicht mehr geöffnet! Wars das jetzt?! Müssen wir ein ander Mal wieder kommen? Einmal mehr haben wir Glück und der freundliche Mitarbeiter zeigt sich nochmals durch die kleine Öffnung, prüft unsere Dokumente und entlässt uns mit dem Versprechen, dass unsere Visa in 10 Tagen in Maschad bereitstehen würden.

 

An dieser Stelle möchten wir eine Homepage erwähnen, welche uns bei all den Vorbereitungen für die Beschaffung diverser Visa eine grosse Hilfe war. Dank dieser topaktuellen Seite haben wir viel Zeit gespart, (fast) immer alle benötigten Dokumente zusammenstellen können, dank wertvollen Tipps Geld gespart und, fast das Wichtigste, dank detaillierter Wegbeschreibungen alle Botschaften in noch so verwinkelten Gassen gefunden! 

                    www.caravanistan.com

Erleichtert und sehr glücklich über den erfolgreichen Verlauf des vergangenen Morgens sitzen wir am Nachmittag im Zug Richtung Süden. Mit Cola feiern wir und freuen uns auf die zwei Wochen Ferien. Mit Shiraz, Isfahan & Kashan stehen uns weitere Höhepunkte des Landes bevor. Auf keinen Fall möchten wir diese verpassen, wo wir schon einmal da sind. Doch mit dem Velo wäre die Distanz zu weit, sind wir doch bereits seit knapp 30 Tagen in Iran. Also steht in Isfahan noch die Verlängerung unserer Visa auf dem Programm. Wir fühlen uns haargenau wie Asterix und Obelix auf der Suche nach dem Passierschein A 38 als wir vom Büro 12 zum Büro 19, auf die Bank und dann zum grünen Unterstand geschickt werden, von dort zum Schalter unter dem grünen Unterstand, zurück in die

Warteschlange (inmitten afghanischer Flüchtlinge) wieder ins Büro 12... Genauer ins Detail gehen wir an dieser Stelle nicht. Nur noch so viel: Ja, nach 3h haben wir das Visum für weitere 30 Tage im Reisepass.

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