Tout Terrain 

Vor lauter Sehenswürdigkeiten kommen wir in Sichuan kaum zum Velofahren. Weniger das Wetter dafür umso mehr die heisse Schärfe der Speisen wärmen uns. Erst in der Provinz Yunnan erleben wir wieder die verschiedensten Facetten des Reisens per Velo bei frühlingshaften Temperaturen.

Kurze Etappen bringen uns nach einem längeren Aufenthalt in Chengdu zu sehenswerten Orten in der näheren Umgebung der Grossstadt. So machen wir bereits am zweiten Tag wieder eine längere Pause um an dem heiligen Berg von Emei Shan den Geist Buddhas einzufangen. Tatsächlich hat es seinen ganz eigenen Zauber inne, nach zwei Stunden Busfahrt und einer weiteren Stunde des Wanderns im Nieselregen plötzlich in der strahlenden Sonne und vor dem "Golden Summit" zu stehen. Mächtig und glänzend ragt die Statue vor uns in die Höhe während unter uns ein schier endloses Nebelmeer liegt.

Auch wenn der Ursprung des Buddhismus nicht in China liegt ziehen so manche Tempel und Statuen grosse Besucherscharen an. Nach unserem Aufenthalt am Emei Shan legen wir also die kurze Fahrstrecke nach Leshan zurück um ein nächstes imposantes Objekt zu bestaunen.

grösste Buddhastatue der Welt 

Nicht einmal der Zehennagel des Buddhas würde Platz in Christian's Schuh finden!


Leshan bietet uns persönlich jedoch noch einen weiteren Dienst: die Visaverlängerung steht an und wir suchen das Büro der öffentlichen Sicherheit (PSB) auf. Wir sind begeistert über die effiziente Arbeit der freundlichen Beamten und halten innert 30 Stunden die Verlängerung unserer Visa für weitere 30 Tage in den Händen. Nachdem wir vor einem Monat unsere Reise nach China beinahe abgeschrieben haben bekommen wir nun also die Möglichkeit ganze 60 Tage im Reich der Mitte zu verweilen. Glücklich verlassen wir die freundliche Stadt und fahren bald schon der Provinz Yunnan entgegen. Mit über 30 ethnischen Minderheiten und ländlichen Gebieten wartet wieder etwas Neues auf uns. Denn auch wenn bis anhin unsere Strassenkarte oder auch unser Navigationsapp auf wenig Leben und Zivilisation hinweisen konnte fanden wir uns jeden Abend inmitten großer Städte wieder.

Wir fahren oft auf Strassen, welche auf unserer Karte nicht eingezeichnet dafür nagelneu sind. Oder wir folgen der Nationalstrasse welche bald von Asphalt in ein verlassenes Waldweglein übergeht… Google.maps & Co. werden unzuverlässig für uns und weichen Baidu.maps., der chinesischen Version. Wir verstehen zwar nicht, was die Zeichen im heruntergeladenen App bedeuten doch die Navigation und die eingezeichneten Strassen sind uns eine grosse Hilfe.

In den vielen neuen Städten ist uns bereits aufgefallen, dass nicht selten bereits Namensschilder von künftigen Hotels, Restaurants oder Banken von den Hauswänden prangen, während sich das Gebäude noch im Rohbau befindet. Nicht anders verhält sich diese Machart leider bei der Strassenkarte. Die von uns befahrene Strasse ist wohl eingezeichnet wobei stellenweise noch nicht einmal der Belag eingebaut ist. Strassenschilder wurden montiert, jedoch noch ohne Beschriftung. So wechselt sich piekfeiner Asphalt mit, ja was könnte es wohl sein? Schlammiger Baustelle... Passierbar ja, befahrbar? Eher nein.

Spuren des Schlamms:

  • Schutzblech gebrochen
  • Stecker von Dynamo abgerissen
  • Kette verzogen
  • Km Zähler steigt aus
  • "So schmutzig war ich in meinem ganzen Leben noch nie!!!"

Nach einsamen Stunden auf Waldwegen können wir uns am höchsten Punkt für einmal nicht über eine schöne Aussicht freuen. Zu dicht ist der Nebel um uns herum. Märchenhaft ist die Stimmung, als wir Hirten mit ihren Tieren entdecken. Doch nur kurz geben wir uns den Träumereien in der mystischen Landschaft hin... Bald schon stecken wir im Schlamm fest und die Konzentration gilt ganz der sicheren Balance auf zwei Rädern. Nur nicht den Fuss absetzen... Nach drei Tagen voller abenteuerlichen Fahrten steigen wir, schmutzig wie wir sind, bei unserem neuen Freund ins Büssli. Ihn scheint der Schmutz nicht zu kümmern, zu gross ist seine Neugierde über uns zwei Fremde. Mit ihm kehrt definitiv die Sonne zurück in unser Veloleben. Er bringt uns zwar nicht an den von uns gewünschten Ort, dafür erleben wir eine unvergessliche Zeit mit ihm, seiner Familie, seinem Dorf... Unsere Velos werden gereinigt und wir im Hotel einquartiert. Es folgt ein Abend mit Mutton Hot Pot, eine Spezialität welche wir in der Schweiz Fondue Chinoise nennen. In den heissen Topf wird viel Gemüse gegeben und in diesem Fall traditionellerweise Lammfleisch. Auf der Bühne folgt Folklore in Form von Gesang und Tanz und wir finden uns bald im Blitzlichtgewitter wieder... Wohl kaum ein Gast verlässt den Platz ohne ein Selfie oder Groufie mit den exotischen Schweizern.


Um möglichst nicht wieder in Baustellen zu stranden folgen wir wahlweise (verbotenerweise) dem Expressway. Die Schranke der Zahlstation bei der Auffahrt übersehen wir geflissentlich und können so auf entspannte Art die vorbeiziehende Landschaft geniessen. Auf dem breiten Pannenstreifen können wir sogar nebeneinander fahren und fühlen uns hier sicherer als inmitten von Baggern im Schlamm. Nur sehr wenig Verkehr herrscht auf der Autobahn und die vorbeifahrenden Polizisten scheinen sich überhaupt nicht zu kümmern über unser Ausfährtli.

So erreichen wir über Autobahn, Nationalstrasse, Baustellen und Waldwegli Kunming, die Stadt des Frühlings. Unsere Velos der Marke "Tout Terrain" haben einmal mehr gezeigt, dass sie tatsächlich für jede Unterlage gemacht sind.

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