Nachtaktiv

Während neun Jahren konnten die Bauern im Norden von Laos ihre Felder nur in der Nacht bestellen, zu gefährlich war es tagsüber, von einer Flugzeugbombe getötet zu werden.

Ja, auch das ist Laos. Zu sehr beschäftigen uns die Fakten der Geheimmission des amerikanischen CIA als dass wir hier nur von schöner Landschaft, tollen Strassen und lächelnden Menschen schreiben könnten. Denn der Schein trügt: Der Dschungel im Norden von Laos ist voller Blindgänger und somit eine grosse Gefahr für Mensch und Tier. Die hübschen Fischteiche in den Dörfern gibt es erst seit 50 Jahren, als herabfallende Bomben riesige Krater hinterließen. Im kleinen Ort Viang Xai, nahe der Grenze zu Vietnam haben wir einige Tage verbracht und auf einer Tour durch die Karsthöhlen der Region sehr viel über die dunkle Seite von Laos erfahren. Das Leben der Menschen hat für ganze neun Jahre in diesen Höhlen stattgefunden weil es draußen Unmengen an Bomben vom Himmel regnete. Sie haben Ihren Alltag angepasst und gelernt mit den Umständen zu leben. So gab es eine Krankenhaushöhle, eine Theaterhöhle, eine Schulhöhle und sogar genug Platz für ein Volleyballspiel.

1964 bis 1973: 9 Jahre lang wurde Laos bombardiert, alle 8 Minuten über 24 Stunden

  • Es fielen mehr Bomben auf Laos als auf Deutschland und Japan während des 2. Weltkriegs 
  • Long Cheng: Hauptquartier des CIA, war für einige Jahre der meist beflogenste Flugplatz der Welt
  • 2.1 Mio. Tonnen Bomben wurden abgeworfen, knapp ein Drittel davon sind nicht explodiert und verseuchen heute 50% der Landfläche in Laos

Brutal tönen die Fakten, die es bei uns in kein Geschichtsbuch geschafft haben und auch in keiner Schulklasse unterrichtet werden. Jetzt in diesem Artikel einen Themenwechsel zu machen fällt nicht ganz so einfach. Doch in Laos wächst bereits die übernächste Generation heran und die Menschen haben gut gelernt, mit den Folgen zu leben. Es wird viel Hilfe geleistet, um Blindgänger zu beseitigen und die Bevölkerung wird im Umgang mit Kriegsmaterial geschult. Heute sieht man Bombenschrott, welcher zur Dekoration vor den Häusern aufgestellt werden. Ein Dorf hat sich sogar darauf spezialisiert, Besteck und Schmuck aus Kriegsmaterial herzustellen. Das Geschehene will nicht vergessen werden, doch wir wollen nun weiterziehen um die vielen schönen Dinge in Laos zu entdecken.


So sind wir zum Nam Et-Phou Louey Nationalpark gefahren und sind dort selber nachtaktiv geworden. Im letzten Rückzugsgebiet der Tiger in Laos machen uns auf die Suche nach diesen. Wir haben eine Nacht Safari im Dschungel gebucht und wurden von einem lokalen Führer, einem englisch sprechenden Übersetzer und einem einheimischen Steuermann für das Boot begleitet. Gemeinsam gingen wir auf Spurensuche um Wildkatzen, Hirsche, Vögel oder gar Otter zu sichten. Im sehr dichten Wald war es schwierig, die Tiere zu entdecken. Erst in der Dunkelheit hatten wir Glück viele Augenpaare haben im Dunkeln geleuchtet, doch nur mit Hilfe der Einheimischen konnten wir die Tiere bestimmen. Am Lagerfeuer mit den Wildhütern, den lokalen Führern und uns zwei Schweizern wurden verschiedene Lieder gesungen und viel gelacht. Wir bekamen selbstgebrauten Whisky zum Trinken und haben dann auch noch einige Mani Matter Lieder geträllert bevor wir uns im Holzhäusern unter das Moskitonetz gelegt haben.


Vor der nächsten größeren Pause stehen uns noch einige Höhenmeter im hügeligen Norden bevor doch wir freuen uns darauf, uns den körperlich anspruchsvollen Herausforderungen zu stellen. Das Velowetter ist perfekt und die Strassen ruhig - also los geht's!

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