Plan B

Von Sary Tash aus wollten wir ursprünglich direkt über den Irkeshtam Pass nach China weiterreisen. Doch wieso sollen wir nicht noch etwas Zeit in Kirgistan - der Schweiz Zentralasiens - verbringen? Wir könnten in Osh durch den Basar schlendern und in Arslanbob in der Herbstsonne wandern. Wieso nicht? Weil der ursprüngliche Plan seine guten Gründe hatte.

Für sehr lange Zeit war die Fahrt durch das Pamir Gebirge ein grosses Ziel für uns. Kälte, Wind und atem(be)raubende Pässe haben wir auf uns genommen. So sehnen wir uns nach der körperlichen Anstrengung nach Erholung und entscheiden uns spontan dazu doch noch nach Osh zu fahren um die Annemlichkeiten einer Stadt zu geniessen. Wir treffen dort im TES Guesthouse andere Veloreisende und tauschen uns über Material, Reiseerfahrungen und Routenwahl aus. 22 Velofahrer aus verschiedenen Ländern werden am einen Abend an der üppig gedeckten Tafel gezählt! So vergeht die Zeit im Flug und wir sinken immer tiefer in den Zustand der Entspannung. Wieso auch sollen wir weiterziehen? In Kirgistan können wir visafrei bis zu 60 Tagen bleiben und für die Einreise nach China haben wir seit dem Ausstellungsdatum in Iran drei Monate, also bleibt genügend Zeit, oder?!

Gerne würden wir bei dem schönen Herbstwetter wandern gehen, so buchen wir einen Ausflug nach Arslanbob, zu dem größten natürlichen Walnusswald der Erde. Das CBT Büro vor Ort begrüßt uns freundlich und vermittelt uns eine herzliche Homestay Unterkunft. HELVETAS (Schweizer Entwicklungsorganisation) hat den Aufbau der Tourismusinfrastruktur geleitet und so fühlen wir uns fast wie zu Hause als uns von Mountainbike Touren, Skiausflügen und Wanderungen vorgeschwärmt wird. Trotz dem grossen Angebot an geführten Aktivitäten entscheiden wir uns dafür, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Die Wanderung zum 80m hohen Wasserfall mit einem steilen Aufstieg zum Schluss belohnt uns mit einem Ausblick über das weite Tal welches unter uns liegt. In der Herbstsonne trinken wir Tee, während neben uns Äpfel geerntet werden. Mit Blick auf die hoch aufragenden Berge und das Laub, welches in kräftigen Farben leuchtet, fühlen wir uns richtig glücklich.


Zurück in Osh wir es dann aber endgültig Zeit, uns von Zentralasien zu verabschieden. Gerne würden wir wiedereinmal hierher zurückkommen, vielleicht das nächste Mal etwas früher im Jahr. Von den Ebenen gespickt mit Yurten und Yakherden war nicht mehr viel übrig in dieser Jahreszeit und wir bedauern es, dies verpasst zu haben. Dass es jedoch so schnell geht, bis wir wieder einen Einreisestempel von Kirgistan im Pass haben, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So steigen wir etwas wehmütig in den Nachtbus voller Chinesen welcher uns nach Kashgar bringen soll. Der Grenzbeamte von Kirgistan plaziert den Ausreisestempel und wir werfen nochmals einen Blick auf unser China Visum. Wie stolz waren wir, die drei Monate Einreisezeit ab Ausstellungsdatum zu erhalten! Wie selbstbewusst haben wir erzählt, dass alles so einfach abgelaufen ist an der chinesischen Botschaft. Gross ist in diesem Moment die Vorfreude auf die Einreise ins Reich der Mitte! Doch dann: "Ähm, Christian, welches Datum ist heute?" - "Der 12., wieso?" - "Weil hier steht, dass wir bis spätestens 09.10.2015 in China einreisen müssen... "


??? WAAS ??? Der Pamir hat wohl so einige Hirnzellen rausgeschüttelt... Wir waren wenige Stunden zuvor noch stolz darauf, nicht nach Plan zu reisen, spontane Abstecher gemacht zu haben, doch in diesem Moment fühlen wir uns einfach nur dämlich. Waren wir wirklich so dumm, die Frist von drei Monaten zu verschlafen? Warum bloss sind wir nach Osh, das war doch nie der PLAN!!! Wieso bloss haben wir das Visum nicht früher nochmals kontrolliert?

Mit dem Bus fahren wir dann doch noch die paar Kilometer zum chinesischen Grenzposten aber dort ist dann definitiv Endstation. Es ist uns sehr peinlich, unsere Velos aus dem Bus zu räumen (brauchte es am Vorabend doch viel Überredungskunst, dass der Chauffeur sie verladen hat). Wie konnte das bloss passieren? UNS? Den stets vorbereiteten und durchorganisierten Schweizern?

 

Nun, mit zwei Wochen Abstand ist der Ärger nicht mehr ganz so gross, wenn ich an unseren dummen Fehler zurückdenke. Nach einem solchen Tag konnte es nur noch besser werden, und das wurde es auch. Die Wut über uns selbst von der Seele strampeln, eine sympathische, aufmunternde und auch vermittelnde Reisebegleitung & so einige Flaschen Vodka haben unsere Reiselust zurückgebracht. Selbstverständlich haben wir nun einen neuen Plan, weniger detailliert, weniger terminiert und auf das Wesentliche zusammengefasst:

 

  1. Neues China Visum beantragen
  2. Einreisefrist nicht verpassen

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sue und Finja (Freitag, 23 Oktober 2015 13:30)

    Woooow, so schööni Bilder! Do chumi doch grad au Fernweh über...Mir hoffed, dass eues neue Visum klapped het und ihr dasmol de Termin vode IIreis nöd verpassed! :-) D'Finja luegt übrigens flissig mit mir euri Fotos aa!

    Passed wiiterhin uf eu uf, liebi Grüess

  • #2

    Claudia & Michael (Freitag, 19 August 2016 12:41)

    Oh, genau dasselbe ist uns letztes Jahr auch passiert, als wir von Kasachstan nach China weiterreisen wollten: 2 Tage ZU SPÄT dran gewesen - und aus der Traum:-(! Bei den Chinesen muss man - im Gegensatz zu vielen anderen Visa - bis spätestens zum angegebenen Datum einreisen!
    Wir mussten uns dann auch mit etwas Vodka "beruhigen" nach diesem Schock....:-(