Touristisch oder traditionell?

Nach Tagen im Touristenmagnet Luang Prabang geht es weiter ins berühmt-berüchtige Vang Vieng. Unterwegs werden wir mit einem grandiosen Panorama entschädigt und die müden Muskeln dürfen sich in heissen Quellen regenerieren. Eine Aussicht gibt uns bei der Berg- und Talfahrt besonders viel Power: der bevorstehende Besuch unserer Freunde in der Hauptstadt Vientiane!

Wir verlassen Luang Prabang mit seinen wunderschönen Tempelanlagen und hübschen Cafés im Morgengrauen, der Nebel verzieht sich am Fluss meist erst um die Mittagszeit. Gut gelaunt fahren wir los, wir haben nämlich noch unsere Taschen mit feinen Guezli aus der "Scandinavian Bakery" gefüllt um uns die bevorstehenden Anstiege etwas zu versüßen. Einmal mehr befinden wir uns alsbald auf einer Strecke, welche im Reiseführer als eine der schönsten des Landes angepriesen wird. Bei der Hinfahrt im Auto konnten wir dem hinter angelaufenen Fensterscheiben und bei Regen nicht ganz zustimmen und sind sehr froh, dass wir die Route bei Sonnenschein mit ganz anderen Augen sehen und neu entdecken dürfen. Zu den endlos weiten Wäldern, welche aufgrund der starken Rodung jedoch nicht immer schön anzusehen sind, gesellen sich bald hohe und spitzige Kalksteinberge. Wie diese im Morgenlicht hinter den arbeitenden Bauern auf ihren Feldern in die Höhe ragen ist schlicht atemberaubend! Das Hot Spring Resort kommt nach der letzten Bergetappe wie gerufen um unsere müden Beine zu regenerieren. Danach wird die Strecke zum ersten Mal in Laos merklich flacher.

Vang Vieng eilt ein negativer Ruf voraus, soll es bekanntlich wimmeln von Saufbrüdern und Kiffschwestern welche sich halbnackt in LKW Schläuchen im Fluss von der Strömung treiben lassen...

Wir beziehen unser Hotelzimmer und ja, unterwegs zum Fluss treffen wir Touris die "oben ohne" und in Badehose eher unangemessen gekleidet sind. Doch den ausschweifenden Partytourismus erleben wir als sehr gemäßigt. Die jungen und wilden Backpacker scheinen den Ort nicht mehr zu beherrschen, der Trink- und Drogenkonsum wird von der Regierung stärker kontrolliert und dies anscheinend erfolgreich. Immer mehr Hotels werben mit Begriffen wie "Spa" oder "Resort" um eine zahlungskräftige eher ältere Zielgruppe zu erreichen. Doch von den vielen Touristen welche in den schicken Restaurants Luang Prabangs schlemmen scheinen sich jedoch noch nicht alle für eine Weiterreise nach Vang Vieng zu entschließen. So gibt es viele unbesetzte Plätze in den Restaurants am Fluss und leere Betten in den Hotels mit Blick auf die Karstfelsen. Wir wünschen dem Ort sehr, dass er mit dem Imagewechsel bald wieder Fuss fassen kann als grosse Tourismusdestination. Mit der Landschaft direkt am Fluss und den Höhlen gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten zu besuchen und wenn die Besucher nicht mehr im Bikini beschwips auf dem Fluss treiben sondern gesittet mit Schwimmweste im Kajak paddeln bleibt auch die Kirche bzw. der Tempel im Dorf!

Während ich leider das Bett hütete macht sich Christian auf, die Höhlen zu besichtigen und die Aussichtspunkte der Region zu erklimmen. Die Wanderwege hat er dabei meist für sich alleine.

Vang Vieng: bis 2009 beliebtes Reiseziel für Tubing, Suff & Drogenrausch. Als die Sterberate bei Touristen immer stärker anstieg hat die Regierung den Riegel geschoben: Bars wurden geschlossen, Alkohol- und Drogenverkauf stärker kontrolliert und somit die Jungen & Wilden aus dem Ort verbannt.


Juhuu! Freunde zu Besuch!

Die letzten beiden Tage bis zu Hauptstadt bringen uns flache Strassen mit vielen Belagschäden, so werden wir von jedem heranbrausenden Fahrzeug mit Staub eingenebelt und dieser klebt dann prima auf unsere verschwitzten Haut.

Angekommen am Ziel Vientiane stellen wir uns paniert und klebrig von Schweiss und Staub unter die Dusche und eilen ins nahegelegene Pub. Dort erwartet uns nämlich nicht nur ein kühles Bier sondern auch unsere Freunde Martin & Seraina. Die Freude ist riesig, die Zwei genau elf Monate nach dem Abschied in der Schweiz wiederzusehen.

Gemeinsam fahren wir zum Buddhapark, besuchen Museen und Tempel und posieren vor dem Triumphbogen Vientianes. Doch wir sind uns einig, die Stadt könnte sich besser präsentieren. Der Mekongpromenade fehlen Cafés und Bars, die Restaurantdichte ist wohl hoch, bietet aber meist nur (nicht sehr leckeren) Westernfood wie Hamburger und Pizza. Ja, die Hauptstadt von Laos glänzt wahrlich nicht, doch eigentlich zeigt sich hier einfach das Leben, wie es ist. Es gibt keine schöne Fassade, wo arme Menschen dahinter leben. Es wird nicht wie in Luang Prabang ein Ort für Touristen geschaffen, wo sich Einheimische nicht mehr zu Hause fühlen können vor lauter Schickeria. Dass Martin und Seraina ihren paradiesischen Strandurlaub verkürzt haben schätzen wir an einem solchen Ort umso mehr.

Wobei: wir brauchen eh' nicht mehr als ein paar Beerlao und Jasskarten oder einfach nur einen Tisch mit vier Stühlen um eine gute Zeit zu haben - das ist es wohl was Freundschaft ausmacht.

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