Abschied von der Seidenstraße 

Wir reisen komfortabel per Bus und Zug getrennt von unseren Velos von Nord nach Süd. Erst in Chengdu nehmen wir diese unversehrt wieder entgegen. Hinter uns liegen Tage voller Sightseeing an uralten und hypermodernen Orten. Wir sehen zum letzten Mal Kamele und verabschieden uns von der Seidenstraße.

Bereits zwei Wochen sind wir nun in China und noch immer ist uns so Vieles fremd. Dass auch wir zwei "Fremde" im Reich der Mitte sind wird uns aufgrund der charmanten Reaktionen der Einheimischen ebenfalls bewusst. So werden wir beispielsweise beim Aufstieg zum Tempel der weißen Pagode in Lanzhou mehrmals um ein Foto gebeten. Immer wieder sehen wir Kinder auf der Straße, welche auf uns zeigen und am Rockzipfel ihrer Mütter zupfen: "Schau! Ausländer!". So dauert es bstimmt 10 Tage, bis wir wieder europäische Gesichter in den Menschenmassen ausmachen können. Denn je südöstlicher wir reisen umso größer und touristischer werden die Städte, so dass wir in Chengdu im Hostel von Kevin und Helena sogar in englisch begrüßt werden. Wir sind ganz froh, dass die Mitarbeiter uns mit ihren ausgewählten Namen entgegenkommen, so vermeiden wir falsche Aussprache und Betonung der Worte was für uns in der Landessprache fast unvermeidbar ist. Erst in Chengdu setzten wir unsere Reise wieder per Velo fort, wir haben nämlich in Khorgos beschlossen, erst wieder Velo zu fahren wenn die Tagestemperatur mindestens 10 Grad erreicht.


Nach 11'000 gefahrenen Kilometer von zu Hause haben wir somit unsere Velos zum ersten Mal für eine weite Strecke verladen. Ganze 3'5000 Km haben wir getrennt von den beiden zurückgelegt um die Kälte des Nordens und die Einsamkeit der Wüste hinter uns zu lassen. So wurden noch in der Grenzstadt Khorgos mit Hilfe der freundlichen Receptionistin Busbillete für uns und unsere Velos gelöst und wir reisten in der folgenden Nacht im komfortablen Bus bis nach Ürümqi. Die am weitesten von einem Meer entfernten Stadt der Welt war an dem Tag uns grau und kalt. Leider war auch die Suche nach einer geeigneten Unterkunft für uns erfolglos. Entweder gab es keinen Platz für unsere Velos oder wir wurden als Ausländer nicht aufgenommen. Nach einem Kaffee in einer einsamen Hotelbar entschieden wir uns, nicht länger hier zu bleiben sondern weiter zu reisen, immer näher ans Meer (was aufgrund der geographischen Lage ein Leichtes wäre).

Am Bahnhof angekommen waren wir dann doch etwas ratlos... Nur schon um aufs Bahnhofgelände zu gelangen waren mehrere Sicherheitschecks notwendig und all unsere Taschen wurden gescannt. Schnell wurde uns klar, dass wir ohne Velos und mit weniger Gepäck bequemer reisen könnten. Im Bus konnten wir alles im Gepäckfach verstauen, für die Weiterreise im Zug mussten wir die Velos jedoch getrennt von uns verschicken. Doch, wo ist der Schalter für die Gepäckaufgabe zu finden? Zum Glück waren nicht alle Wegweiser in den uns kryptischen Zeichen und so drängelten wir uns - ganz wie die Chinesen - zum Schalter. Bei der Gepäckaufgabe waren wir dann sehr glücklich über die Hilfe unserens persönlichen Helden des Tages: nach langem Warten stand uns nämlich ein Hilfsbereiter und vor allem englischsprechender Bahnmitarbeiter zur Seite. Er wurde wohl gerufen da wir zwei ziemlich verloren in der Warteschlange standen. Mit seiner Hilfe haben wir uns von unseren Velos verabschiedet und sie auf die weite Reise nach Chengdu geschickt.

Wir sind nicht die Einzigen im Wartesaal, aber wohl die Einzigen Europäer...

Bereits zwei Stunden vor der Abfahrt unseres Zuges wird gedrängelt, gespuckt & Nudelsuppe geschlürft


Um nicht über 40 Stunden im Zug zu verbringen haben wir uns entschlossen, in mehreren Etappen nach Chengdu zu reisen. Das Lösen der Zugbillete war also unsere nächste Mission und wir brauchten etwas Zeit, bis wir verstanden wie der Billetkauf in China abläuft. Einmal mehr dank Internet informierten wir uns bezüglich der verfügbaren Plätze und stellen uns erst dann in die Reihe. Man muss nämlich A) wissen, welchen der unzähligen Züge man buchen möchte und B) ob die gewünschten Plätze noch verfügbar sind. Ich habe dann mein Smartphone, auf dem ich die Zugenummer notiert hatte, an die Scheibe des Schalters gedrückt und anschließend unsere Reisepässe durchgeschoben. Alles hat wunderbar geklappt und so stiegen wir nach zwei Stunden Wartezeit im überfüllten, chaotischen und lauten Wartesaal in den Zug nach Jiayuguan. 

Optimierung beim Packen

Ohne Essensvorräte im Gepäck schaffen wir es, unsere 12 Taschen auf sechs (plus Rucksack) zu reduzieren. Eine gelbe Tasche schicken wir mit den Velos nach Chengdu und reisen somit etwas leichter durch China.

Aus 12...

...mach 7


Mit Jiayuguan fanden wir eine sehr neue Stadt welche von Sehenswürdigkeiten umgeben ist. Wir fühlten uns noch einmal zurück in die Zeit des Handels auf der Seidenstraße versetzt. Mit der Weiterreise in den Süden werden wir diese bald verlassen. Während wir unterwegs nach Chengdu sind führt die Seidenstraße weiter Richtung Osten, wo sie in Peking ihr Ende findet.

In Jiayuguan endet die Grosse Mauer und wir sahen dort die Überreste des letzten Signalturms und spazierten auf dem weltberühmten Bauwerk. Gegen Westen hin soll nach Meinung der Chinesen nichts Nennenswertes kommen, Richtung Osten beginnt das Leben in Zivilisation. Für uns ist das komisch, wir sind also den weiten Weg aus dem Nichts gekommen um nun endlich in der Zivilisation anzukommen?! In der Zivilisation wo wir in den folgenden Tagen Mütter beobachten, wie sie ihre Kinder mitten in der Fussgängerzone zum Pinkeln hinhalten (dank der Hosen mit Schlitz eine schnelle Sache) oder wo rund um uns hemmungslos gespuckt wird.

Viele der bekannten Klichées scheinen sich also zu bewahrheiten. Wir erleben die von uns besuchten Großstädte Lanzhou und Chengdu jedoch trotz den Gewohnheiten ihrer Bewohner als saubere Städte, ein Hoch also auf all die Strassenreiniger! Auch der Verkehr wirkt ruhig und georndet. Auf den abgetrennten Seitenstreifen verkehren zwar mehr Elektrovelos und -töffli als "richtige" aber auf uns wirken die Städte dennoch velofreundlich. Nach wundervollen Tagen in Chengdu freuen wir uns, wieder auf die Velos zu steigen. Es geht immer weiter Richtung Süden und somit immer weiter in die Wärme, immer näher ans Meer... 

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