In Form?

Nach zehn Monaten ist wiedereinmal ein Formtest nötig. Laos scheint der perfekte Ort, um Rekorde zu brechen während wir Hügel um Hügel im Dschungel bezwingen.

Andere Reisende nennen uns oft ruhmvoll "körperlich topfit", würde eine Veloreise bestimmt starke Muskeln und sehr leistungsfähige Körper voraussetzen. Naja, wenn wir in Gedanken unsere letzten Etappen durchgehen sind wir nicht so sicher, ob wir das Lob so ohne Weiteres einheimsen dürfen. Wir legen nämlich immer häufiger einen oder auch gerne mehrere Tage Pause ein und fahren nicht mehr so viele Kilometer am Stück. Zudem haben wir meist schon lange vor Sonnenuntergang Feierabend, und auch fürs Käffele wird immer mehr Zeit eingeplant.

Doch nach den ausgedehnten Festtagen wird es auch für uns Zeit, wieder aktiver zu werden. Langsam aber sicher kitzelt es uns in den Wädli, die Sportler in uns sind aus dem Winterschlaf erwacht und fordern Schweiss, Adrenalin und Muskelkater. In Laos scheinen wir nun am richtigen Ort für Herausforderungen angelangt zu sein, wir wurden nämlich bereits von diversen Stimmen bezüglich des happigen Geländes gewarnt. Na dann, lass uns in die Pedale treten! 

Der von uns befahrene Nordosten von Laos ist nur sehr dünn besiedelt und die Menschen leben sehr einfach. Nur ungern möchten wir bei den Einheimischen um Unterschlupf und Essen fragen. Schulen und Tempel gibt es nur wenige und abseits von Strassen ist es uns aufgrund der bereits erwähnten Blindgänger etwas zu heikel. So machen wir uns früh morgens auf um es bis vor Sonnenuntergang zum nächsten Gasthaus zu schaffen. Bald schon finden wir uns schwitzend inmitten des grünen Dschungels wieder, das Adrenalin wird bei den teils steilen Abfahrten durch die Adern gepumpt und auch der Muskelkater am nächsten Tag ist vorprogrammiert. Denn ganze neun Stunden im Sattel erfordern Positionswechsel um die Kraft aus verschiedenen Muskeln zu holen. Natürlich ist es anstrengend, doch war es nicht genau das, wovon wir zu Hause auf dem Bürostuhl bzw. an der Behandlungsliege geträumt haben: Den ganzen Tag auf dem Velo zu sitzen und dabei die ständig wechselnde Umgebung mit seinen uns fremden Pflanzen und Tieren aufzunehmen? Wenn der Atem  wird und die Beine schwer werden nicht an den morgigen Arbeitstag zu denken sondern den fröhlich lächelnden Kindern am Strassenrand zuzuwinken? Oh ja, genau so haben wir es uns erträumt und noch besser ist es wirklich!

Rekordetappe 

Fahrtkilometer: 100 Km

Das wäre z.B. von Frauenfeld nach Luzern

 

Zurückgelegte Höhenmeter: 2300 m

Das wäre z.B. von Frauenfeld bis auf den Säntis

 

Fahrtzeit: 9 h

Das wäre z.B. ein ganzer Arbeitstag - ohne Kafipause

 


Dass auf einen Aufstieg eine Abfahrt folgt ist eine wunderbare Tatsache, doch wenn nach Tagen im Sonnenschein plötzlich dicke Wolken aufziehen, finden wir das etwas weniger toll. Habe ich hier nicht bereits vor wenigen Wochen von einem Temperatursturz in China berichtet? Danach waren wir uns so sicher, dem Winter endgültig entkommen zu sein dass wir fortan nur noch in Flipflops und Sandalen unterwegs sein wollten. Thermowäsche und Co. wurden zuunterst in die Taschen gepackt und die Sonnenrème ins Gesicht geschmiert. Und dann berichten uns die Einheimischen von dem bevorstehenden Kälteeinbruch... Auch wenn wir es am Morgen nicht richtig wahrhaben wollen schlüpfen wir in die Regenkleider und radeln drauflos. Wir machen uns einen Spass daraus, die immer tiefer werdenden Zahlen der Temperaturanzeige zu fotografieren und trauen unseren Augen kaum als nur noch 2 Grad Celsius angezeigt werden! Es fehlen uns noch knapp zehn Kilometer zum Tagesziel und zwei weitere Tage bis zur nächsten Stadt... Oh je, also so haben wir es uns eben gerade nicht vorgestellt.

Was dann passiert ist geschieht so eigentlich nur in kitschigen Filmen: Ein schwarzer Pick-up überholt uns, steht hupend am Strassenrand und wir fahren unbekümmert weiter (hupende Autos beeindrucken uns schon lange nicht mehr). Beim zweiten Überholmanöver kippe ich dann fast vom Velo als ich das fröhliche Gesicht im Auto erkenne!

Thomas reist per Autostopp um die Welt, ein Treffen mit ihm zu vereinbaren wäre aufgrund des unterschiedlichen Reiserhythmus schwierig gewesen. Nun, mitten im Nirgendwo, auf der regenassen Strasse und bei eisigen Temperaturen überholt er uns im Pick-up. Er reist für einige Tage mit seiner Freundin Lea im Mietwagen und sie sind ebenfalls unterwegs nach Luang Prabang!


Per Autostopp um die Welt

Um zu sehen, wie eine Weltreise per Autostopp ablaufen kann, verfolgt den Blog von Thomas Schlittler: www.watson.ch

Wir tauschten also zwei ungemütliche Tage auf den Velos mit kuschligen Stunden im Dauenenschlafsack und warteten bis die Sonne sich wieder blicken liess. Zu viert machten wir Jagd auf die wenigen geheizten Cafés der Stadt und tauschen gemeinsame und doch so unterschiedliche Reiseerlebnisse aus.


Nach vier Tagen unter einer dicken Wolkendecke spüren wir wieder warme Sonnenstrahlen im Gesicht und machen uns auf, die schönen Plätzchen Luang Prabangs im Freien zu erkunden.

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Kommentare: 3
  • #1

    Sina Danesteh (Donnerstag, 04 Februar 2016 12:15)

    What a beautiful and spectacular Waterfall!!!!

  • #2

    Nathalie (Donnerstag, 18 Februar 2016 22:37)

    Yeah du sitzisch im cranky-T in Phonsavan! Det sind d Sibylle und ich au gsi! Chume grad Fernweh über.. Witerhin gueti Fahrt!

  • #3

    Ivi (Montag, 22 Februar 2016 16:52)

    Juhuu, lise sowohl euen als au am Thomas sin Blog uf "Watson.ch" isch jo cool hend ihr eu so per Zuefall troffe!
    Gratulation zu de Rekord-Etappe - wiiter so und bis bald :-*