Wüstenritt

Unterwegs mit unserem Luxusvisum von 7 Tagen finden wir Zeit, die antike Stadt Merw zu besichtigen. Wir fahren in der Karakum-Wüste vorbei an Kamelen und über uns fliegen sogar Flamingos!


Gemütlich fahren wir an Tag 1 von Sarakhs zu der Grenze von Turkmenistan. Ohne Probleme oder aufwändigem Procedere passieren wir diese und verabschieden uns mit einem letzten "Choda Hafez" von den iranischen Grenzwächtern. Kurz nach dem Verlassen des Zollgelaendes vollführe ich auf offener Strasse den lang ersehnten Striptease! Nach zwei Monaten in langen Hosen, hüftlanger Bluse und hübscher Kopfbedeckung fühle ich mich tatsächlich etwas nackt in meinen engen Radlerhöschen und im luftig-leichten Sweatshirt... Verrückt, beinahe hätte ich mich an die islamischen Kleidersitten gewöhnt! Ziemlich direkt steuern wir den ersten Mini-Markt an und freuen uns über Mars-Riegel statt Pars-Riegel und über Bier ohne Fruchtgeschmack. Mit einem halben Liter des goldig-prickelnden Getränks im Bauch fahren wir beschwingt los. Schlechte Strassenverhältnisse? "Schlecht" liegt hier im Auge des Betrachters, wir haben unsere Heidenfreude beim Treten durch den natürlich angelegten Pump-Track! Die Löcher in der Strasse haben tatsächlich Badewannenformat, sind schön abgerundet und mit unseren Velos fährt es sich da super! Andere Verkehrsteilnehmer haben wohl weniger Freude an dieser Piste, unglaublich dass hier ein LKW den anderen abschleppt. Verständlich, dass sie kaum schneller unterwegs sind als wir...

"The Mongol Rally thunders 10.000 miles arcoss the mountains, desert and steppe of Europe and Asia each summer. There's no backup, no support and no set route: just you, your fellow adventurist and a tiny car bought from a scrapyard for 11.50 Pounds."

Am Tag 2 wirds dann doch noch holprig, doch nur eine kurze Strecke (ca. 40 Km) und dann sind wir bereits auf der Hauptverkehrsachse nach Mary. Deutlich schneller kommen wir voran und treffen eingangs Stadt direkt auf unsere neuseeländischen Freunde der Mongol Rally, mit denen wir noch eine Rechnung offen haben. Für den letzten Kilometer durch die Stadt tausche ich einen Platz im Auto mit einem Kiwi, der seinerseits freudig in die Pedale tritt. Bei ein paar Bierchen werden Schulden beglichen und wir freuen uns auf ein weiches Bett im viel zu teuren Hotel. Tag 3 beginnt mit einer (trotz heruntergehandeltem Preis) viel zu teueren Tour nach Merw, einer antiken Stätte nahe Mary. Da das Gelände sehr gross ist sind wir froh, einen Mitarbeiter des Museums von Mary als Fahrer und Guide dabei zu haben und staunen einmal mehr ueber Bauwerke, Geschichte und die Natur.


Den freien Tag nutzen wir noch zur dringend nötigen Veloreparatur. Neben Wind, Hitze & Holperpisten ist Christian seit zwei Tagen mit schleifender Bremse unterwegs... Die eine Bremsbacke hat sich verklemmt und alles justieren der Scheibenbremse führte stets nur kurzzeitig zum Erfolg. Dank Internet haben wir ein Manöver gefunden, um die Bremse fachmännisch zu mobilisieren und sind nun definitiv gerüstet fuer die Fahrt duch die Karakum Wüste.


Da wir es am Morgen gerne gemütlich nehmen fahren wir erst um 09.00 Uhr los und erleben an Tag 4 die Hitze der Wüste so richtig. Wir finden bei einer Autowerkstatt einen kleinen Shop und stärken uns mit Cola. Am Abend schaffen wir es dann nicht mehr so weit und das Feierabendbier haut uns dann so richtig aus den Socken. So lege ich mich bereits am frühen Abend ins Zelt, trinke Boullion und lasse meinen Körper regenerieren. An Tag 5 sitzen wir bereits um 07.00 Uhr auf den Velos. Heute sind wir so richtig in der Sandwüste und es gibt entlang der Eisenbahn nur wenige kleine Siedlungen, ansonsten treffen wir kaum auf andere Menschen. Sand so weit das Auge reicht, und wir mitten drin auf einer ganz passablen Asphaltpiste. Über uns fliegen pinkig-weisse Flamingos und wir fahren vorbei an Kamelherden. Heute bläst der Wind etwas stärker und wir erleben den wohl heissesten Tag unserer Reise. Die Temperaturanzeige meines Velocomputers zeigt 46 Grad im Schatten an, und im Schatten sind wir sozusagen gar nicht... Immer mit dem Ortsnamen "Repetek" im Kopf strampeln wir weiter und weiter. Das Wasser (ja, wir haben genug dabei, siehe hier), gemischt mit Fruchtsaft trinkt sich wie Früchtetee, zuerst müssen wir etwas blasen damit wir uns die Zunge nicht verbrennen. Ziemlich müde kommen wir in Retepek, einer Lastwagen Raststätte, an. Mit dem Übertreten der Türschwelle erreichen wir einen klimatisierten Raum, Pepsi, Suppe & Poulet werden auf unsere Teller geschöpft und grosse Freude macht sich breit. Juhuu! Ein grosser Teil des Wüstenritts ist geschafft, und wir sind noch immer munter & zufrieden!

Am Abend geniessen wir die Gesellschaft des deutschen Päärchens Elli & Sebastian. Es tut richtig gut, Gespräche auf deutsch zu führen die weiter reichen als "Helooo, how are you? Goodbyyyeee!". Gemeinsam starten wir Tag 6 und fahren um 04.30 Uhr noch im Dunkeln bei angenehmen 24 Grad los. So meistern wir auch die letzte Wüstenetappe und erreichen Turkmenabat am frühen Mittag. Christian besucht das eindrückliche Regionalmuseum welches in einem prunkvollen Bau, ganz nach turkmenischer Art, als wohl einziger Tourist. Unter Aufsicht unzähliger Angestellter darf leider kein einziges Foto gemacht werden. Schade eigentlich, wurde dieses doch so sorgfältig ausgebaut und das Leben in Turkmenistan so schön dargestellt.

An Tag 7 rollen wir bereits der nächsten Grenze entgegen und blicken zurück auf heisse Tage, sind dankbar dass der Wind gnädig gestimmt war, behalten Frauen in farbigen Tüchern in Erinnerung und nehmen die intensive Erfahrung des Wüstenritts mit.

Natural Pump-Tack, made by Turkmenistan 


Da war noch was...

Ach ja, der Grenzübertritt nach Usbekistan... Unsere 7 Tage Luxusvisa wurden uns dann doch noch zum Verhängnis. Aus unerklärlichen Gründen haben wir ganz dummerweise vergessen (zu wenig informiert, falsch informiert?!) uns nach sechs Tagen in Turkmenistan offiziell beim Amt für Immigration zu registrieren. Der Chef persönlich klärt uns auf, dass wir nun zwei Möglichkeiten hätten :

 

A) Busse a 1200 USD pro Person

B) Einreiseverbot in Turkmenistan für 1 Jahr

 

Hmm, na dann... zweimal Option B), bitte! Und ein langwieriges Prozedere folgt. Von Fingerabdrücken über Fotos, Passkopien und drei von uns handgeschriebenen Briefen. Die Zöllner werden immer freundlicher und verteilen Bonbons bevor wir nach drei Stunden entlassen werden. Und wir sollen uns ja nicht mehr zeigen! - Aber nur für 1 Jahr, danach seien wir selbstverständlich wieder herzlich Willkommen in ihrem Land.

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