Die Zielgerade


Wir werden von unseren neuen Freunden zum Essen ausgeführt und erleben nochmals viel multi-kulti in Malaysia. Wir sind so glücklich, in diesem Land zu reisen dass uns nicht einmal der starke Regen die Laune verderben kann.

Die Mühen der anstrengenden Etappen der letzten Tage geraten mit jeder Stunde, die wir in den Cameron Highlands verbringen, weiter in den Hintergrund. Um noch einmal einen gemeinsamen Abend mit uns zu verbringen kommen die lieb gewonnenen Gastgeber der Moonriver Lodge zu Besuch nach Tanah Rata. Wir fahren gemeinsam zu einer Teeplantage um dort das satte Grün im Licht der untergehenden Sonne zu bestaunen und letzte Erinnerungsfotos zu knipsen. Zum Abendessen entscheiden wir uns für die lokale Spezialität Steamboat (typisches Gericht in Malaysia, ähnlich unserem Fondue Chinoise). An diesem Abend sind wir (Christen) mit der Muslimin Nor, dem Buddhisten David und dem Nepalesen Vasantha, dessen Religion uns unbekannt ist, unterwegs. Noch immer sind wir fasziniert von der Tatsache, dass überall wo wir hinkommen verschiedene Ethnien und Religionen friedlich nebeneinander Ihrem Alltag nachgehen und bedanken uns herzlich für die Gespräche über Allah, Gott und die Welt.

Nach der Belohnung für Magen und Augen folgte am nächsten Morgen die schönste Belohnung für Velofahrer: die Abfahrt! In Malaysia macht uns sogar das Velofahren im Regen Spass, denn das Spritzwasser der entgegenkommenden Autos oder der grossen Pfützen ist so warm wie Badewasser und so fahren wir mit Absicht durchs Wasser statt einen Bogen drumrum zu machen. Wir winken den Orang Asli Kindern zu, welche ihre Köpfe aus den Bambushütten strecken und freuen uns, nach so viel Hitze und Trockenheit, über die reissenden Bäche und tosenden Wasserfälle.

Unten angekommen rollen wir auf den flachen Strassen gegen Süden und erreichen bald Vororte der Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur. Wir fahren nicht in die Stadt hinein und kommen dennoch an einem Wahrzeichen vorbei, nämlich an der Formel 1 Rennstrecke von Kuala Lumpur! An diesem Wochenende findet ein Motorradrennen statt und wir können von den Velos aus einen Blick auf das Sportgelände werfen. Beflügelt vom Geschwindigkeitsrausch fahren wir weiter und erreichen am nächsten Mittag die berühmte Hafenstadt Melaka. Diese Stadt teilt dank des historischen Kerns den Titel des Unesco Weltkulturerbe mit Georgetown, etwas weiter im Norden des Landes. Noch einmal tauchen wir also ab in die Geschichte der Kolonialzeit, der Händler und Schiffreisenden vergangener Zeiten.


"Und, wie ist es so, kurz vor dem Ziel?"

Keine 200 Kilometer trennen uns von Singapur. Von der 20. und letzten Grenzüberquerung. Von unserer letzen Etappe im Sattel als "Fahraway"-Gespann. Vor unserem letzen Häckchen auf unseren schönen T-Shirts. Wir sind auf der Zielgeraden unserer Reise und zu beschreiben, was wir denken und fühlen, fällt mir sehr schwer. So schnell ist die Zeit vergangen und gleichzeitig kommt es uns so vor, als ob die Abfahrt in der Schweiz bereits ewig zurückliegen würde. Wir erinnern uns an heisse Stunden in der Wüste und saukaltes Schneegestöber, an Gegenwind und Rückenwind, an unser Chinadesaster und die unverhofft schöne Zeit in Kirgistan. Die ganze Reise läuft als Film in unseren Köpfen rauf und runter und wir werden dabei mal euphorisch und mal traurig, mal stolz und mal sehr müde. Wir haben so viel erlebt, und doch zu wenig gesehen. Wir freuen uns so sehr auf zu Hause und würden am liebsten wieder zurück in den Pamir, nach Istanbul, auf die Surin Insel oder doch in die Kasachische Steppe?

Mein Versuch zu beschreiben, wie wir uns fühlen so kurz vor Singapur, tönt wirr. Ein ebensolches Durcheinander geht in unseren Köpfen vor und das ist wohl einfach die beste Antwort, die ich liefern kann.

Also bin ich nun still und wir biegen ein, auf die Zielgerade unseres "Fahraway"  Traums.

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Von West nach Ost nach West

Unser aktuelles Reiseland Malaysia fasziniert uns von Tag zu Tag mehr. Wir reisen im Zick Zack von Westen nach Osten und wieder zurück - die Teeplantagen und die kühlere Luft der Cameron Highlands sind unser nächstes Ziel.

Ob wir vor der Ankunft in Europa wohl nochmals Socken tragen werden? Die nächsten Tage werden uns die Antwort liefern, denn vom Meer geht es für uns noch einmal in die Berge. Naja, die Cameron Highlands liegen mit 1600 m ü.M nicht gerade alpin, dennoch soll es dort etwa 10 Grad kühler sein als in den Küstenregionen. Bereits auf den ersten Kilometern nach Verlassen der Küstestrasse machen einige Höhenmeter, jedoch folgt auf jede Steigung bald eine Abfahrt und so dringen wir noch nicht wirklich in höhere Lagen vor. Unsere Schweissdrüsen laufen also weiterhin auf Hochtouren und wir brauchen weder Socken noch eine warme Dusche, dafür umso mehr Sonnenrème und Trinkwasser. 

Während wir an diesem Morgen noch am Meer entlang gefahren sind, kommen wir um die Mittagszeit bereits wieder ans Wasser, dieses Mal am Ufer des Tasik Kenyir. Im grössten Stausees Malaysias waschen wir uns und unsere Kleider und stellen unser Zelt gleich daneben unter die Bäume, von wo aus wir am nächsten Morgen die schönen Nashornvögel beim Frühstück beobachten können.

Die Weiterfahrt ins Landesinnere bringt uns auf einer kaum befahrenen Hauptstraße immer tiefer in den Regenwald. Endlich fühlen wir uns weit weg von Palmplantagen und können den Gesängen der exotischen Vögel lauschen. Wenn wie die lauten Rufen der Gibbons hören versuchen wir stets, diese in den Baumkronen auszumachen und uns beim Rascheln im dichten Grün stellen wir uns vor, es wäre ein wilder Elefant oder gar ein Tiger im Anmarsch (meistens sind es aber Wildschweine, die dann über die Strasse sprinten). 


Einen wilden Elefanten treffen wir leider wieder nicht an dafür dürfen wir unser Zelt an diesem Abend in einem Elefanten Schutzzentrum aufstellen. Für Besucher ist dieses Areal nicht offiziell zugänglich doch wir dürfen mit den Mahouts (Elefantendompteure) die Tiere besuchen und sogar füttern! Als Guet-Nacht-Gschichtli erhalten wir später ein exklusives Konzert der Tiere des Dschungels und bei funkelndem Sternenhimmel geht ein Tag zu Ende, der uns jeden einzelnen Schweißtropfen wert war! Das Dschungelabenteur dauert am nächsten Tag noch exakt zehn Kilometer an, dann werden aus dichtem Grün altbekannte, langweilige Palmplantagen. Wir haben dann nämlich die Provinzgrenze überquert und erkennen schnell, dass in dieser Region dem Holz- und Palmölhandel einen höheren Stellenwert beigemessen wird, als der Flora und Fauna. Für uns heisst das: ermüdendes auf und ab durch langweilige Plantagenlandschaft - jedoch auch lächelnde Menschen die uns zuwinken, uns mit "Daumen hoch" motivieren und zum Eistee einladen.


Langsam kommen wir unserem Ziel näher doch der Weg dorthin hat uns so einiges abverlangt! Die läppischen 20 Kilometer haben wir an diesem Tag nicht mehr geschafft... Dafür haben wir mit der Moonriver Lodge den perfekten Ort zu Erholung gefunden. Die Unterkunft ist inmitten einer Gemüsefarm, welche nach den höchsten Standards u.a. Tomaten und Salate anbaut. Sie gilt als Vorzeigebetrieb und wird regelmäßig von Regierungsvertretern besucht. Wir werden mit Tomatenspaghetti und lokalen Gerichten verwöhnt, dazwischen liegen wir in der Hängematte oder lesen uns durch die Bücher der Bibliothek (also ja, das Lesen überlässt Christian eher mir). Gestärkt und erholt haben wir die letzten Kilometer und auch Höhenmeter bereits bei Tagesanbruch in Angriff genommen und sind nun also angekommen, in den berühmten Cameron Highlands. Im Erholungsort der Engländer, welche das kühlere Klima schnell zu schätzen gelernt haben, geniessen auch wir die etwas kühlere Luft. Socken? Pullover? Vielleicht gegen Abend... Zehn Grad kühler bei einem Ausgangswert von 38 Grad im Schatten ist halt immer noch warm!

Endspurt

Wir möchten noch viele Orte besuchen und viele weitere Stunden mit den tollen Menschen Malaysias verbringen doch das Datum unserer Einfahrt in Singapur steht fest und wir setzen langsam aber sicher zum Endspurt an...

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Und noch eine Insel

Nachdem wir auf der Penang Insel die multikulturelle Lebensart von Malaysia kennengelernt haben konnten wir auf der Ferieninsel Langkawi unseren Besuch in vollen Zügen geniessen. Es folgte eine Bergetappe durch den Regenwald und danach rollten wir hinunter bis zur Ostküste der Halbinsel. Hier  angelangt haben wir noch einmal ein Bootsticket gebucht und es ging flott hinüber auf die Perhentian Insel!

Die ersten Tage in Malaysia waren wir zügig unterwegs. Mit der Insel Penang hatten wir nicht nur einen Besuch der Kolonialstadt Georgetown im Kopf sondern hofften auch, Simon und Leandra dort zu erwischen. Richtig, noch einmal konnten wir uns glücklich schätzen, dass unsere Liebsten den weiten Weg auf sich genommen haben, um einige Ferientage gemeinsam mit uns zu verbringen. Auf ihrer Rundreise durch Südostasien haben die Beiden einen Halt in Georgetown eingelegt und wir waren rechtzeitig dort um mit Ihnen durch die Strassen zu ziehen. Zu sehen gab es dort viel Strassenkunst und spannende Bauten aus der Kolonialzeit. Inder, Chinesen und natürlich Malaysier sind heute am  stärksten vertreten, doch es finden sich auch holländische Strassennamen neben englischen Verwaltungsgebäuden. Perser, Araber und Europäer, alle kamen sie im 19. Jahrhundert um Handel zu betreiben und ihre Dienste anzupreisen. Viele Geschäfte sind erhalten geblieben und so ist das Zusammenleben diverser Ethnien noch heute charakteristisch für Georgetown. 

Nach viel Kultur und geschäftigem Treiben haben wir unsere Velos auf ein Speedboat gepackt und sind wieder Richtung Norden gefahren, die Ferieninsel Langkawi war unser Ziel. Dass wir die beiden Gäste aus der Schweiz bereits in Georgetown getroffen haben war nämlich Zufall, die Zeit im Bungalow am Strand hingegen war seit langem geplant. Im Mietauto sind wir gemeinsam um die Insel gecruist und haben mit den Füssen im Sand Meeresfrüchte gegessen und Fruchtcocktails geschlürft. Während die beiden Brüder eine Schnorcheltour gebucht haben konnten wir Mädels ungestört „in Kafi“ und im Pool chillen. Ferien halt - so wie es im Katalog steht, traumhaft schön und viel zu schnell vorbei! Auch das Ende unserer Reise kommt immer näher, unser grosses Ziel Singapur könnten wir bereits in einer Woche erreichen. Doch wir verzögern die Einfahrt in die Stadt noch etwas und verdrängen aufkommende Gedanken zum Ende unseres Abenteuers. Im Verdrängen negativer Gedanken sind wir im letzten Jahr nämlich ganz gut geworden. Wir haben im Pamir die kalten Finger verdrängt und stattdessen die Bergkulisse bestaunt. Wir haben den Gegenwind verdrängt und dafür den Sonnenschein gelobt und in der Hitze der Karakum-Wüste Turkmenistans ein nasses Tuch um den Kopf gewickelt und weiter kräftig in die Pedalen getreten. Wir winken also den beiden zum Abschied und fühlen uns nach den Tagen des dolce far niente fast etwas wie Simon und Leandra: Es geht zurück an die Arbeit!


Es ging für uns von  0 auf 1000 m ü.M, der Schweiss tropfte bald aus aus allen nur erdenklichen Poren und der Komfort von Klimaanlage und Swimmingpool schien in weiter Ferne. Doch so schön es auch war in den letzten Tagen, das eben beschriebene macht uns genauso glücklich. Anstrengende Etappen im Sattel sind auch viel leichter zu meistern wenn am Schluss eine Belohnung wartet, in diesem Fall eine kleine Insel vor der Ostküste Malaysias! Und hier sind wir jetzt, auf der grossen Perhentian Insel. Ja, die Überquerung der Berge hat sich definiv gelohnt. Unser Resort heisst Coral View und das Korallenriff liegt tatsächlich direkt vor unserem Bungalow. Rochen, Moränen, Meeresschildkröten und viele bunte Fische haben wir bereits entdeckt. Unsere Erkundungstour Unterwasser ist also noch nicht vorbei und bevor es nochmals ins Hochland geht geniessen wir es an diesem paradiesischen Flecken Erde.

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Und noch ein Nationalpark

In Thailand reiht sich ein Nationalpark an den nächsten, vier davon haben auch wir besucht. Während wir im Khao Sok Nationalpark die Tiere im Urwald suchten gingen wir auf Ko Surin unter Wasser auf Entdeckungstour.

Den Traum vom einfachen Inselleben haben wir uns mit dem Ausflug auf die Ko Surin erfüllt, eine kleine Insel des Meeresnationalparks in der Andamanensee. Vom Festland ging es via Schnellboot hinaus aufs Meer und nach knapp zwei Stunden sind wir in ein kleineres Longtailboot umgestiegen, welches uns zur Insel brachte. Umgeben von türkisblauem Wasser, Mangroven und ganz viel Sand haben wir die Tage mit Schnorcheln, Schlafen (nach langer Zeit mal wieder im Zelt!), Schnorcheln, Essen, Schlafen, Lesen, Schnorcheln, ... verbracht. Die Unterwasserwelt ist sehr fischreich und durch die Tiere auch farbenfroh, dank der Unterwasserkamera können wir euch einige der Entdeckungen präsentieren. Dort fällt jedoch auch auf, dass das Wasser leider nicht ganz kristallklar ist, wie es in der Werbung angepriesen wird... Auch die Korallen stechen leider schon länger nicht mehr in leuchtenden Farben hervor, denn im Jahr 2008 hat das El Niño Phänomen zu hohe Wassertemperaturen verursacht und so kam es in weiten Gebieten zur sogenannten Korallenbleiche. Die ehemaligen Schätze der Unterwasserwelt sind heute unspektakulär matt und grau. Nicht zum ersten Mal beschleicht uns das Gefühl, dass wir wohl einfach einige Jahrzehnte zu spät sind um die wunderschöne Natur in ihrer grossen Vielfalt zu erleben. Ja, früher war es besser, es gab genügend Lebensraum für wilde Tiere welche nun vom Aussterben bedroht sind oder bereits von unserer Erde verschwunden sind, und ja, in solchen Momenten würden wir am liebsten die Zeit zurückdrehen.

Zurück auf dem Festland schwingen wir uns wieder auf die Räder und vergessen die trüben Gedanken: zu gross ist die Neugier darauf, was das Hier und Jetzt für uns bereithält. Im Khao Sok Nationalpark beziehen wir einen Bambusbungalow mitten im Wald. Bereits am Morgen können wir den Äffchen beim Frühstück zuschauen, sie klettern und toben direkt vor unserer Terrasse und interessieren sich so gar nicht für uns. Im Park wandern wir auf den kaum markierten Wegen und lauschen den Rufen der Gibbon's hoch über uns. Von blossem Auge entdecken wir in dem dichten Grün leider keine dieser Affen. So lassen wir uns von den pinkig-roten und leuchtend blauen Libellen faszinieren und beobachten weiter die Makaken, dieses Mal beim gegenseitigen Lausen :-).

Wir fahren weiter Richtung Süden, immer möglichst nahe an der Küste um noch ein paar letzte Tage am Meer einzulegen. Während wir am Golf von Thailand den Sonnenaufgang über dem Meer bestaunen konnten erfreuen wir uns an der Andamanensee am Sonnenuntergang und können uns kaum sattsehen an diesem täglichen Naturerlebnis. Jeder Tag bringt uns näher an die Landesgrenze und wir wollen es nicht so recht glauben, dass auf unseren T-Shirts nur noch zwei leere Kästchen darauf warten, abgehakt zu werden! Die letzten der 60 Tage unserer Visa schmelzen dahin wie mein Magnum Glacé in der Sonne und bald müssen wir uns verabschieden von Pad Thai und Bambusbungalow. Gerne besuchen wir dich wiedermal du schönes Land und sagen danke für dein Lächeln, den Komfort den wir als Velofahrer geniessen durften, deine ruhigen Nebenstraßen durch Dörfer und Palmen und: Hab' Acht auf dein Paradies, bitte.

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Ein Tag im Sattel

Da sich nach dem letzten Blog-Eintrag einige unserer Leser fragen, ob wir nebst all unseren Ferienaktivitäten überhaupt noch zum Velofahren kommen liefern wir hier den Bildbeweis.

In unseren knapp zwei Monaten in Thailand sind bereits 2500 Km im Sattel zusammengekommen. Also ja, wir fahren noch Velo. Und ja, wir nehmen es gemütlich :-). Da das flache Terrain uns körperlich weniger herausfordert als die hohen Temperaturen planen wir eher kurze Etappen und fahren von Bungalow zu Bungalow - dort angekommen widmen wir uns voll und ganz dem Alternativtaining. Dieses besteht aktuell aus Schnorcheln, Sünnele, Wandern, Kajak fahren, Bootstouren machen, ... 

Noch knapp zwei Wochen bleiben uns im Land des Lächelns - Juhuui!!

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Stadt, Land, Meer!

Wir haben einen Neueinsteiger auf unserer "Best Of" Hitliste zu vermelden, denn der erlebnisreiche Tag im Khao Yai Nationalpark war wunderschön! Nach dem Besuch bei den Wildtiere gings weiter in den Grossstadt-Dschungel Bangkoks. Und von dort? Endlich ans Meer!!!

Nach fast sechs Wochen sind wir nun definitiv in dem Thailand angelangt, welches wir aus Ferienbildern und Werbeanzeigen kennen. Gerade kommen wir zurück von einer einsamen Kajaktour zur nahegelegenen Affeninsel. Im Schatten der Holzhütte und im Wind des Ventilators sitze ich also im Paradies und ordne meine Gedanken zu den erlebnisreichen Tagen welche hinter uns liegen. Weil ich so gar nicht weiss, wo ich mit meinem Bericht beginnen soll springe ich wohl besser nochmals kurz in den kleinen Pool um etwas frischer zu werden...

...Naja, so erfrischend war der Schwumm dann doch nicht, bei 36 Grad Celsius hat auch das Wasser Badewannentemperatur, aber darüber beklage ich mich nicht im Geringsten. Nur arbeitet mein Gedächtnis in der Wärme etwas langsamer und ich brauche einen Moment, um mich in Gedanken zwei Wochen zurück zu versetzen. Oh ja, da war die professionell geführte Tour im Khao Yai Nationalpark, welche all unsere Erwartungen übertroffen hat! Im Gegensatz zu der Safari in Laos, wo wir nur nachts im Schein des Lichts der Taschenlampe einige verschreckte Augenpaare erkennen konnten, wird im ältesten Park Thailands grosse Sorge zur Natur getragen. Die Tiere werden hier geschützt und nicht gejagt und so dauert es nicht lange, bis die ersten Wildtiere direkt vor unseren Augen die Strasse überqueren. Ben, der hervorragende Guide erspäht verschiedene Nashornvögel im dichten Grün der Bäume und falls wir trotz seiner Hilfe die Tiere nicht entdecken, stellt er sein Fernrohr auf. Es scheint, als ob der grosse Vogel die roten Beeren direkt vor uns in seinen gelben Schnabel steckt. Leise wandern wir durch den Wald und hören und sehen dank Ben die Gibbon's hoch über uns in den Baumkronen und beobachten, wie sie von Ast zu Ast schwingen.


Am Wasser verschwindet ein Otter vor unseren Augen ins Nass und die Makaken Affen wirken daneben fast langweilig - so viele gibt es von Ihnen. Auf dem Weg zum nicht sehr spektakulären Wasserfall (weil Trockenzeit und wenig Wasser) gibt es dennoch von einer Begegnung zu berichten: ein Kragenbär kam zum Wassertrinken aus dem Wald und wir sehen gerade noch, wie er nach der Erfrischung wieder im Gehölz verschwindet! Wow! Diese Tiere zu sehen ist sogar für unseren Guide ein spezielles Erlebnis. Doch trotz bereits tief stehender Sonne ist der Tag noch nicht zu Ende, kurz vor Verlassen des Parks trottet zum Abschluss direkt vor uns auf der Strasse ein wilder Elefant. Dass neben ihm ein Makake spaziert und ein Sambar Hirsch aus dem Wald kommt macht das Ganze fast etwas unwirklich - und für uns einfach unvergesslich! Ein wunderschöner Tag geht zu Ende und die Weiterfahrt Richtung Grossstadt fällt uns beiden nicht leicht.

Nach einem Besuch der alten Königsstadt Ayutthaya kamen wir dann vor etwas mehr als einer Woche in Bangkok an.

Und natürlich gibt es auch von dieser Zeit ganz viel zu erzählen, beispielsweise von der Partynacht auf der famosen Khaosan Road oder davon, daß wir unseren Freund Thomas (per Autostopp um die Welt) wieder getroffen haben. Ich könnte von dem grausigen Anatomiemuseum berichten und erzählen, wie wunderschön wir Christian's Geburtstag bei Cordon Bleu und Butterzopf gefeiert haben. Aber um ehrlich zu sein habe ich jetzt viel mehr Lust, mich in den weichen Sand unter eine Palme zu legen, auf das weite Meer hinauszuschauen und darauf zu warten, bis Christian vom Schnorcheln zurückkommt und mir seine Meeresfunde präsentiert...

 

Adieu & bis zum nächsten Mal!

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Velobegeistert

Bike for Dad: wo in der Schweiz jeweils beim "Slow Up" die Strassen den Velofahrern gehört gibt es in Thailand einen Tag, an dem für den König in die Pedale getreten wird. Ob für "Dad", die körperliche Fitness oder einfach um zu zeigen, was für ein tolles Zweirad man besitzt - Velofahren ist angesagt in Thailand.

Den Wohlstand eines Landes erkennen wir meist auch an der Anzahl Menschen, welche sich in ihrer Freizeit körperlich betätigen. In Europa gab es regelmäßig Sportler, welche auf Ihren Rennrädern an uns vorbeigeflitzt sind. Mitten in ein offizielles Radrennen hineingeraten sind wir in Albanien und in Iran sind wir Fahrern der Nationalmannschaft beim Training begegnet. Längere Zeit waren wir nun in eher armen, ländlichen Regionen unterwegs und dort stellen die tägliche Arbeit und die Versorgung der Familie die Hauptaufgaben der Bevölkerung dar sodass diese sportliche Aktivitäten höchstens im Fernseher verfolgen.

In Thailand hingegen wird wieder fleissig trainiert, Outdoor Aerobic oder Fuss-Volleyball (Sepak Takraw) und natürlich Velofahren stehen hoch im Kurs. Letzteres scheint vor allem wegen der Aktion "Bike for Dad" sehr populär zu sein. Mit diesem Slogan wurden im Jahr 2015 die Massen dazu motiviert, sich wieder mit dem Fahrrad fortzubewegen. Über 600'000 Menschen sind bei den Veranstaltungen in verschiedenen Städten durch die Strassen gefahren um ihrem Dad - dem verehrten König - eine Ehre zu erweisen. Zu diesem Anlass wurden unzählige T-Shirts bedruckt welche täglich mit Stolz getragen werden und sogar in abgelegenen Orten kommen wir in den Genuss von neu gebauten Velowegen. Mangels Berge müssen die protzigen Fatbikes und die vollgefederten Mountainbikes leider meistens auf der hübschen Mekongpromenade ausgefahren werden, dafür gibt es dort mehr Zuschauer.

An einem Sonntagmorgen stolpern wir auf unserer Sightseeing Tour sogar mitten in ein Bike Rennen! Naja, Hügel gibt's auch hier keine doch die Organisatoren geben ihr Bestes und stecken einen Kurs um einen Weiher ab. Top ausgerüstet stehen die Teilnehmer am Start und bei dieser Wettkampfstimmung kitzelt es auch in Christian's Wädli...


Ein Rennen fahren wir beide dann zwar nicht, aber auf den immergraden Strassen treten auch wir in die Pedalen was das Zeug hält. Wenn die Strecke nicht viel Abwechslung bietet erreichen wir unser Tagesziel lieber etwas schneller um dort mehr Zeit zur Verfügung zu haben. So zum Beispiel beim Elefantendorf Ban Tha Klang: was für China die Pandabären sind, ist in Thailand nämlich der graue Riese!

Die Elefanten wurden hier im Nordosten bei den Waldrodungen als Arbeitstiere eingesetzt und sind nun arbeitslos, denn der Holzschlag ist vor einigen Jahren eingestellt worden. Jetzt leben die Elefanten gemeinsam mit den Mahouts, ihren Führern, in diesem Dorf und trainieren für das alljährliche Elefantenfestival, welches im November in der Stadt Surin stattfindet. So werden sie täglich beschäftigt und wir Touristen erhalten die Möglichkeit, die Dickhäuter aus nächster Nähe zu bestaunen.

Tempeltour 

Nachdem wir das gegenwärtige Leben in Buddhistischen Tempel bereits kennengelernt haben, lassen wir diese nun beiseite und gehen weiter in die Vergangenheit, auf Spurensuche der Khmer. Die bekannteste Tempelanlage dieses Volkes ist das Angkor Wat in Kambodscha, doch auch auf der thailändischen Seite der Grenzregion gibt es wichtige und sehenswerte Bauwerke aus dieser Zeit. So soll beispielsweise die Tempelanlage in Phimai als Vorbild für Angkor Wat gedient haben. Hier haben wir einmal mehr einen wundervollen Ort gefunden, den wir mit nur sehr wenigen anderen Touristen teilen müssen.

 

Mit der Einsamkeit ist es jedoch bald vorbei, denn je näher wir der Hauptstadt Bangkok kommen umso schwieriger wir es, verkehrsarme Nebenstraßen zu finden. Zum Glück gibt es meistens einen breiten Pannenstreifen und nicht nur die Autos sondern auch wir kommen schnell voran. Nur am Sonntagnachmittag ist der Verkehr so dicht, dass die Autos und Busse auch "unsere" Spur einnehmen, und das erste Mal in 12 Monaten stehen wir mit unseren Velos im Stau!

Doch auch dieser löst sich wieder auf und wir geben wieder Vollgas - ab in den Khao Yai Nationalpark, das älteste Schutzgebiet in Thailand. Wir hoffen, dass wir dort wilde Elefanten, Nashornvögel und Gibbon's in ihrer natürlichen Umgebung beobachten können.

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Am Mekong 

Der grösste Fluss Südostasien übt auch auf uns seine Faszination aus. So entschließen wir uns, seinem Lauf Richtung Südosten auf thailändischer Seite zu folgen. Wir lernen das Leben im Isaan kennen und sehen dort Gummibaumplantagen, werden von Einheimischen zum Essen eingeladen und erklimmen die Stufen zum Wat Phu Tok - ob oben auch auf uns die Erleuchtung wartet?


Der Abschied vom bisher bereisten Land und das Entdecken der Sitten im nächsten Reiseland ist immer spannend für uns, so auch beim Grenzübertritt von Laos nach Thailand:

 

  • Aus arm wird reich (bzgl. Bildung, Strassen, Versorgung)
  • Aus Rechtsverkehr wird Linksverkehr
  • Aus Garagenlädeli wird 7/11 Supermarkt
  • Aus Landstraße wird Schnellstraße 
  • Aus hügeliger Karstlandschaft wird es topfeben
  • Aus kühl & nass wird warm und sonnig!!!

 

Wie meistens, wenn wir in einem neuen Land ankommen gehen wir es die ersten Tage ruhig an. So planen wir auch in Thailand kurze Etappen und lassen uns Zeit, um uns beispielsweise mit den Marktpreisen bekannt zu machen. Wir freuen uns, dass frische Früchte günstiger als noch in Laos erhältlich sind und beim Schlürfen einer Kokosnuss finden wir es auch nicht so tragisch, dass dafür das mit hohen Steuern belastete Bier umso teurer ist. Entspannt geniessen wir bereits am ersten Abend ein feines Thai Curry beim Sonnenuntergang über dem Mekong.

Von den Stunden im Sattel können wir nicht viel berichten, auf den flachen Strassen in top Zustand fliegt Kilometerstein um Kilometerstein an uns vorbei und so machen wir bereits kurz nach der Mittagspause Fyrobig.

So bleibt uns viel Zeit in das Leben des Isaan einzutauchen. Dies ist der Name der Region im Nordosten von Thailand welcher weniger Touristen anzieht als die paradiesischen Ferienziele im Süden. Wir sehen in der Provinz Bueng Khan wie sich ein Gummibaum an den nächsten reiht und lernen, dass die Kautschuk Produktion neben dem Reisanbau ein wichtiger Arbeitszweig der Bewohner ist. Dass für die Gummibaumplantagen wie auch für die Reisfelder grosse Flächen Urwald gerodet wurden ist leider die Schattenseite dieser Einnahmequelle.

Wat Phu Tok 

Um zum Gipfel zu gelangen wird der Berg sieben Mal umrundet, weil der Weg teilweise abgesperrt war haben wir die Abkürzung über die Treppen genommen. Ob dies der Grund war, dass die verheißungsvolle Erleuchtung bei uns ausblieb?


Anstelle des Nirwanas bleiben wir also im hier und jetz und erfreuen uns an den irdischen Gütern, auf welche die betenden Mönche in orange verzichten müssen. Während diese beispielsweise nur bis zum Mittag feste Nahrung zu sich nehmen und auf die Spenden der Gläubigen Dorfbewohner angewiesen sind legen wir mehrere Stopps in den leckeren Garküchen ein. Als wir bei einer solchen wie gewohnt nach gebratenem Reis fragen laden uns zwei Frauen kurzerhand zu sich nach Hause ein. Sie würden in der Nähe wohnen und sehr gerne etwas für uns kochen. Wir sagen natürlich nicht nein und sitzen bald bei Ihnen auf dem Tisch. Genau, auf dem Tisch... Zuerst haben wir uns auf den Betonboden vor dem niedrigen Tischlein gesetzt, auf Stühlen haben wir nach Verlassen des europäischen Kontinents länger nicht mehr gesessen, doch die beiden haben nur gelacht und gesagt, hier würden sie sich auf den Tisch setzen. Einmal mehr gilt: andere Länder, andere Sitten!

Dem Lauf des Mekong folgen wir noch so weit, bis er sich am östlichsten Punkt Thailands nach Laos verabschiedet. Ein letztes Mal schlendern wir im roten Abendlicht zufrieden der Flusspromenade entlang.

Wir sind also gut angekommen in Thailand und freuen uns auf weitere Tempelanlagen, das feine Nationalgericht Pad Thai ist uns noch nicht verleidet und bei den Schönheiten des Isaan tritt sogar der Wunsch nach Meer und Sandstrand wieder etwas in den Hintergrund. Und weiter geht's! 

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Touristisch oder traditionell?

Nach Tagen im Touristenmagnet Luang Prabang geht es weiter ins berühmt-berüchtige Vang Vieng. Unterwegs werden wir mit einem grandiosen Panorama entschädigt und die müden Muskeln dürfen sich in heissen Quellen regenerieren. Eine Aussicht gibt uns bei der Berg- und Talfahrt besonders viel Power: der bevorstehende Besuch unserer Freunde in der Hauptstadt Vientiane!

Wir verlassen Luang Prabang mit seinen wunderschönen Tempelanlagen und hübschen Cafés im Morgengrauen, der Nebel verzieht sich am Fluss meist erst um die Mittagszeit. Gut gelaunt fahren wir los, wir haben nämlich noch unsere Taschen mit feinen Guezli aus der "Scandinavian Bakery" gefüllt um uns die bevorstehenden Anstiege etwas zu versüßen. Einmal mehr befinden wir uns alsbald auf einer Strecke, welche im Reiseführer als eine der schönsten des Landes angepriesen wird. Bei der Hinfahrt im Auto konnten wir dem hinter angelaufenen Fensterscheiben und bei Regen nicht ganz zustimmen und sind sehr froh, dass wir die Route bei Sonnenschein mit ganz anderen Augen sehen und neu entdecken dürfen. Zu den endlos weiten Wäldern, welche aufgrund der starken Rodung jedoch nicht immer schön anzusehen sind, gesellen sich bald hohe und spitzige Kalksteinberge. Wie diese im Morgenlicht hinter den arbeitenden Bauern auf ihren Feldern in die Höhe ragen ist schlicht atemberaubend! Das Hot Spring Resort kommt nach der letzten Bergetappe wie gerufen um unsere müden Beine zu regenerieren. Danach wird die Strecke zum ersten Mal in Laos merklich flacher.

Vang Vieng eilt ein negativer Ruf voraus, soll es bekanntlich wimmeln von Saufbrüdern und Kiffschwestern welche sich halbnackt in LKW Schläuchen im Fluss von der Strömung treiben lassen...

Wir beziehen unser Hotelzimmer und ja, unterwegs zum Fluss treffen wir Touris die "oben ohne" und in Badehose eher unangemessen gekleidet sind. Doch den ausschweifenden Partytourismus erleben wir als sehr gemäßigt. Die jungen und wilden Backpacker scheinen den Ort nicht mehr zu beherrschen, der Trink- und Drogenkonsum wird von der Regierung stärker kontrolliert und dies anscheinend erfolgreich. Immer mehr Hotels werben mit Begriffen wie "Spa" oder "Resort" um eine zahlungskräftige eher ältere Zielgruppe zu erreichen. Doch von den vielen Touristen welche in den schicken Restaurants Luang Prabangs schlemmen scheinen sich jedoch noch nicht alle für eine Weiterreise nach Vang Vieng zu entschließen. So gibt es viele unbesetzte Plätze in den Restaurants am Fluss und leere Betten in den Hotels mit Blick auf die Karstfelsen. Wir wünschen dem Ort sehr, dass er mit dem Imagewechsel bald wieder Fuss fassen kann als grosse Tourismusdestination. Mit der Landschaft direkt am Fluss und den Höhlen gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten zu besuchen und wenn die Besucher nicht mehr im Bikini beschwips auf dem Fluss treiben sondern gesittet mit Schwimmweste im Kajak paddeln bleibt auch die Kirche bzw. der Tempel im Dorf!

Während ich leider das Bett hütete macht sich Christian auf, die Höhlen zu besichtigen und die Aussichtspunkte der Region zu erklimmen. Die Wanderwege hat er dabei meist für sich alleine.

Vang Vieng: bis 2009 beliebtes Reiseziel für Tubing, Suff & Drogenrausch. Als die Sterberate bei Touristen immer stärker anstieg hat die Regierung den Riegel geschoben: Bars wurden geschlossen, Alkohol- und Drogenverkauf stärker kontrolliert und somit die Jungen & Wilden aus dem Ort verbannt.


Juhuu! Freunde zu Besuch!

Die letzten beiden Tage bis zu Hauptstadt bringen uns flache Strassen mit vielen Belagschäden, so werden wir von jedem heranbrausenden Fahrzeug mit Staub eingenebelt und dieser klebt dann prima auf unsere verschwitzten Haut.

Angekommen am Ziel Vientiane stellen wir uns paniert und klebrig von Schweiss und Staub unter die Dusche und eilen ins nahegelegene Pub. Dort erwartet uns nämlich nicht nur ein kühles Bier sondern auch unsere Freunde Martin & Seraina. Die Freude ist riesig, die Zwei genau elf Monate nach dem Abschied in der Schweiz wiederzusehen.

Gemeinsam fahren wir zum Buddhapark, besuchen Museen und Tempel und posieren vor dem Triumphbogen Vientianes. Doch wir sind uns einig, die Stadt könnte sich besser präsentieren. Der Mekongpromenade fehlen Cafés und Bars, die Restaurantdichte ist wohl hoch, bietet aber meist nur (nicht sehr leckeren) Westernfood wie Hamburger und Pizza. Ja, die Hauptstadt von Laos glänzt wahrlich nicht, doch eigentlich zeigt sich hier einfach das Leben, wie es ist. Es gibt keine schöne Fassade, wo arme Menschen dahinter leben. Es wird nicht wie in Luang Prabang ein Ort für Touristen geschaffen, wo sich Einheimische nicht mehr zu Hause fühlen können vor lauter Schickeria. Dass Martin und Seraina ihren paradiesischen Strandurlaub verkürzt haben schätzen wir an einem solchen Ort umso mehr.

Wobei: wir brauchen eh' nicht mehr als ein paar Beerlao und Jasskarten oder einfach nur einen Tisch mit vier Stühlen um eine gute Zeit zu haben - das ist es wohl was Freundschaft ausmacht.

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In Form?

Nach zehn Monaten ist wiedereinmal ein Formtest nötig. Laos scheint der perfekte Ort, um Rekorde zu brechen während wir Hügel um Hügel im Dschungel bezwingen.

Andere Reisende nennen uns oft ruhmvoll "körperlich topfit", würde eine Veloreise bestimmt starke Muskeln und sehr leistungsfähige Körper voraussetzen. Naja, wenn wir in Gedanken unsere letzten Etappen durchgehen sind wir nicht so sicher, ob wir das Lob so ohne Weiteres einheimsen dürfen. Wir legen nämlich immer häufiger einen oder auch gerne mehrere Tage Pause ein und fahren nicht mehr so viele Kilometer am Stück. Zudem haben wir meist schon lange vor Sonnenuntergang Feierabend, und auch fürs Käffele wird immer mehr Zeit eingeplant.

Doch nach den ausgedehnten Festtagen wird es auch für uns Zeit, wieder aktiver zu werden. Langsam aber sicher kitzelt es uns in den Wädli, die Sportler in uns sind aus dem Winterschlaf erwacht und fordern Schweiss, Adrenalin und Muskelkater. In Laos scheinen wir nun am richtigen Ort für Herausforderungen angelangt zu sein, wir wurden nämlich bereits von diversen Stimmen bezüglich des happigen Geländes gewarnt. Na dann, lass uns in die Pedale treten! 

Der von uns befahrene Nordosten von Laos ist nur sehr dünn besiedelt und die Menschen leben sehr einfach. Nur ungern möchten wir bei den Einheimischen um Unterschlupf und Essen fragen. Schulen und Tempel gibt es nur wenige und abseits von Strassen ist es uns aufgrund der bereits erwähnten Blindgänger etwas zu heikel. So machen wir uns früh morgens auf um es bis vor Sonnenuntergang zum nächsten Gasthaus zu schaffen. Bald schon finden wir uns schwitzend inmitten des grünen Dschungels wieder, das Adrenalin wird bei den teils steilen Abfahrten durch die Adern gepumpt und auch der Muskelkater am nächsten Tag ist vorprogrammiert. Denn ganze neun Stunden im Sattel erfordern Positionswechsel um die Kraft aus verschiedenen Muskeln zu holen. Natürlich ist es anstrengend, doch war es nicht genau das, wovon wir zu Hause auf dem Bürostuhl bzw. an der Behandlungsliege geträumt haben: Den ganzen Tag auf dem Velo zu sitzen und dabei die ständig wechselnde Umgebung mit seinen uns fremden Pflanzen und Tieren aufzunehmen? Wenn der Atem  wird und die Beine schwer werden nicht an den morgigen Arbeitstag zu denken sondern den fröhlich lächelnden Kindern am Strassenrand zuzuwinken? Oh ja, genau so haben wir es uns erträumt und noch besser ist es wirklich!

Rekordetappe 

Fahrtkilometer: 100 Km

Das wäre z.B. von Frauenfeld nach Luzern

 

Zurückgelegte Höhenmeter: 2300 m

Das wäre z.B. von Frauenfeld bis auf den Säntis

 

Fahrtzeit: 9 h

Das wäre z.B. ein ganzer Arbeitstag - ohne Kafipause

 


Dass auf einen Aufstieg eine Abfahrt folgt ist eine wunderbare Tatsache, doch wenn nach Tagen im Sonnenschein plötzlich dicke Wolken aufziehen, finden wir das etwas weniger toll. Habe ich hier nicht bereits vor wenigen Wochen von einem Temperatursturz in China berichtet? Danach waren wir uns so sicher, dem Winter endgültig entkommen zu sein dass wir fortan nur noch in Flipflops und Sandalen unterwegs sein wollten. Thermowäsche und Co. wurden zuunterst in die Taschen gepackt und die Sonnenrème ins Gesicht geschmiert. Und dann berichten uns die Einheimischen von dem bevorstehenden Kälteeinbruch... Auch wenn wir es am Morgen nicht richtig wahrhaben wollen schlüpfen wir in die Regenkleider und radeln drauflos. Wir machen uns einen Spass daraus, die immer tiefer werdenden Zahlen der Temperaturanzeige zu fotografieren und trauen unseren Augen kaum als nur noch 2 Grad Celsius angezeigt werden! Es fehlen uns noch knapp zehn Kilometer zum Tagesziel und zwei weitere Tage bis zur nächsten Stadt... Oh je, also so haben wir es uns eben gerade nicht vorgestellt.

Was dann passiert ist geschieht so eigentlich nur in kitschigen Filmen: Ein schwarzer Pick-up überholt uns, steht hupend am Strassenrand und wir fahren unbekümmert weiter (hupende Autos beeindrucken uns schon lange nicht mehr). Beim zweiten Überholmanöver kippe ich dann fast vom Velo als ich das fröhliche Gesicht im Auto erkenne!

Thomas reist per Autostopp um die Welt, ein Treffen mit ihm zu vereinbaren wäre aufgrund des unterschiedlichen Reiserhythmus schwierig gewesen. Nun, mitten im Nirgendwo, auf der regenassen Strasse und bei eisigen Temperaturen überholt er uns im Pick-up. Er reist für einige Tage mit seiner Freundin Lea im Mietwagen und sie sind ebenfalls unterwegs nach Luang Prabang!


Per Autostopp um die Welt

Um zu sehen, wie eine Weltreise per Autostopp ablaufen kann, verfolgt den Blog von Thomas Schlittler: www.watson.ch

Wir tauschten also zwei ungemütliche Tage auf den Velos mit kuschligen Stunden im Dauenenschlafsack und warteten bis die Sonne sich wieder blicken liess. Zu viert machten wir Jagd auf die wenigen geheizten Cafés der Stadt und tauschen gemeinsame und doch so unterschiedliche Reiseerlebnisse aus.


Nach vier Tagen unter einer dicken Wolkendecke spüren wir wieder warme Sonnenstrahlen im Gesicht und machen uns auf, die schönen Plätzchen Luang Prabangs im Freien zu erkunden.

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Nachtaktiv

Während neun Jahren konnten die Bauern im Norden von Laos ihre Felder nur in der Nacht bestellen, zu gefährlich war es tagsüber, von einer Flugzeugbombe getötet zu werden.

Ja, auch das ist Laos. Zu sehr beschäftigen uns die Fakten der Geheimmission des amerikanischen CIA als dass wir hier nur von schöner Landschaft, tollen Strassen und lächelnden Menschen schreiben könnten. Denn der Schein trügt: Der Dschungel im Norden von Laos ist voller Blindgänger und somit eine grosse Gefahr für Mensch und Tier. Die hübschen Fischteiche in den Dörfern gibt es erst seit 50 Jahren, als herabfallende Bomben riesige Krater hinterließen. Im kleinen Ort Viang Xai, nahe der Grenze zu Vietnam haben wir einige Tage verbracht und auf einer Tour durch die Karsthöhlen der Region sehr viel über die dunkle Seite von Laos erfahren. Das Leben der Menschen hat für ganze neun Jahre in diesen Höhlen stattgefunden weil es draußen Unmengen an Bomben vom Himmel regnete. Sie haben Ihren Alltag angepasst und gelernt mit den Umständen zu leben. So gab es eine Krankenhaushöhle, eine Theaterhöhle, eine Schulhöhle und sogar genug Platz für ein Volleyballspiel.

1964 bis 1973: 9 Jahre lang wurde Laos bombardiert, alle 8 Minuten über 24 Stunden

  • Es fielen mehr Bomben auf Laos als auf Deutschland und Japan während des 2. Weltkriegs 
  • Long Cheng: Hauptquartier des CIA, war für einige Jahre der meist beflogenste Flugplatz der Welt
  • 2.1 Mio. Tonnen Bomben wurden abgeworfen, knapp ein Drittel davon sind nicht explodiert und verseuchen heute 50% der Landfläche in Laos

Brutal tönen die Fakten, die es bei uns in kein Geschichtsbuch geschafft haben und auch in keiner Schulklasse unterrichtet werden. Jetzt in diesem Artikel einen Themenwechsel zu machen fällt nicht ganz so einfach. Doch in Laos wächst bereits die übernächste Generation heran und die Menschen haben gut gelernt, mit den Folgen zu leben. Es wird viel Hilfe geleistet, um Blindgänger zu beseitigen und die Bevölkerung wird im Umgang mit Kriegsmaterial geschult. Heute sieht man Bombenschrott, welcher zur Dekoration vor den Häusern aufgestellt werden. Ein Dorf hat sich sogar darauf spezialisiert, Besteck und Schmuck aus Kriegsmaterial herzustellen. Das Geschehene will nicht vergessen werden, doch wir wollen nun weiterziehen um die vielen schönen Dinge in Laos zu entdecken.


So sind wir zum Nam Et-Phou Louey Nationalpark gefahren und sind dort selber nachtaktiv geworden. Im letzten Rückzugsgebiet der Tiger in Laos machen uns auf die Suche nach diesen. Wir haben eine Nacht Safari im Dschungel gebucht und wurden von einem lokalen Führer, einem englisch sprechenden Übersetzer und einem einheimischen Steuermann für das Boot begleitet. Gemeinsam gingen wir auf Spurensuche um Wildkatzen, Hirsche, Vögel oder gar Otter zu sichten. Im sehr dichten Wald war es schwierig, die Tiere zu entdecken. Erst in der Dunkelheit hatten wir Glück viele Augenpaare haben im Dunkeln geleuchtet, doch nur mit Hilfe der Einheimischen konnten wir die Tiere bestimmen. Am Lagerfeuer mit den Wildhütern, den lokalen Führern und uns zwei Schweizern wurden verschiedene Lieder gesungen und viel gelacht. Wir bekamen selbstgebrauten Whisky zum Trinken und haben dann auch noch einige Mani Matter Lieder geträllert bevor wir uns im Holzhäusern unter das Moskitonetz gelegt haben.


Vor der nächsten größeren Pause stehen uns noch einige Höhenmeter im hügeligen Norden bevor doch wir freuen uns darauf, uns den körperlich anspruchsvollen Herausforderungen zu stellen. Das Velowetter ist perfekt und die Strassen ruhig - also los geht's!

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Landleben 

Im dünn besiedelten Nordwesten Vietnams fahren wir vorbei an Büffelherden durch Reisfelder und Bambuswälder. Im Gebiet der Muong, der Weissen und Schwarzen Thai beobachten wir die Urvölker Vietnams bei ihrer täglichen Arbeit in der ländlichen Umgebung. 

Wo wir in den touristischen Gebieten Vietnams stets in gutem Englisch angesprochen wurden hat sich dies mit jedem Kilometer nach Westen verändert. So verliessen wir uns auf die Informationen im Reiseführer und haben in Hoa Binh auf etwas umständliche Art einen Fahrer für unsere Tour organisieren können. Er brachte uns unter anderem zu einem Freilichtmuseum der Volksgruppe Muong und wir hatten das Glück, dass wir uns dort einer australischen Studiengruppe anschliessen durften. Wir hörten spannende Geschichten über das Leben der Menschen in dieser Region Vietnams und fragten uns, ob diese Traditionen noch immer aufrecht erhalten werden oder ob sie mit jedem Smartphone und Fernseher langsam verschwinden .

Laut Reiseführer ist die Region hauptsächlich von Muong, weissen Thai und schwarzen Thai bewohnt. Nur vereinzelt konnten wir in den Dörfern die typischen Pfahlhäuser ausmachen und Frauen in der farbenfrohen Tracht haben wir kaum eine entdeckt. Erst auf den letzten 80 Kilometern vor Laos hat sich das Bild gewendet. Anstelle von gemauerten Häusern sahen wir fast nur noch die typischen Pfahlhäuser aus Holz und vor einigen Häusern haben wir Webstühle entdeckt und konnten die Bewohner bei ihrer Handarbeit beobachten. Ob jedoch tatsächlich Stoffe für die traditionelle Kleidung angefertigt wurden oder ob die Produkte in touristischen Orten als Souvenirs verkauft werden war uns nicht ganz klar. Auf der Wäscheleine waren nämlich vorwiegend moderne T-Shirts und Hosen zum Trocknen aufgehängt. Wir sehen nur Frauen der älteren Generation welche sich noch die farbigen Tücher umbinden.

Ein Gasthaus für die letzte Nacht in Vietnam haben wir vergebens gesucht in dieser ländlichen Umgebung. Einen Platz für unser Zelt zu finden war also unsere letzte Herausforderung: Etwas versteckt von den Bewohnern, die irgendwie überall zu sein schienen wollten wir unser Lager aufschlagen. Möglichst mit trockenem Untergrund was inmitten der Reisfelder nicht einfach war und eine einigermaßen flache Stelle zu finden wo rechts der Berg und links der Fluss war erschwerte unser Vorhaben ebenfalls... Zum Schluss waren wir erfolgreich und schliefen so mitten im Bambuswald zum ersten und letzten Mal in Vietnam im Zelt.

 

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Heimat in der Ferne 

Nach Hanoi haben wir die flache Variante gewählt und fahren so parallel zum Roten Fluss der Hauptstadt Vietnams entgegen. Dort angekommen feiern wir Silvester mit unseren Freunden und unternehmen einen Ausflug in die nahegelegene Halong Bucht.

Nach den Weihnachtsferien inklusive rauschender Party, viel Weihnachtsmusik und leider (noch) keinen Guezli haben wir uns wieder in die Sättel geschwungen und setzten unsere Reise in Richtung Süden fort. Anders als in China wurde uns in den Dörfern im Norden Vietnams von den Bewohnern zugewunken und stets ein fröhliches "Hello" zugerufen. Da die Strecke relativ flach war und wir nicht in Eile waren konnten wir uns genug Zeit lassen. Für uns war die vorbeiziehende Umgebung noch immer faszinierend, beispielsweise die grossen Wasserbüffel, die Reisfelder und Bananenplantagen oder auch die Handwerker bei ihrer Arbeit. Die für die Region typischen Holzmöbel wurden direkt am Strassenrand gefertigt und kunstvoll verziert. Je näher wir Hanoi kamen umso dichter wurde der Strassenverkehr. Wir beschlossen, alle gelernten und bekannten Regeln des Strassenverkehrs zu ignorieren und folgten dem Strom. Da auf den Strassen mehr Velos und vor allem Roller als Autos verkehren konnten wir uns einfädeln und auch in der chaotischen Altstadt überall durchschlängeln. So haben wir unser Hotel in Hanoi problemlos erreicht und stellten die Velos beim Hotelparkplatz ab, die Neujahrsferien konnten beginnen!

Noch an diesem Tag durften wir unseren schweizer Besuch begrüssen und Weihnachtsgeschenke entgegennehmen. Selbstgebackene Guezli und echte Pralinés naschend wurden bald die Jasskarten gemischt und der erste Schieber gejasst und so war uns die Heimat im Appartement in Vietnam auf einmal ganz nah. Auf dem grossen Platz beim Hoan Kiem See haben wir den Countdown zum Jahr 2016 hinuntergezählt und bei lauter Musik gefeiert. Da sich der DJ sowie die Menschenmenge bereits kurz nach Mitternacht verabschiedeten, haben wir die Party ins Hotel verschoben.

Am 02. Januar sind wir gemeinsam von der Grossstadt weg in die nahegelegene Halong Bucht gereist. Drei Tage waren wir in der atemberaubenden Landschaft des UNESCO Weltnaturerbe unterwegs, danach ging es nochmals zurück in die Metropole Hanoi. Wir liessen uns durch die geschäftigen Gassen der Altstadt treiben, feilschten mit den Händlern um die besten Preise und kamen im Massagestudio wieder zur Ruhe.

Absolvierte Sporteinheiten:

  • Badminton
  • Jogging
  • Walking im Grossstadtdschungel
  • Kajak
  • Tanz in das neue Jahr 
  • Wandern
  • Jassen
  • Schwimmen

Mit etwas Wehmut liessen wir unseren Besuch weiterziehen und verabschiedeten uns, nach der Montage des neuen Velocomputers an Christian's Velo, ebenfalls von Hanoi. Ohne genauen Fahrplan lassen wir uns in den nächsten Tagen gegen Südwesten treiben sodass wir Laos immer näher kommen werden.

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Durch Reis und Bananen

Wärmer wurde es tatsächlich bald wieder und Bananenpalmen haben Eucalyptusbäume abgelöst. Unser letztes Highlight in China waren die faszinierenden Reiseterassen von Yuanyang. Dass wir in Südostasien angekommen sind spüren wir bald darauf während der Fahrt entlang des Roten Flusses.

Ein kalter Tag folgte dem nächsten und während vielen schweizer Skigebierten der Schnee noch fehlt haben wir diesen entdeckt - und zwar auf chinesischen Bananenpalmen! Wir hatten ohnehin wieder ein touristisches Ziel erreicht und so kam es uns gelegen, einen Tag in der Stadt Jianshui zu verweilen. Mitten in der traditionellen Altstadt haben wir uns einquartiert und waren nahe bei den Sehenswürdigkeiten. Wir haben uns das Hause und den Garten der Familie Zhu angeschaut. Zwei Brüder haben mit ihrem aus Opiumhandel erwirtschafteten Reichtum im 19. Jahrhundert die Anlage gebaut welche heute als Museum geführt wird. Ein mehrfach ausgezeichneter Meister der Kalligraphie hat uns stolz sein Können vorgeführt und uns das Kunstwerk als Geschenk mitgegeben. 

Bei der Abfahrt am nächsten Morgen kamen wir bei der nächsten Attraktion Jianshuis vorbei, der Zwillingsdrachenbrücke aus der Qing Dynastie. Wunderschön lag diese in der Morgensonne vor uns.

Wieder im Sattel hatten wir noch einige Höhenmeter zu überwinden bevor wir in den Genuss der zweitlängsten Abfahrt unserer Reise kamen. Wie vor fünf Monaten, als es hinunter ans kaspische Meer ging, war auch diese eine wahre Freude! Wir haben auf den 40 Km ganze 1600 Höhenmeter verloren. Angehalten wurde nur, um das sagenhafte Panorama zu bestaunen.

Am nächsten Morgen begaben wir uns in Nansha, der Neustadt von Yuanyang, auf den lokalen Busbahnhof. Auch ohne zu sprechen wurden wir in den richtigen Minivan gesetzt, uns war wohl anzusehen, dass wir zwei Fremden zu DEM Touristenmagnet des Ortes wollten - zu den Reisterassen. Und so kamen wir nach einer Stunde Reisezeit die steile Bergstrasse hinauf in Xinshe, der Altstadt Yuanyangs, an. Was für die Bewohner der Region den Haupterwebszweig darstellt ist für Besucher eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. Der Reisanbau im hügeligen Gelände ist nur durch unzählige Terrassen, welche in die Hänge gebaut wurden möglich. Bis zu 3000 Anbauflächen liegen übereinander und wir bestaunen dieses von Menschenhand erschaffene Wunderwerk von verschiedenen Aussichtspunkten. Während wir zum nächsten Dorf spazieren begegnen uns Frauen in ihren traditionellen, farbigen Trachten. Wir kommen vorbei am lokalen Strassenmarkt und beobachten den Handel der Güter des täglichen Bedarfs. Die farbigen Stoffe mit Stickereien sollen nicht Touristen anziehen, hier feilschen die Einheimischen um den besten Preis für die notwendige Ware. 


Die Reiseterassen Yunnans waren unser letzter längerer Aufenthalt in China. Die letzten zwei Tage hat sich die Landschaft um uns herum total verändert. Wir sind wohl definitiv in Südostasien angelangt und auf den letzten Kilometern trennt uns nur noch der Rote Fluss von Vietnam. Dank der neuen Autobahn herrscht auf der von uns befahrenen Nationalstrasse nur wenig Verkehr. Da diese Strasse ebenfalls sehr neu ist finden wir auch zum Abschluss perfekte Verhältnisse zum Velofahren vor. Unter uns entdecken wir viele Fischerboote und Fischzuchten. Und auch wenn sich die Strasse etwas vom Fluss entfernt wird die Strecke nicht weniger spannend für uns, denn dann befinden wir uns inmitten grosser Bananenplantagen. Wir können die Arbeiter beobachten, wie sie die noch grünen Früchte bereit für den Transport machen und in grosse Kartonschachteln verpacken damit es im Lastwagen auf die Reise gehen kann.

Wo das Ziel der Bananen liegt, wissen wir nicht. Wir fahren der Grenze Vietnams entgegen und überqueren diese ohne grosse Probleme, merken jedoch, dass mit steigender Anzahl an Stempel und Visa in unseren Pässe, diese immer genauer angeschaut werden. Diesesmal bin ich diejenige, welche zur Befragung ins Büro des Chefs darf. Alles kein Problem und nach einem kurzen Schwatz werden wir nach Vietnam in die Weihnachtsferien entlassen.

In einem Hotel in der Grenzstadt Lao Cai lassen wir es uns gut gehen und buchen Tickets für die Weihnachtsparty.

Wir wünschen allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und frohe Feiertage! Danke für die Bilder von Dessertbuffets, selbstgebackenen Guezli & weiteren Leckereien der Weihnachtszeit. Nächstes Jahr helfen wir gerne wieder mit beim Essen!

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Unterwegs in Yunnan 

Mit einem weiteren Visum im Reisepass lassen wir uns ohne Eile von einem schönen Ort zum nächsten treiben. Von der Grossstadt in den Steinwald bei warmen Temperaturen oder durch immer kleinere Dörfchen entlang dem Fluss wo uns der Winter wieder einzuholen versucht.

In Kunming stand einmal mehr der Gang auf ein Konsulat an, dieses Mal war es das vietnamesische. Spätestens an Silvester möchten wir nämlich in Hanoi ankommen und freuen uns schon sehr darauf! Für die Einreise nach Vietnam mussten wir jedoch zuerst noch das Visum beantragen. Wo die Suche nach dem Büro der Vietnamesen etwas Zeit in Anspruch nahm war das folgende Procedere umso einfacher. So schnell und einfach wie dieses Visum haben wir auf dieser Reise noch keines erhalten. Benötigt wurde vor Ort nur das Antragsformular, ein Passfoto und etwas Bargeld und bereits nach drei Arbeitstagen konnten wir unsere Pässe wieder entgegennehmen.

Da uns nur noch ca. 700 Km bis nach Hanoi fehlen können wir uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nach Lust und Laune in Richtung Süden treiben lassen. 

So machen wir bereits in Shilin, einer Tagesetappe nach Kunming, unseren nächsten Stop. Schon auf der Anfahrt bemerken wir, dass für einmal nicht Hochhäuser in die Höhe ragen sondern dass hier die bekannten Steinformationen das Bild prägen. Zusammen mit Tausenden Chinesen besuchen wir am folgenden Tag den Steinwald.

Glücklicherweise steigen die meisten Besucher in die bereitstehenden Elektrobusse welche im Park entlang der Hauptroute verschiedene Stationen anfahren. Wir brauchen nur etwas von dieser Stecke abzuweichen und schon haben wir die Steinsäulen, pilzartigen Formationen und verschlungenen Wege für uns alleine. So verbringen wir Mitte Dezember einen warmen Tag in T-Shirts inmitten dieses Naturspektakels.


SHILIN - STEINERNER WALD: EIN WEITERES UNESCO WELTKULTURERBE WELCHES WIR AUF UNSERER REISE BESUCHEN 

Bei der Weiterfahrt erfreuen wir uns an guten und nur wenig befahrenen Strassen welche über kleinere Pässe führen und uns mit schönen Abfahrten inklusive Bananenpalmen am Strassenrand belohnen. Erwähnen möchten wir an dieser Stelle einmal das leckere Essen welches uns jeweils direkt am Strassenrand zubereitet wird. Meist steht eine grosse, gekühlte Glasvitrine im Raum und wir zeigen auf Gemüse, Pilze oder Fleisch. Am Tischlein nehmen wir Platz und schlürfen den Tee während bald darauf die dampfenden Teller serviert werden. Jedes Gericht wird etwas anders gewürzt, täglich schmecken wir eine neue Zutat heraus und finden es super, uns kulinarisch so verwöhnen zu lassen.

Wir sind momentan eher auf einer Nebenroute unterwegs und vermissen die Hochhäuser und Baukräne nicht im geringsten. So übernachten wir mal bei einem Weinhändler, mal bei einem Orangenverkäufer in deren Herbergen. Von schmuddeligen Absteigen mit schmutzigen Zimmern können wir glücklicherweise nicht berichten. Auch wenn wir nur sehr wenig Geld bezahlen schlafen wir immer in sauberen Betten, haben im Zimmer einen Wasserkocher, meist eine heisse Dusche und stets freundliche und hilfsbereite Besitzer. Trotz noch immer nicht vorandenen Sprachkenntnissen unsererseits werden wir durchgehend mit einem Lächeln empfangen und mit einem herzlichem Winken verabschiedet.

Es gefällt uns sehr gut in China und wir sind gespannt, was wir in den letzten Tagen noch erleben werden. Hoffentlich geht der Temperatursturz bald vorüber, heute zeigte das Thermometer nämlich nur noch 3 Grad an... (Gestern war es mit 18 Grad noch T-Shirt Wetter!) Und vom Winter haben wir uns eigentlich bereits verabschiedet. Also schalten wir die Heizung etwas hoch und hoffen auf wärmeren Temperaturen für den morgigen Velotag.

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Tout Terrain 

Vor lauter Sehenswürdigkeiten kommen wir in Sichuan kaum zum Velofahren. Weniger das Wetter dafür umso mehr die heisse Schärfe der Speisen wärmen uns. Erst in der Provinz Yunnan erleben wir wieder die verschiedensten Facetten des Reisens per Velo bei frühlingshaften Temperaturen.

Kurze Etappen bringen uns nach einem längeren Aufenthalt in Chengdu zu sehenswerten Orten in der näheren Umgebung der Grossstadt. So machen wir bereits am zweiten Tag wieder eine längere Pause um an dem heiligen Berg von Emei Shan den Geist Buddhas einzufangen. Tatsächlich hat es seinen ganz eigenen Zauber inne, nach zwei Stunden Busfahrt und einer weiteren Stunde des Wanderns im Nieselregen plötzlich in der strahlenden Sonne und vor dem "Golden Summit" zu stehen. Mächtig und glänzend ragt die Statue vor uns in die Höhe während unter uns ein schier endloses Nebelmeer liegt.

Auch wenn der Ursprung des Buddhismus nicht in China liegt ziehen so manche Tempel und Statuen grosse Besucherscharen an. Nach unserem Aufenthalt am Emei Shan legen wir also die kurze Fahrstrecke nach Leshan zurück um ein nächstes imposantes Objekt zu bestaunen.

grösste Buddhastatue der Welt 

Nicht einmal der Zehennagel des Buddhas würde Platz in Christian's Schuh finden!


Leshan bietet uns persönlich jedoch noch einen weiteren Dienst: die Visaverlängerung steht an und wir suchen das Büro der öffentlichen Sicherheit (PSB) auf. Wir sind begeistert über die effiziente Arbeit der freundlichen Beamten und halten innert 30 Stunden die Verlängerung unserer Visa für weitere 30 Tage in den Händen. Nachdem wir vor einem Monat unsere Reise nach China beinahe abgeschrieben haben bekommen wir nun also die Möglichkeit ganze 60 Tage im Reich der Mitte zu verweilen. Glücklich verlassen wir die freundliche Stadt und fahren bald schon der Provinz Yunnan entgegen. Mit über 30 ethnischen Minderheiten und ländlichen Gebieten wartet wieder etwas Neues auf uns. Denn auch wenn bis anhin unsere Strassenkarte oder auch unser Navigationsapp auf wenig Leben und Zivilisation hinweisen konnte fanden wir uns jeden Abend inmitten großer Städte wieder.

Wir fahren oft auf Strassen, welche auf unserer Karte nicht eingezeichnet dafür nagelneu sind. Oder wir folgen der Nationalstrasse welche bald von Asphalt in ein verlassenes Waldweglein übergeht… Google.maps & Co. werden unzuverlässig für uns und weichen Baidu.maps., der chinesischen Version. Wir verstehen zwar nicht, was die Zeichen im heruntergeladenen App bedeuten doch die Navigation und die eingezeichneten Strassen sind uns eine grosse Hilfe.

In den vielen neuen Städten ist uns bereits aufgefallen, dass nicht selten bereits Namensschilder von künftigen Hotels, Restaurants oder Banken von den Hauswänden prangen, während sich das Gebäude noch im Rohbau befindet. Nicht anders verhält sich diese Machart leider bei der Strassenkarte. Die von uns befahrene Strasse ist wohl eingezeichnet wobei stellenweise noch nicht einmal der Belag eingebaut ist. Strassenschilder wurden montiert, jedoch noch ohne Beschriftung. So wechselt sich piekfeiner Asphalt mit, ja was könnte es wohl sein? Schlammiger Baustelle... Passierbar ja, befahrbar? Eher nein.

Spuren des Schlamms:

  • Schutzblech gebrochen
  • Stecker von Dynamo abgerissen
  • Kette verzogen
  • Km Zähler steigt aus
  • "So schmutzig war ich in meinem ganzen Leben noch nie!!!"

Nach einsamen Stunden auf Waldwegen können wir uns am höchsten Punkt für einmal nicht über eine schöne Aussicht freuen. Zu dicht ist der Nebel um uns herum. Märchenhaft ist die Stimmung, als wir Hirten mit ihren Tieren entdecken. Doch nur kurz geben wir uns den Träumereien in der mystischen Landschaft hin... Bald schon stecken wir im Schlamm fest und die Konzentration gilt ganz der sicheren Balance auf zwei Rädern. Nur nicht den Fuss absetzen... Nach drei Tagen voller abenteuerlichen Fahrten steigen wir, schmutzig wie wir sind, bei unserem neuen Freund ins Büssli. Ihn scheint der Schmutz nicht zu kümmern, zu gross ist seine Neugierde über uns zwei Fremde. Mit ihm kehrt definitiv die Sonne zurück in unser Veloleben. Er bringt uns zwar nicht an den von uns gewünschten Ort, dafür erleben wir eine unvergessliche Zeit mit ihm, seiner Familie, seinem Dorf... Unsere Velos werden gereinigt und wir im Hotel einquartiert. Es folgt ein Abend mit Mutton Hot Pot, eine Spezialität welche wir in der Schweiz Fondue Chinoise nennen. In den heissen Topf wird viel Gemüse gegeben und in diesem Fall traditionellerweise Lammfleisch. Auf der Bühne folgt Folklore in Form von Gesang und Tanz und wir finden uns bald im Blitzlichtgewitter wieder... Wohl kaum ein Gast verlässt den Platz ohne ein Selfie oder Groufie mit den exotischen Schweizern.


Um möglichst nicht wieder in Baustellen zu stranden folgen wir wahlweise (verbotenerweise) dem Expressway. Die Schranke der Zahlstation bei der Auffahrt übersehen wir geflissentlich und können so auf entspannte Art die vorbeiziehende Landschaft geniessen. Auf dem breiten Pannenstreifen können wir sogar nebeneinander fahren und fühlen uns hier sicherer als inmitten von Baggern im Schlamm. Nur sehr wenig Verkehr herrscht auf der Autobahn und die vorbeifahrenden Polizisten scheinen sich überhaupt nicht zu kümmern über unser Ausfährtli.

So erreichen wir über Autobahn, Nationalstrasse, Baustellen und Waldwegli Kunming, die Stadt des Frühlings. Unsere Velos der Marke "Tout Terrain" haben einmal mehr gezeigt, dass sie tatsächlich für jede Unterlage gemacht sind.

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Von Pandas und Pandas

"Zurzeit gibt es schätzungsweise 1'864 frei lebende Exemplare" (Wikipedia). Umso größer war unsere Freude, als wir in Chengdu im Breeding Center die Gelegenheit hatten, die Tiere in ihrem Alltag zu beobachten. Den vorliegenden Blog-Eintrag widmen wir deshalb einzig den faszinierenden und etwas tollpatschigen Tieren!


Der Panda hat 42 Zähne, wie beim Menschen wachsen ihm nach den Milchzähnen die zweite Garnitur

Pandas sehen auch nachts genug um zu spielen denn ihre Pupillen sind ähnlich wie die der Katzen 

An einem typischen Tag verbringt er die Hälfte seiner Zeit mit Essen und die andere Hälfte des Tages mit Schlafen 

Pandas mögen sommerliche Hitze gar nicht, ihre Wohlfühltemperatur liegt bei 8 - 23 Grad

Auch wenn der Panda aussieht wie ein Bär hält er keinen Winterschlaf 

Auch der Panda gibt Geräusche von sich, wenn er Angst hat bellt er wie ein Hund

78% der Pandaweibchen sind unfruchtbar, gar 90% sind es bei den Männchen 


Der Panda wird in seinem natürlichen Lebensraum immer mehr zurückgedrängt. Nachdem er über 600'000 Jahre auf der Erde gelebt hat ist er nun ernsthaft vom Aussterben bedroht. Nach unserem Besuch im Panda Park sind wir völlig fasziniert von dem schwarz-weissen, etwas tollpatschigen Wesen und wünschen ihm weitere 600'000 glückliche Jahre auf dieser Erde!

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Abschied von der Seidenstraße 

Wir reisen komfortabel per Bus und Zug getrennt von unseren Velos von Nord nach Süd. Erst in Chengdu nehmen wir diese unversehrt wieder entgegen. Hinter uns liegen Tage voller Sightseeing an uralten und hypermodernen Orten. Wir sehen zum letzten Mal Kamele und verabschieden uns von der Seidenstraße.

Bereits zwei Wochen sind wir nun in China und noch immer ist uns so Vieles fremd. Dass auch wir zwei "Fremde" im Reich der Mitte sind wird uns aufgrund der charmanten Reaktionen der Einheimischen ebenfalls bewusst. So werden wir beispielsweise beim Aufstieg zum Tempel der weißen Pagode in Lanzhou mehrmals um ein Foto gebeten. Immer wieder sehen wir Kinder auf der Straße, welche auf uns zeigen und am Rockzipfel ihrer Mütter zupfen: "Schau! Ausländer!". So dauert es bstimmt 10 Tage, bis wir wieder europäische Gesichter in den Menschenmassen ausmachen können. Denn je südöstlicher wir reisen umso größer und touristischer werden die Städte, so dass wir in Chengdu im Hostel von Kevin und Helena sogar in englisch begrüßt werden. Wir sind ganz froh, dass die Mitarbeiter uns mit ihren ausgewählten Namen entgegenkommen, so vermeiden wir falsche Aussprache und Betonung der Worte was für uns in der Landessprache fast unvermeidbar ist. Erst in Chengdu setzten wir unsere Reise wieder per Velo fort, wir haben nämlich in Khorgos beschlossen, erst wieder Velo zu fahren wenn die Tagestemperatur mindestens 10 Grad erreicht.


Nach 11'000 gefahrenen Kilometer von zu Hause haben wir somit unsere Velos zum ersten Mal für eine weite Strecke verladen. Ganze 3'5000 Km haben wir getrennt von den beiden zurückgelegt um die Kälte des Nordens und die Einsamkeit der Wüste hinter uns zu lassen. So wurden noch in der Grenzstadt Khorgos mit Hilfe der freundlichen Receptionistin Busbillete für uns und unsere Velos gelöst und wir reisten in der folgenden Nacht im komfortablen Bus bis nach Ürümqi. Die am weitesten von einem Meer entfernten Stadt der Welt war an dem Tag uns grau und kalt. Leider war auch die Suche nach einer geeigneten Unterkunft für uns erfolglos. Entweder gab es keinen Platz für unsere Velos oder wir wurden als Ausländer nicht aufgenommen. Nach einem Kaffee in einer einsamen Hotelbar entschieden wir uns, nicht länger hier zu bleiben sondern weiter zu reisen, immer näher ans Meer (was aufgrund der geographischen Lage ein Leichtes wäre).

Am Bahnhof angekommen waren wir dann doch etwas ratlos... Nur schon um aufs Bahnhofgelände zu gelangen waren mehrere Sicherheitschecks notwendig und all unsere Taschen wurden gescannt. Schnell wurde uns klar, dass wir ohne Velos und mit weniger Gepäck bequemer reisen könnten. Im Bus konnten wir alles im Gepäckfach verstauen, für die Weiterreise im Zug mussten wir die Velos jedoch getrennt von uns verschicken. Doch, wo ist der Schalter für die Gepäckaufgabe zu finden? Zum Glück waren nicht alle Wegweiser in den uns kryptischen Zeichen und so drängelten wir uns - ganz wie die Chinesen - zum Schalter. Bei der Gepäckaufgabe waren wir dann sehr glücklich über die Hilfe unserens persönlichen Helden des Tages: nach langem Warten stand uns nämlich ein Hilfsbereiter und vor allem englischsprechender Bahnmitarbeiter zur Seite. Er wurde wohl gerufen da wir zwei ziemlich verloren in der Warteschlange standen. Mit seiner Hilfe haben wir uns von unseren Velos verabschiedet und sie auf die weite Reise nach Chengdu geschickt.

Wir sind nicht die Einzigen im Wartesaal, aber wohl die Einzigen Europäer...

Bereits zwei Stunden vor der Abfahrt unseres Zuges wird gedrängelt, gespuckt & Nudelsuppe geschlürft


Um nicht über 40 Stunden im Zug zu verbringen haben wir uns entschlossen, in mehreren Etappen nach Chengdu zu reisen. Das Lösen der Zugbillete war also unsere nächste Mission und wir brauchten etwas Zeit, bis wir verstanden wie der Billetkauf in China abläuft. Einmal mehr dank Internet informierten wir uns bezüglich der verfügbaren Plätze und stellen uns erst dann in die Reihe. Man muss nämlich A) wissen, welchen der unzähligen Züge man buchen möchte und B) ob die gewünschten Plätze noch verfügbar sind. Ich habe dann mein Smartphone, auf dem ich die Zugenummer notiert hatte, an die Scheibe des Schalters gedrückt und anschließend unsere Reisepässe durchgeschoben. Alles hat wunderbar geklappt und so stiegen wir nach zwei Stunden Wartezeit im überfüllten, chaotischen und lauten Wartesaal in den Zug nach Jiayuguan. 

Optimierung beim Packen

Ohne Essensvorräte im Gepäck schaffen wir es, unsere 12 Taschen auf sechs (plus Rucksack) zu reduzieren. Eine gelbe Tasche schicken wir mit den Velos nach Chengdu und reisen somit etwas leichter durch China.

Aus 12...

...mach 7


Mit Jiayuguan fanden wir eine sehr neue Stadt welche von Sehenswürdigkeiten umgeben ist. Wir fühlten uns noch einmal zurück in die Zeit des Handels auf der Seidenstraße versetzt. Mit der Weiterreise in den Süden werden wir diese bald verlassen. Während wir unterwegs nach Chengdu sind führt die Seidenstraße weiter Richtung Osten, wo sie in Peking ihr Ende findet.

In Jiayuguan endet die Grosse Mauer und wir sahen dort die Überreste des letzten Signalturms und spazierten auf dem weltberühmten Bauwerk. Gegen Westen hin soll nach Meinung der Chinesen nichts Nennenswertes kommen, Richtung Osten beginnt das Leben in Zivilisation. Für uns ist das komisch, wir sind also den weiten Weg aus dem Nichts gekommen um nun endlich in der Zivilisation anzukommen?! In der Zivilisation wo wir in den folgenden Tagen Mütter beobachten, wie sie ihre Kinder mitten in der Fussgängerzone zum Pinkeln hinhalten (dank der Hosen mit Schlitz eine schnelle Sache) oder wo rund um uns hemmungslos gespuckt wird.

Viele der bekannten Klichées scheinen sich also zu bewahrheiten. Wir erleben die von uns besuchten Großstädte Lanzhou und Chengdu jedoch trotz den Gewohnheiten ihrer Bewohner als saubere Städte, ein Hoch also auf all die Strassenreiniger! Auch der Verkehr wirkt ruhig und georndet. Auf den abgetrennten Seitenstreifen verkehren zwar mehr Elektrovelos und -töffli als "richtige" aber auf uns wirken die Städte dennoch velofreundlich. Nach wundervollen Tagen in Chengdu freuen wir uns, wieder auf die Velos zu steigen. Es geht immer weiter Richtung Süden und somit immer weiter in die Wärme, immer näher ans Meer... 

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Kein Borat

In Kasachstan finden wir so Vieles: Beispielsweise einen Canyon, der grandios ist. Oder gute Strassen durch die karge Wüstensteppe, auf welchen wir von Pferdeherden begleitet werden. In Almaty - der Stadt der Äpfel - gibts es zwar nicht mehr so viele Apfelbäume zu sehen aber sonst genug zu entdecken. So suchen wir zum Schluss nur Eines vergebens in diesem Land: Borat.

In Bishkek ist der Schneefall der vergangenen Tage zum Glück vorüber und wir passieren die Grenze zu Kasachstan bereits nach 20 Km bei schönem Herbstwetter. Mit einem sehr freundlichen "Welcome to Kazakhstan" werden wir am Zoll begrüsst und bald darauf befinden wir uns in der einsamen Steppe Kasachstans. Am nächsten Morgen werden wir von Sonne und Wind geweckt, letzterer hat leider über Nacht noch zugelegt... Ungern berichten wir schon wieder über das Wetter, doch der Gegenwind an diesem Morgen war wirklich kein Spass!

Jammern wir etwas zu oft ueber Gegenwind? Vielleicht schon. (Aber Gegenwind ist auch so etwas Fieses!) Ich werde mir also Mühe geben, weniger übers Wetter zu schimpfen und während dem Treten zuerst alle positiven Aspekte aufzählen bevor ich zu jammern beginne. Weiter ging es also bei Sonnenschein auf der flachen Raserstrecke nach Almaty, der grössten Stadt Kasachstans. Bereits in Bishkek haben wir uns wie in einer westlichen Stadt gefühlt, doch der Kontrast von Stadt und Land ist in der Metropole Almaty noch krasser. Die Strassen und Pärke sind sauber, der Verkehr verläuft georndet und das Unterhaltungsangebot zeigt auf, dass unser Aufenthalt von zwei Tagen viel zu kurz ist...

Wir beginnen unsere Erkundungstour am nächsten Morgen im Süden der Stadt und wandern hinauf zum 371m hohen Almaty Tower. Leider ist dieser für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und so begnügen wir uns mit dem Aussichtspunkt am Fusse des Turms. Im Vergnügungspark mit Zoo, Seilpark und obligatem Riesenrad erfreuen uns an der Ruhe und frischen Luft hoch über der Millionenstadt. Wenige Marktstände sind noch aufgebaut doch die zu verkaufenden Souvenirs werden von den Händlern nur halbherzig angepriesen. Auch sie möchten sich wohl lieber in die Winterpause verabschieden als sich hier an die Finger zu frieren.

Warm eingepackt in unsere Daunenjacken fahren wir am zweiten Tag mit dem Bus hinauf zur Talstation der Seilbahn. Da die Skisaison noch nicht eröffnet ist herrscht kaum Betrieb und wir spazieren auf dem grossen Gelände in Richtung des Medeu Eisstadions. Die riesige Eisfläche von 10'000 Quadratmetern ist beeindruckend! Aufgrund der optimalen Bedingungen sollen in diesem Stadion bereits 120 Weltrekorde aufgestellt worden sein. Gerne würden auch wir uns Schlittschuhe anziehen und unsere Kurven drehen, doch leider ist das Eis an diesem Nachmittag für Besucher gesperrt und es wird nichts aus dem Schlittschuhlaufen für uns.

Am Abend besuchen wir das Filmfestival zum Thema Alpinismus in einem Kino im Stadtzentrum und geniessen es, nach so langer Zeit bei Popcorn englische Kurzfilme zu konsumieren.

Gerne würden wir noch einen Ausflug zum Big Almaty Lake unternehmen, einen etwas ausgedehnteren Stadtbummel machen, mit der Seilbahn in die nahegelegenen Berge fahren ..zig Ideen hätten wir noch um uns die Zeit in dieser Stadt zu vertreiben! Falls uns also jemand nach Kasachstan begleiten würde wären wir sofort wieder mit dabei! Doch mit unserer Vorgeschichte (ihr wisst schon, Visabestimmungen) möchten wir unsere 15 Tage visumfreie Zeit nicht ausreizen, droht der Staat in Kasachstan bekannterweise ab dem 16. Tag mit Gefängnis...

Den Charyn Canyon auf halber Strecke nach China wollen wir uns nicht entgehen lassen und so nehmen wir am 3. Morgen Abschied von Almaty, unserem familiären Hostel und den Annehmlichkeiten der Grossstadt. Der Umweg zum Charyn war definitiv ein Highlight in Kasachstan. Wir haben den Vegleich zum berühmten Gran Canyon der USA noch nicht, befinden die uns umgebende Schlucht jedoch ebenfalls als grandios! Beim Zeltaufbau am Abend müssen wir aufpassen, dass wir kein Erdloch zudecken. Wir sind nämlich umgeben von den Bauten der Erdmännchen welche pfeifen, sich nur kurz blicken lassen und dann wieder unter die Erde huschen.

Einige fröhliche Kilometer auf den Velos folgen und bald schon sind wir in Zharkent, wo wir uns im Schnegestöber ein Hotel gönnen. Hier, kurz vor der Grenze zu China verabschieden wir uns gedanklich bereits von Zentralasien. Seit der Einreise nach Trukmenistan, unserem ersten -stan Land sind bereits 2.5 Monate vergangen. Mary, Buchara oder Dushanbe sind für uns nun mehr als schön klingende Städtenamen im fernen Osten. Sie stehen jetzt für Begegnungen mit Menschen und Tieren, für körperliche Anstrengungen und Endorphinrausch und sie stehen für persönliche Eindrücke, welche wir von nun an mit uns tragen.

 

China zum 2.

Zum Abschied hat uns der kasachische Zöllner einen gehörigen Schrecken eingejagt: "You have no visa and this is day Nr 16..." Der Puls war bei uns noch im roten Bereich als dieser sich vor Lachen kaum auf seinem Stuhl halten konnte und uns dann endlich den Ausreisestempel in den Pass gedrückt hat. Er hat sich glücklicherweise verzählt und fand seinen Fehler amüsant, wir etwas weniger. Dass nach den 6 Km Niemandsland etwas ganz Anderes auf uns warten würde war bereits auf der Anfahrt unschwer zu erkennen. Riesige Wolkenkratzer ragten in die Höhe und Schriftzeichen anstelle der uns bekannten Buchstaben prangten von den übergrossen LED Werbeanzeigen. Hier sind wir also, China! Kurz nach der Grenze empfängt uns eine Stadt, welche in der Ausgabe unseres Reiseführers noch nicht aufgelistet ist. Khorgos ist ein Ort in einer autonomen Provinz der autonomen Region Xinjian der Volksrepublik China. Wir erfahren, dass die Stadt erst vor wenigen Jahren gegründet wurde und entdecken bei näherer Betrachtung dass viele Gebäude noch nicht fertiggestellt sind. Ein zollfreies Shoppingparadies für die kasachischen Nachbarn ist hier am Entstehen und an jeder Ecke wird gebaut. Die Chinesen scheinen sich das Projekt etwas mehr zu Herzen zu nehmen als die Kasachen, dort haben wir nämlich ausser einem Basar mit Artikeln des täglichen Bedarfs nicht viel entdeckt, was wir dem Begriff Einkautourismus zuschreiben könnten.

Während wir in einem uirgurischen Restaurant das bereits bekannte Nudelgericht Laghman essen fragen wir uns, wie lange die Bezitzer ihr Lokal wohl noch führen dürfen. Zudem staunen wir über den Bauwahn, den Drang nach Fortschritt und die über die Macht Pekings, welches mehrere tausend Kilometer östlich liegt.

Wir sind gespannt, was wir im Reich der Mitte erleben dürfen und freuen uns auf die Zeit in China. 

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Take it easy

Bishkek, die Hauptstadt von Kirgistan ist unser nächstes Ziel. Wir baden im Stausee, schlafen neben frisch gebackenem Brot und sind dankbar um Tunnels, welche uns so manche Höhenmeter ersparen.

Die ersten Tage nach Osh war viel Verkehr auf der Hauptroute nach Bishkek und wir waren froh um gute Strassenverhältnisse. Neben vielen sehenswerten Orten gibt es an dieser Stelle das Dorf Mailuu-suu zu erwähnen. Auf der Karte scheint es einen Abstecher wert zu sein, liegt der Ort doch leicht abseits am Berghang. Nach einem Blick in den Reiseführer ist jedoch schnell klar: nichts wie weiter, weg aus diesem Gebiet! Mailuu-suu gehört zu den 10 schlimmsten verseuchten Gegenden der Welt. Schuld daran sind unzählige ungesicherte Lager von Uranabfällen, was hier ein Erdbeben anrichten würde, überlegen wir uns dann nicht weiter...

Nachdem wir in Tasch-Kömür dem Charme der verlotterten sowjetischen Bauten verfallen sind checken wir in einem solchen Hotel ein und sind dankbar um den trockenen Schlafplatz. Der nächste Morgen lockt uns mit Sonnenschein und einer schönen Strecke entlang des Kürp-Say Stausees, welcher sich wie ein Gebirgsfluss tief unter uns durchs Tal schlängelt. Nach einigen kurzen Tunnels folgen wir der kurvenreichen Strasse mit Bergen über uns und dem türkisblauen Wasser unter uns. Wir finden an diesem Abend den ultimativen Platz für unser Zelt: direkt am Stausee auf einem kleinen Inselchen, hier gefällt es uns so richtig gut. Nach einem erfrischenden Bad im See werfen die Jungs (wir erfreuen uns die Tage an der Begleitung von Nils, dem Berner Veloreisenden) ihre Fischerruten ins Wasser während ich vorsichtshalber mit dem Kochen beginne, falls es doch nichts werden soll mit dem grossen Fang... Die Nudeln mit Gemüse schmecken dann auch ganz gut :). Der Himmel lässt leider immer mehr Regentropfen fallen sodass wir unseren tollen Platz am nächsten Morgen verlassen und weiterfahren. Abends möchten wir lieber nicht im Freien schlafen und haben Glück, dass wir bei der Bäckerin des Dorfes in der Stube / dem Verkaufszimmer übernachten dürfen. Der Duft von frischem Brot ist herrlich! Auch am nächsten Tag regnet es leider ziemlich durchgehend. So wird die Etappe bis Toktogul vorerst unsere letzte auf den Velos. Da wir weder Lust auf Schneegestöber auf 3000 m ü.M haben und wir uns aufgrund des nahenden Winters nicht mehr zu lange im Norden aufhalten möchten verladen wir die Velos auf Kartoffelsäcken und steigen in den warmen Lieferwagen ein. Ab nach Bishkek! 

Bishkek: Top 5 Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten 

"Bishkek lockt mit keinem touristischen Pflichtprogramm, keine der Sehenswürdigkeiten beansprucht für sich die Kategorie muss-man-gesehen-haben."...

Unser Reiseführer hat wahrlich nicht viel versprochen für die Hauptstadt Kirgistans. Wir beide behalten die Stadt jedoch in sehr guter Erinnerung, gab es für uns hier beispielsweise ganz einfach ein Visum für China! Trotz Schneegestöber und winterlichen Temperaturen haben wir uns aufgemacht, unsere eigenen "Top 5" der Stadt zu finden.

1. Sierra Café 

Eine heisse Schoggi & ein Cappuccino, dazu ein Teller Kürbissuppe und ein Stück Apfelkuchen - was will man mehr wenn es draußen grau und nass ist? Die Einrichtung ist sehr westlich und wir werden freundlich auf Englisch bedient 

2. Monument to Baatyr Kaba Uulu Koshomkul

Viele Monumente und Statuen gibt es in dieser Stadt zu bestaunen... Doch diese gefällt uns besonders: Ein sehr kräftiger Mann stemmt ein Pferd in die Höhe - nach den unzähligen Kunstwerken, bei welchen ein Held AUF einem Pferd dargestellt wird ist dies eine sehenswerte Abwechslung 

3. Einkaufszentrum 

The Bishkek Park: Eine Shoppinmall nach westlichen Vorbild - ebenfalls ein geeigneter Ort wenns draussen regnet. Neben Cafés und diversen Geschäften stellen das Indoor-Eisfeld und die Bowling Bahn weitere Pluspunkte dar

4. PINTA Pub 

Ein Bierchen in guter Gesellschaft, leckeres Pub-Food und eine gemütliche Pub Atmosphäre finden wir an diesem Ort. Einen grossen Pluspunkt verdient der Tschüttelitisch! ...Gleichzeitig ist dieser jedoch ein Minuspunkt verbunden mit einer grossern Enttäuschung: es gibt keinen Ball!!

5. Postamt 

Souvenirs und kaum benutzte Gegenstände senden wir per Post nach Hause. Mit unserem Paket landen wir in einem kleinen Büro wo wir zuerst ganze 5 Deklarationsscheine ausfüllen. Mit der Nähmaschine wird dann von der Postbeamtin ein Leinensäcklein für unser Päckli genäht. Von Hand wird dieses zugenäht und mit mehreren Stempeln versiegelt. Zum Schluss schreiben wir die Adresse drauf und schicken unser Päckli nach knapp 1.5h in die Schweiz - gute Reise!



Auf der Suche nach Borat 

Mit dem 2. Visum für China im Reisepass verabschieden wir uns zum 2. Mal von Kirgistan. Dieses Mal verlassen wir das Land im Norden über die kasachische Grenze und fahren somit in ein Land von dem wir bis jetzt nur wenig wissen. Zugegeben, etwas beschränkt scheint mein Weltbild zu sein, wenn ich bei Kasachstan als Erstes an Sacha Baron Cohen alias Borat denke... Umso neugieriger bin ich also beim überqueren einer weiteren Landesgrenze! 

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Plan B

Von Sary Tash aus wollten wir ursprünglich direkt über den Irkeshtam Pass nach China weiterreisen. Doch wieso sollen wir nicht noch etwas Zeit in Kirgistan - der Schweiz Zentralasiens - verbringen? Wir könnten in Osh durch den Basar schlendern und in Arslanbob in der Herbstsonne wandern. Wieso nicht? Weil der ursprüngliche Plan seine guten Gründe hatte.

Für sehr lange Zeit war die Fahrt durch das Pamir Gebirge ein grosses Ziel für uns. Kälte, Wind und atem(be)raubende Pässe haben wir auf uns genommen. So sehnen wir uns nach der körperlichen Anstrengung nach Erholung und entscheiden uns spontan dazu doch noch nach Osh zu fahren um die Annemlichkeiten einer Stadt zu geniessen. Wir treffen dort im TES Guesthouse andere Veloreisende und tauschen uns über Material, Reiseerfahrungen und Routenwahl aus. 22 Velofahrer aus verschiedenen Ländern werden am einen Abend an der üppig gedeckten Tafel gezählt! So vergeht die Zeit im Flug und wir sinken immer tiefer in den Zustand der Entspannung. Wieso auch sollen wir weiterziehen? In Kirgistan können wir visafrei bis zu 60 Tagen bleiben und für die Einreise nach China haben wir seit dem Ausstellungsdatum in Iran drei Monate, also bleibt genügend Zeit, oder?!

Gerne würden wir bei dem schönen Herbstwetter wandern gehen, so buchen wir einen Ausflug nach Arslanbob, zu dem größten natürlichen Walnusswald der Erde. Das CBT Büro vor Ort begrüßt uns freundlich und vermittelt uns eine herzliche Homestay Unterkunft. HELVETAS (Schweizer Entwicklungsorganisation) hat den Aufbau der Tourismusinfrastruktur geleitet und so fühlen wir uns fast wie zu Hause als uns von Mountainbike Touren, Skiausflügen und Wanderungen vorgeschwärmt wird. Trotz dem grossen Angebot an geführten Aktivitäten entscheiden wir uns dafür, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Die Wanderung zum 80m hohen Wasserfall mit einem steilen Aufstieg zum Schluss belohnt uns mit einem Ausblick über das weite Tal welches unter uns liegt. In der Herbstsonne trinken wir Tee, während neben uns Äpfel geerntet werden. Mit Blick auf die hoch aufragenden Berge und das Laub, welches in kräftigen Farben leuchtet, fühlen wir uns richtig glücklich.


Zurück in Osh wir es dann aber endgültig Zeit, uns von Zentralasien zu verabschieden. Gerne würden wir wiedereinmal hierher zurückkommen, vielleicht das nächste Mal etwas früher im Jahr. Von den Ebenen gespickt mit Yurten und Yakherden war nicht mehr viel übrig in dieser Jahreszeit und wir bedauern es, dies verpasst zu haben. Dass es jedoch so schnell geht, bis wir wieder einen Einreisestempel von Kirgistan im Pass haben, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So steigen wir etwas wehmütig in den Nachtbus voller Chinesen welcher uns nach Kashgar bringen soll. Der Grenzbeamte von Kirgistan plaziert den Ausreisestempel und wir werfen nochmals einen Blick auf unser China Visum. Wie stolz waren wir, die drei Monate Einreisezeit ab Ausstellungsdatum zu erhalten! Wie selbstbewusst haben wir erzählt, dass alles so einfach abgelaufen ist an der chinesischen Botschaft. Gross ist in diesem Moment die Vorfreude auf die Einreise ins Reich der Mitte! Doch dann: "Ähm, Christian, welches Datum ist heute?" - "Der 12., wieso?" - "Weil hier steht, dass wir bis spätestens 09.10.2015 in China einreisen müssen... "


??? WAAS ??? Der Pamir hat wohl so einige Hirnzellen rausgeschüttelt... Wir waren wenige Stunden zuvor noch stolz darauf, nicht nach Plan zu reisen, spontane Abstecher gemacht zu haben, doch in diesem Moment fühlen wir uns einfach nur dämlich. Waren wir wirklich so dumm, die Frist von drei Monaten zu verschlafen? Warum bloss sind wir nach Osh, das war doch nie der PLAN!!! Wieso bloss haben wir das Visum nicht früher nochmals kontrolliert?

Mit dem Bus fahren wir dann doch noch die paar Kilometer zum chinesischen Grenzposten aber dort ist dann definitiv Endstation. Es ist uns sehr peinlich, unsere Velos aus dem Bus zu räumen (brauchte es am Vorabend doch viel Überredungskunst, dass der Chauffeur sie verladen hat). Wie konnte das bloss passieren? UNS? Den stets vorbereiteten und durchorganisierten Schweizern?

 

Nun, mit zwei Wochen Abstand ist der Ärger nicht mehr ganz so gross, wenn ich an unseren dummen Fehler zurückdenke. Nach einem solchen Tag konnte es nur noch besser werden, und das wurde es auch. Die Wut über uns selbst von der Seele strampeln, eine sympathische, aufmunternde und auch vermittelnde Reisebegleitung & so einige Flaschen Vodka haben unsere Reiselust zurückgebracht. Selbstverständlich haben wir nun einen neuen Plan, weniger detailliert, weniger terminiert und auf das Wesentliche zusammengefasst:

 

  1. Neues China Visum beantragen
  2. Einreisefrist nicht verpassen

 

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Pamir

Dushanbe - Khorog 

In Dushanbe treffen wir mit Rahel und Benjamin ein schweizer Paar, welches seit einigen Jahren in Tajikistan lebt. Wir erhalten wertvolle Tipps und durch Erzählungen von ihren Pamirerlebnissen wird die Routenwahl für uns noch schwieriger. Da die Südroute aktuell in einem besseren Strassenzustand ist wird auch der Schwerverkehr dort durchgeleitet, so entscheiden wir uns für die ruhigere und wohl auch holprigere Strecke im Norden. Wir planen knapp zehn Tagesetappen bis Khorog, dies entspricht etwa 50 Km pro Tag. Bis anhin haben wir spätestens nach fünf Velotagen eine Pause eingelegt und sind gespannt, wie wir das Leben in der Natur meistern werden :-).

Jeden Abend finden wir schöne Plätzchen für unser Zelt und waschen uns oft im kalten Bergbach. Wir waschen unsere Wäsche, welche bei der tiefen Luftfeuchtigkeit über Nacht trocknet, im Fluss und sind glücklich mit den spätsommerlich warmen Temperaturen. So lassen wir uns morgens vom Sonnenschein wecken und kriechen abends unter einem schier unendlichen Sternenhimmel in unsere Schlafsäcke. Das Leben im Freien klappt somit wunderbar und wir finden immer mehr Gefallen daran!



Haben wir bis anhin bei der Routenplanung die ganz hohen Pässe ausgelassen gibt es bei der Anfahrt zum Pamir-Highway keine "light" Version. So steht mit dem Sagirdast Pass auf 3252 m ü. M. der höchste Punkt unserer bisherigen Reise an. Wir meistern den Aufstieg auf der Schotterpiste ohne Probleme und entdecken nach dem obligaten Gipfelfoto weitere Velofahrer im windgeschützten Unterstand. Um uns herum ist eine internationale Gruppe von Minenräumern im Einsatz. In den folgenden Tagen treffen wir immer wieder auf Gebiete, welche noch Landminen verbergen und stellen unser Zelt sicherheitshalber in der Nähe von Dörfchen auf. Während die anderen Reisenden noch mit der Zubereitung ihres Mittagessens beschäftigt sind und es um uns knallt von den Sprengungen mampfen wir ein paar Schoggiguezli und machen uns dann bereit für die Abfahrt. Auf dieser Höhe ist von sommerlichen Temperaturen nämlich nicht mehr viel zu spüren und wir packen Mütze, Windjacke und die langen Hosen aus... Im Tal angekommen stellen wir unser Zelt wieder nahe ans Wasser und auch ein erfrischendes Bad im Fluss darf nicht fehlen, hier unten können wir uns wieder an den lauen Temperaturen erfreuen. Die Strecke führt uns bald ganz nah an die Grenze zu Afghanistan. Bis Khorog folgen wir dem Fluss Panj welcher als natürliche Landesgrenze von Tajikistan und Afghanistan definiert wurde. Am anderen Ufer beobachten wir Kinder beim Spielen und Arbeiter beim Strassenbau. Wobei "Straße " wohl zu viel gesagt ist, denn sie schlagen in wohl mühselige Aber einen Weg in die steile Felswand.

Nach zehn Tagen erreichen wir glücklich das Guesthouse in Khorog. Nicht nur unsere müden Muskeln freuen sich auf Ruhe, v.a. unser Magen-Darm System braucht dringend Erholung. Erst wenn die Speicher wieder gefüllt sind fahren wir weiter. Denn bis hierher war es nur die Anfahrt - der "wahre" Pamir beginnt erst!

Wakhan Valley 

Erholt und gestärkt machen wir uns auf den Weg ins Wakhan Valley, eine von den verschiedenen Routen durch das Pamir Gebirge. Im fruchtbaren Tal wird Landwirtschaft betrieben, wie wir es kaum noch kennen. Es kommen Ochsen und Esel zum Einsatz und von den Bauern selbst wird viel Handarbeit geleistet. Traktoren sehen wir kaum, wohl auch weil die Nutzfläche zwischen dem Fluss und den steil abfallenden Felsen sehr klein ausfällt. Als Schweizer werden wir meist herzlich willkommen geheissen. Ob es daran liegt, dass die schweizer Entwicklungshilfe viele Projekte in der Region unterstützt? Oder liegt es daran, dass das geistliche Oberhaupt der Ismailiten Aga Khan schweizer Wurzeln hat? Der Ismailismus ist nämlich die meist verbreitete Religion im Pamir, als eine Abspaltung des Islam ist für uns vor allem ein Aspekt auffallend: in dem ganzen Gebiet gibt es kaum Moscheen und nach Monaten in islamischen Ländern hören wir somit keine Muezzinrufe mehr. Der Schulbildung wird ein hoher Stellenwert beigemessen und wir treffen auf sehr viele Kinder in Schuluniform. In kleinen Dörflädeli kommt es nicht selten vor dass wir auf englisch oder sogar deutsch bedient werden. Überhaupt befinden wir uns hier nicht einfach in Tajikistan, sondern in der autonomen Provinz Gorno-Badakhshan (GBAO). Eine spezielle Bewilligung um diese Region zu bereisen haben wir in Duschanbe bekommen und fast täglich zeigen wir diese den freundlichen Herren an den Kontrollposten. 

Dank Steuergeldern von Herr und Frau Schweizer fließt hier sauberes Wasser


Bei Langar verlassen wir den Fluss Panj welcher nun zum Pamir wird und begeben uns langsam in Lagen über 3000 m ü. M. Da wir in der Tat sehr langsam vorankommen haben unsere Körper genügend Zeit sich an die Höhe zu gewöhnen und wir sind glücklich, dass wir von den Symptomen der Höhenkrankheit verschont bleiben. Der Aufstieg zum Karagush Pass ist ein speziell schönes Erlebnis. Einsam ziehen wir unsere Spuren auf der guten Schotterpiste, bei strahlend blauem Himmel treten wir immer höher und kommen so zum ersten Mal über 4000 m ü. M.! Einzigartig wird das Erlebnis auch dadurch, dass wir hinter uns eine Herde der mittlerweile sehr seltenen Marco Polo Schafe entdecken! In rasantem Tempo überqueren die Tiere die Strasse, weiter über die grüne Wiese bevor sie dann in den grau-braunen Felsen perfekt getarnt aus unserem Blickfeld verschwinden.

Der Weg führt uns vorbei an klaren Bergseen und wir schlagen unser Zelt knapp unter der 4000er Marke bei dem Salzsee Chokur auf. Dort gibt es die vielfältige Vogelwelt dieser Bergregion zu beobachten. Über uns fliegt sogar ein Schwarm Pamir Gänse vorbei! Geier ziehen ihre Kreise am wolkenlosen Himmel, am Vortag sahen wir ein zweihöckriges Kamel beim grasen entlang des Flusses, heute Marco Polo Schafe und Pamir Gänse - die Tierwelt im Pamir zeigt sich uns von seiner allerbesten Seite!

Bereits kurze Zeit später haben wir wieder Asphalt unter unseren Reifen. Für einen Abstecher zum Bulunkul und Yashilkul See verlassen wir diesen nur zu gerne wieder. Wir werden mit Joghurt & Butterbrot bewirtet und schlagen unser Zelt hoch über dem See und unter dem funkelnden Sternenhimmel auf. Wunderschöne Tage einsamen Velofahrens inmitten fast unberührter Natur liegen hinter uns. Laut Berichten der uns entgegengekommenen Velofahrer wohl auch die anstrengensten, soll mit dem Asphalt auch starker Rückenwind auf uns warten...

Murghab - Sary Tasch

Im Hotel in Murghab gibt es nach langer Zeit eine warme Dusche und kulinarisch eine willkommene Abwechslung. Gestärkt und erholt ist bei der Weiterfahrt von dem allseits gelobten Rückenwind leider nichts zu spüren... Schlimmer noch, eisig-kalter Gegenwind peitscht uns bei knapp 5 Grad ins Gesicht und die Temperatur sinkt mit jedem Meter, den wir weiter in die Höhe pedalen. Auf kalte Tage im Wind folgen kältere Nächte im Zelt, zum Glück finden wir einigermaßen windgeschützte Schlafplätzchen. Für den Ak Baital Pass auf 4655 m ü.M. haben wir noch wenig Energie und ganz viel Motivation übrig - soll dies doch der höchste Punkt auf unserer Reise werden welchen wir aus eigener Kraft erreichen.

Auf der anderen Seite des Passes entdecken wir eine Yak Herde, doch meine Finger waren klamm vor Kälte so dass ich nicht einmal ein Foto mache... Und wir hoffen sehr, dass dies nicht die letzten Yaks waren denn mit dem herannahenden Winter ziehen auch die Tiere in tiefere Lagen. Doch vor uns liegen noch einige Kilometer in der Kälte. Als wir am letzten Tag vor lauter Gegenwind und Holperpiste mehr laufend als fahrend vorankommen steigen wir schließlich etwas zögernd (ja, der Stolz...) in das warme Auto eines freundlichen Kirgisen. All unsere 7 Sachen und unsere beiden Velos sind verstaut und wir holpern langsam dem nächsten Land entgegen. In Sary Tash finden wir ein Gasthaus in welchem wir freundlich begrüßt und bewirtet werden. Also bleiben wir hier bis a) der Dorfladen keine Snickers mehr hat, b) unsere Finger und Füsse wohlig warm sind und c) der Pamir-Staub von den Velos geputzt ist :-).

Heaven vs. Hell


Das befahren des Pamir-Highway ist für die meisten Tourenfahrer DAS Highlight, und auch wir haben uns lange darauf gefreut, sind gut ausgerüstet und mit viel Respekt in dieses Abenteuer gestartet. Wo es vor und nach Zentralasien unzählige Wege von West nach Ost gibt konzentriert sich die "Szene" im Pamir eindeutig, und wir waren dankbar für die Tipps von entgegen kommenden Reisenden und detaillierten Blogeinträgen. "So, you'll go throuh hell the next few days?" - Ja, es wurde anstrengend... Doch mit unserem Motto "Das glauben wir erst, wenn wir es selber erleben" war alles relativ. Nach Langar wurde es steil, sandig und wir kamen uns öfter vor wie auf einer schönen Wanderung als auf einer Velotour. Nur war da halt noch das 50-60 Kg schwere Velo, welches den Berg hinaugeschoben werden wollte...

Damit für alle nach uns das Erlebnis Pamir zu "Heaven" und nicht "Hell" wird, raten wir folgendes zu bedenken:

  • Genug Zeit einplanen! Es gilt viele Höhenmeter zu überwinden und dies auf meist über 3000 m ü. M. (40-50 Km / Tag), so bleibt auch genügend Zeit für einen Abstecher zu Hot Springs, alten Festungen, Geysiren...
  • Bei mangelnden Sprachkenntnissen empfehlen wir die genaue Planung der Route, einige der Sehenswürdigkeiten sind ohne exakte Koordinaten kaum zu finden...
  • Breite Pneus sind aufgrund des fehlenden Asphaltes nur zu empfehlen ("I saw many who gave up because the road is so bad " - das waren wohl die mit den Rennrädern aus Karbon, inkl. Triathlon-Lenker...???)
  • Bedenke: über 3000 m ü. M. wirds kalt (Blue Kazoo, unser Schlafsack wird zu unserem besten Freund und hält uns auch bei -10 Grad warm!)
  • Höhere Gewalt: Der Wind bläst so stark und von wo er grad will, alles Fluchen hilft nicht (aber versuchen kann man's)

Trotz aller Anstrengung und manchen Flüchen 'gen Petrus - wir behalten unser Pamir Abenteuer definitiv als "Heaven" in unseren Herzen!

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1001 Nacht

Um uns von unserer Fahrt durch Turkmenistan, dem "heissesten Land Zentralasiens" zu ehrholen quartieren wir uns in Buchara im Hotel ein. Auf Tage in einer der schoensten Staedte unserer Reise folgen Etappen durch wundervolle Landschaften und sehr viele laechelnde & winkende Kinder am Strassenrand.

Buchara - wow! Wir werden freundlich begruesst von Einheinheimischen als wir durch enge Gassen fahren und lassen von der Stadt wie aus 1001er Nacht verzaubern. Wir schlendern durch die gedeckten Bazaare unter den Kuppeldaechern und stellen uns vor, wie die Haendler zur Hochbluete des Handels um Preise fuer Seide, Gold & Gewuerze gefeilscht haben. Buchara gilt als wichtiger Ort der Seidenstrasse, viele Gueter sind von China ueber das Pamirgebierge hierhin gelangt, und auf genau diesen Spuren sind wir unterwegs. An den Medresen und Moscheen mit ihren tuerkisblauen Kuppeln koennen wir uns kaum satt sehen. Wir staunen, wie entspannt die Stimmung in dieser touristischen Stadt ist. Wir erleben keine aufdringlichen Haendler. Klar wollen sie uns in ihre Geschaefte locken, doch auf so eine freundliche und unaufdringliche Art wie wir es noch nie erlebt haben. Wir fuehlen uns sehr wohl im familiaeren Hotel und haben im grossen Innenhof Platz und Ruhe um den grossen Veloservice durchzufuehren, zu lesen und zu schreiben und die mueden Beine hochzulegen. Wir freuen uns auch sehr, dass wir Elli & Seb nochmals treffen. Auch Nils, den wahren Abenteurer unter uns treffen wir zum gemeinsamen Bierchen auf der Dachterasse. Der Berner ist mit einem alten Renner und nur gerade zwei Taschen am Velo unterwegs. Er ist macht fast doppelt so viele Kilometer wie wir und auch wenn er ueber Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans im Norden fahert, und wir direkt Richtung Dushanbe, (Tajiskistan) hoffen wir, ihn auf dem Weg zum Pamir nochmals zu treffen.

Das Internet scheint in ganz Usbekistan sehr schlecht zu sein. Wir haben keinen Zugriff auf unseren Blog und auch im Internet Cafe der Stadt welches mit dem Slogan "amazingly fast internet" wirbt geht es eher unglaublich langsam bis gar nicht. Das Internet ist auf unserer Reise ein wichtiger Informationskanal fuer uns. Nicht nur um uns auf Nachrichtenportalen ueber das Geschehen ausserhalb unserer "Reiseblase" zu informieren, sondern vor allem um wichtige Informationen bezueglich Visabestimmungen zu erhalten und um auf dem aktuellen Stand zu sein, welche Strassen und Grenzuebergaenge passierbar sind. Ein Fehler wie an der turkmenischen Grenze moechten wir lieber nicht wiederholen! Da diese Bestimmungen staendig wechseln und wir uns meist nur sehr begrenzt mit Einheimischen unterhalten koennen sind wir froh ueber das Internet. Bleibt zu hoffen, dass wir in Dushanbe, Tajikistan mehr Glueck haben.

Erhohlt und sehr gluecklich fahren wir nach drei Tagen weiter. Unterwegs auf gut ausgebauten Strassen sehen wir wilde Esel in einer grossen Herde, leider schaffen wir es nicht, ein gutes Foto zu schiessen da sie schnell davontraben als sie uns entdecken... Esel sind ueberhaupt omnipraesent auf den Strassen, meist als Lasttier vor dem Wagen gespannt oder bepackt inmitten von Schaf- und Ziegenherden. Zwei Hirtenjungen posieren begeistert fuer unser Fotoshooting und lassen Christian auf dem Esel davon reiten. Wir mit unseren Drahteseln scheinen noch immer eine Attraktion zu sein, auch wenn bestimmt viele Tourenfahrer vor uns auf dieser Strecke unterwegs waren. Unglaublich wie viele Kinder hier in den Doerfern leben! Sie entdecken uns bereits von Weitem und laufen uns entgegen, fahren uns mit ihren Velos nach oder stehen einfach nur laechelnd und winkend am Strassenrand. Nach Quarshi - wo wir nochmals eine Nacht im Hotel verbringen, um uns rechtsmaessig zu registrieren - fuehrt der Weg leicht ins Gebirge. Hier im Sueden sind nur noch die Auslaufe des grossen Hissar-Gebirges und wir haben nicht ganz so viele Hoehenmeter zu ueberwinden. Die Landschaft wird in meinem Reisefuehrer als "wohl schoenste Strecke Usbekistans" beschrieben und wir stimmen dem eindeutig zu. Weite Ebenen, tiefe Schluchten, gruene Obstplantagen, Taeler umgeben von faszinierenden Felsformationen bieten uns schoene Bilder. Die Naechte im Zelt sind mittlerweile angenehm kuehl und wir werden immer geuebter im Erspaehen von schoenen Plaetzchen, Zeltaufbau & Kochen im Freien. Bald schon erreichen wir Denov, die letzte groessere Stadt vor der Grenze zu Tajikistan. Wir wollen uns nochmals mit Essen eindecken und unsere letzten usbekischen SOM unter die Haendler bringen. Dies gelingt nur mit maessigem Erfolg, werden unsere Taschen einmal mehr in Form von suessen Trauben, sonnengereiften Tomaten und herrlich duftendem, knusprigen Brot mit Gaben von Einheimischen gefuellt. Bleibt zu hoffen, dass die Zollbeamten uns nicht alles wieder wegnehmen... Doch der Grenzuebertritt am spaeten Nachmittag verlaeuft dieses Mal problemlos und wir lassen Usbekistan hinter uns. Viel zu wenig wusste ich im Vorfeld ueber Zentralasien, meine Vorstellungen deckten sich ueberhaupt nicht mit dem Erlebten. Buchara erlebte ich als schoenste Stadt auf unserer 6 monatigen Reise und die Menschen sind uns gegenueber sehr freundlich aber dennoch zurueckhaltend. Mit Tajikistan reisen wir nun in das 3. Land Zentralasiens und freuen uns darauf, noch mehr zu sehen!


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Wüstenritt

Unterwegs mit unserem Luxusvisum von 7 Tagen finden wir Zeit, die antike Stadt Merw zu besichtigen. Wir fahren in der Karakum-Wüste vorbei an Kamelen und über uns fliegen sogar Flamingos!


Gemütlich fahren wir an Tag 1 von Sarakhs zu der Grenze von Turkmenistan. Ohne Probleme oder aufwändigem Procedere passieren wir diese und verabschieden uns mit einem letzten "Choda Hafez" von den iranischen Grenzwächtern. Kurz nach dem Verlassen des Zollgelaendes vollführe ich auf offener Strasse den lang ersehnten Striptease! Nach zwei Monaten in langen Hosen, hüftlanger Bluse und hübscher Kopfbedeckung fühle ich mich tatsächlich etwas nackt in meinen engen Radlerhöschen und im luftig-leichten Sweatshirt... Verrückt, beinahe hätte ich mich an die islamischen Kleidersitten gewöhnt! Ziemlich direkt steuern wir den ersten Mini-Markt an und freuen uns über Mars-Riegel statt Pars-Riegel und über Bier ohne Fruchtgeschmack. Mit einem halben Liter des goldig-prickelnden Getränks im Bauch fahren wir beschwingt los. Schlechte Strassenverhältnisse? "Schlecht" liegt hier im Auge des Betrachters, wir haben unsere Heidenfreude beim Treten durch den natürlich angelegten Pump-Track! Die Löcher in der Strasse haben tatsächlich Badewannenformat, sind schön abgerundet und mit unseren Velos fährt es sich da super! Andere Verkehrsteilnehmer haben wohl weniger Freude an dieser Piste, unglaublich dass hier ein LKW den anderen abschleppt. Verständlich, dass sie kaum schneller unterwegs sind als wir...

"The Mongol Rally thunders 10.000 miles arcoss the mountains, desert and steppe of Europe and Asia each summer. There's no backup, no support and no set route: just you, your fellow adventurist and a tiny car bought from a scrapyard for 11.50 Pounds."

Am Tag 2 wirds dann doch noch holprig, doch nur eine kurze Strecke (ca. 40 Km) und dann sind wir bereits auf der Hauptverkehrsachse nach Mary. Deutlich schneller kommen wir voran und treffen eingangs Stadt direkt auf unsere neuseeländischen Freunde der Mongol Rally, mit denen wir noch eine Rechnung offen haben. Für den letzten Kilometer durch die Stadt tausche ich einen Platz im Auto mit einem Kiwi, der seinerseits freudig in die Pedale tritt. Bei ein paar Bierchen werden Schulden beglichen und wir freuen uns auf ein weiches Bett im viel zu teuren Hotel. Tag 3 beginnt mit einer (trotz heruntergehandeltem Preis) viel zu teueren Tour nach Merw, einer antiken Stätte nahe Mary. Da das Gelände sehr gross ist sind wir froh, einen Mitarbeiter des Museums von Mary als Fahrer und Guide dabei zu haben und staunen einmal mehr ueber Bauwerke, Geschichte und die Natur.


Den freien Tag nutzen wir noch zur dringend nötigen Veloreparatur. Neben Wind, Hitze & Holperpisten ist Christian seit zwei Tagen mit schleifender Bremse unterwegs... Die eine Bremsbacke hat sich verklemmt und alles justieren der Scheibenbremse führte stets nur kurzzeitig zum Erfolg. Dank Internet haben wir ein Manöver gefunden, um die Bremse fachmännisch zu mobilisieren und sind nun definitiv gerüstet fuer die Fahrt duch die Karakum Wüste.


Da wir es am Morgen gerne gemütlich nehmen fahren wir erst um 09.00 Uhr los und erleben an Tag 4 die Hitze der Wüste so richtig. Wir finden bei einer Autowerkstatt einen kleinen Shop und stärken uns mit Cola. Am Abend schaffen wir es dann nicht mehr so weit und das Feierabendbier haut uns dann so richtig aus den Socken. So lege ich mich bereits am frühen Abend ins Zelt, trinke Boullion und lasse meinen Körper regenerieren. An Tag 5 sitzen wir bereits um 07.00 Uhr auf den Velos. Heute sind wir so richtig in der Sandwüste und es gibt entlang der Eisenbahn nur wenige kleine Siedlungen, ansonsten treffen wir kaum auf andere Menschen. Sand so weit das Auge reicht, und wir mitten drin auf einer ganz passablen Asphaltpiste. Über uns fliegen pinkig-weisse Flamingos und wir fahren vorbei an Kamelherden. Heute bläst der Wind etwas stärker und wir erleben den wohl heissesten Tag unserer Reise. Die Temperaturanzeige meines Velocomputers zeigt 46 Grad im Schatten an, und im Schatten sind wir sozusagen gar nicht... Immer mit dem Ortsnamen "Repetek" im Kopf strampeln wir weiter und weiter. Das Wasser (ja, wir haben genug dabei, siehe hier), gemischt mit Fruchtsaft trinkt sich wie Früchtetee, zuerst müssen wir etwas blasen damit wir uns die Zunge nicht verbrennen. Ziemlich müde kommen wir in Retepek, einer Lastwagen Raststätte, an. Mit dem Übertreten der Türschwelle erreichen wir einen klimatisierten Raum, Pepsi, Suppe & Poulet werden auf unsere Teller geschöpft und grosse Freude macht sich breit. Juhuu! Ein grosser Teil des Wüstenritts ist geschafft, und wir sind noch immer munter & zufrieden!

Am Abend geniessen wir die Gesellschaft des deutschen Päärchens Elli & Sebastian. Es tut richtig gut, Gespräche auf deutsch zu führen die weiter reichen als "Helooo, how are you? Goodbyyyeee!". Gemeinsam starten wir Tag 6 und fahren um 04.30 Uhr noch im Dunkeln bei angenehmen 24 Grad los. So meistern wir auch die letzte Wüstenetappe und erreichen Turkmenabat am frühen Mittag. Christian besucht das eindrückliche Regionalmuseum welches in einem prunkvollen Bau, ganz nach turkmenischer Art, als wohl einziger Tourist. Unter Aufsicht unzähliger Angestellter darf leider kein einziges Foto gemacht werden. Schade eigentlich, wurde dieses doch so sorgfältig ausgebaut und das Leben in Turkmenistan so schön dargestellt.

An Tag 7 rollen wir bereits der nächsten Grenze entgegen und blicken zurück auf heisse Tage, sind dankbar dass der Wind gnädig gestimmt war, behalten Frauen in farbigen Tüchern in Erinnerung und nehmen die intensive Erfahrung des Wüstenritts mit.

Natural Pump-Tack, made by Turkmenistan 


Da war noch was...

Ach ja, der Grenzübertritt nach Usbekistan... Unsere 7 Tage Luxusvisa wurden uns dann doch noch zum Verhängnis. Aus unerklärlichen Gründen haben wir ganz dummerweise vergessen (zu wenig informiert, falsch informiert?!) uns nach sechs Tagen in Turkmenistan offiziell beim Amt für Immigration zu registrieren. Der Chef persönlich klärt uns auf, dass wir nun zwei Möglichkeiten hätten :

 

A) Busse a 1200 USD pro Person

B) Einreiseverbot in Turkmenistan für 1 Jahr

 

Hmm, na dann... zweimal Option B), bitte! Und ein langwieriges Prozedere folgt. Von Fingerabdrücken über Fotos, Passkopien und drei von uns handgeschriebenen Briefen. Die Zöllner werden immer freundlicher und verteilen Bonbons bevor wir nach drei Stunden entlassen werden. Und wir sollen uns ja nicht mehr zeigen! - Aber nur für 1 Jahr, danach seien wir selbstverständlich wieder herzlich Willkommen in ihrem Land.

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Nordosten 

Nach knapp zwei Monaten verlassen wir Iran in Sarakhs, dem Grenzübergang zu Turkmenistan. Das Land zeigt sich nochmals von seiner besten Seite! 

Von Bojnurd bläst uns der Wind mit voller Kraft nach Osten. Shirvan, das angedachte Tagesziel erreichen wir bereits zum Z'nüni Rast und so machen wir erst in Faruj wieder Halt. In diesem Ort hatte wohl Einer die Idee, ein Dörrfrüchte-Nuss Geschäft zu eröffnen und mehrere Dutzend weitere Händler haben sich die Verkaufsidee abgeschaut... Nirgendwo vorher oder nachher sehen wir so viele nahezu identische Verkaufstände. Gerne decken wir uns mit Cashew Nüssen ein! Als Energiespender führen wir nämlich stets ein Säcklein Nüsse mit uns. Als wir nach der Mittagspause weiterfahren ist der Fahrspass nur noch halb so groß - der Wind hat seine Richtung um exakt 180 Grad geändert und somit legen wir im Gegenwind die letzten Kilometer des Tages zurück.

Wir wissen nun: "Der frühe Vogel fängt den größten Wurm" und sind am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang bereits auf der Straße. Das Stadtzentrum Mashhads finden wir mühelos, um die Mittagszeit hat es nur wenig Verkehr auf den Strassen. Schwieriger ist es, sich mitten im Stadtverkehr mit den Autofahrern zu unterhalten. Diese geben alles um uns einzuladen, ob auf der Schnellstraße, im stockenden Verkehr, im Kreisel oder beim Überqueren der Strasse, "Hello, come to my house!" Doch wir lehnen ab, morgen steht unser Besuch auf der turkmenischen Botschaft an, aus diesem Grund steuern wir ein Hotel in dessen Nähe an.

 

In der bedeutendsten Pilgerstätte Irans lassen wir die letzten Wochen unserer Reise nochmals Revue passieren und erinnern uns nur zu gerne an das Erlebte:

Welcome to my Country! 

  • Iranian toilet vs. European toilet
  • Bier: in allen möglichen (fruchtigen) Geschmacksrichtungen, garantiert alkoholfrei 
  • So viele Einladungen! Würden wir immer annehmen, wären wir wohl heute noch in Tabriz 
  • Iranis liebste Beschäftigung: Picknick und Camping, immer und überall, ob das Zeltmodell staatlich festgelegt wurde? Wir sehen immer nur 1 Typ
  • Konfi aus Rüebli, Rosenwasser und Glacé mit Safrangeschmack
  • Wassermelonen gehören wohl zu den Grundnahrungsmitteln
  • Wir sitzen oft auf dem Boden, auf schönen, weichen Teppichen ist es so bequem wie auf dem Sofa (uns ungeübten schlafen jedoch meist die Füße ein...)
  • Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit
  • Persien - so viele kulturelle Schätze!
  • Teppiche mit dem Sujet: Das letzte Abendmahl

Auch wir lassen die einzigartige Atmosphäre im Heiligen Bezirk auf uns wirken. Christian spaziert wie selbstverständlich vorbei an der Eingangskontrolle und mischt sich als wohl Einziger Nicht-Muslim mitten unter die Betenden vor dem Grabmal des Iman Reza. Zu Tausenden begeben sich die Gläubigen zum Abendgebet, die Teppiche sind bereits ausgerollt. Was muss es für eine Bedeutung haben für diese Menschen,  an einem solchen Ort ihr Gebet zu halten. Beeindruckt von der Anziehungskraft des Iman Reza brechen wir am nächsten Tag auf, die letzten Kilometer auf iranischen Strassen zurückzulegen. Wir essen noch einmal Kebap mit zwei schwarz angebratenen Tomaten und Reis und ich lege T-Shirt und kurze Hose zuoberst in die Gepäcktasche. Nach der Grenzüberquerung sollen sie griffbereit sein! Kaum zu glauben dass ich bereits morgen das Kopftuch zuunterst in die Tasche stecken werde.

Lasst uns also das Abenteuer Turkmenistan beginnen. Wir haben 7 Tage, ja genau, S I E B E N Tage Zeit, um durch das Land zu fahren. Nur selten stellt die Botschaft eine Aufenthaltserlaubnis für mehr als 5 Tage aus und wir zwei waren hartnäckig genug, dass wir nun zu den Glücklichen gehören, welche 7 Tage in den Pass gestempelt bekamen!! Von Durchrasen soll gemäß unserem Informationsstand nicht die Rede sein, es wird ausnahmslos von ärgstem Gegenwind und anfangs miserablen Strassenverhältnissen berichtet. Wir werden sehen wie weit wir kommen werden, denn klar ist: auch in Turkmenistan gibt es Busse, die uns jederzeit aufladen können(t)en.

Let's beat the heat!

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Grenze

Landesgrenzen gilt es so einige zu überschreiten auf unserer Reise. Doch da sind noch andere Grenzen, die, nach denen wir immer wieder gefragt werden: "und, wo seid ihr an eure Grenzen GEKOMMEN?"

Nach unserer velofreien Zeit ist die Freude gross, endlich wieder bei unseren Velos in Now Shahr am Kaspischen Meer zu sein. Auch wenn wir erst wieder unseren Rhythmus finden müssen, die Beine schneller müde werden und sogar das Hinterteil wieder etwas schmerzt nach den ersten Tagen zurück im Sattel - Velofahren ist einfach schön!

Doch dann ändert die Stimmung... Bereits morgens um halb 6 sind wir nassgeschwitzt, die langen Hosen, das Kopftuch, alles klebt am Körper. Bei der Mittagspause am Meer erfrischt sich Christian bei einem Bad, ich halte immerhin die Füße ins Wasser. Am Abend fahren wir nochmals ein Stück und finden ein gutes Plätzchen für unser Zelt, geniessen den Sonnenuntergang direkt über dem Meer und hoffen auf etwas Abkühlung mit der Dunkelheit.  Leider ist dies kaum der Fall, wir steigen bei 30 Grad ins Zelt und auch am nächsten Morgen zeigt das Thermometer kaum ein Grad weniger an. Die nassgeschwitzten Kleider vom Vortag sind in der Nacht noch feuchter geworden und es ist kein Spass, diese wieder anzuziehen! Müde und wenig erholt fahren wir los, aber bereits nach 12 Kilometer ist Schluß. Das Hotel mit Klimaanlage und Dusche zu verlockend,  die Müdigkeit zu gross. So checken wir bereits frühmorgens ein und machen einfach gar nichts mehr an diesem Tag. Doch wie solls weitergehen? Morgen wird es nicht weniger heiss, und solange wir entlang dem Meer fahren wird auch die Luftfeuchtigkeit nicht abnehmen. Bin ich nun an "der Grenze" angelangt, die ich nicht überschreiten möchte? Soll ich In den Bus nach Mashhad steigen und mich dort in klimatisierten Räumen herumtreiben? Lasse ich Christian alleine in dem Nationalpark Wildschweine jagen, Wasserfälle suchen, im Wald zelten & Hirsche erspähen?


Das wäre dann sozusagen aufgeben, was eigentlich nicht so meine Art ist. Wobei, für 400 Kilometer in den Bus steigen, ist das denn soo schlimm? Engel & Bengel schwirren nur so über meinem Kopf und ich bin froh, mit Christian verschiedene Möglichkeiten durchdenken zu können. Wir entscheiden, dass wir gemeinsam weiterfahren und planen eine "light Tour" bis Mashhad. Das heisst täglich nur morgens fahren, mittags ins Hotel und warten bis die Hitze nachlässt.

Nicht die steilen Aufstiege, kräftezehrende Fahrten im Wind oder gefährlicher Stadtverkehr haben mich also an meine Grenzen gebracht. Es war die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und ja, auch die Kleidervorschriften dieses Landes, die mich nach 5 Monaten fast zum Aufgeben brachten - aber nur fast!

In den freien Nachmittagen und Abenden haben wir uns umso mehr ob der großartigen Gastfreundschaft der Iranis erfreut. Wir waren in der besten Eisdiele in Sari und assen uns durchs Sortiment! Es gab Rosensofteis im Rüeblisaft, Melonensaft und Melonen-Pistache-Rosensofteis. Wir gaben unsere Postkarten auf der Post ab und halfen den Pöstlern beim Aufkleben der Briefmarken (wohl zum ersten Mal kamen Touristen mit Ansichtskarten bei Ihnen vorbei). Sogar zum Abendgebet in der Moschee wurden wir geleitet. Zum 1. August leisteten wir uns ein schönes Hotel um den Tag mit einem Buure-Brunch zu feiern, denn dank meinem Onkel hatten wir Bündnerfleisch, Schoggi & Appenzeller Biberli im Gepäck, und die Bauern der Region offerierten frische Früchte und Gemüse. In Gonebad-e Kavus baten wir einen Taxifahrer um eine Touristentour, obwohl dieser keine Sehenswürdigkeiten kannte (die Tour war ein Erfolg!). 

Nachdem wir das Kaspische Meer hinter uns gelassen haben ist es zwar immer noch sehr heiss, doch die Luft ist trocken und somit für uns wieder viel erträglicher zum Fahren. Nachdem wir uns in Gonebad-e Kavus mit Konserven & viel Wasser eingedeckt haben geht es endlich Richtung Golestan Nationalpark weiter. Es dauert nur wenige Stunden und wir sind mitten im Wald, umgeben von Wildschweinen und Iranis beim Picknick. So viele schöne Stellen zum Pause machen und Zelten gibt es zu finden! So gar nicht schön finden wir jedoch die Tatsache, dass überall Unmengen an Abfall achtlos liegengelassen werden. Abfalleimer werden konsequent ignoriert, um die Folgen für die vielen Tiere im Wald scheint sich keiner zu kümmern. Hier gilt es also für einmal einen Minuspunkt für das Land Iran zu vergeben!


Doch zurück zur Landschaft; wo die Überquerung des Alborz Gebirges im Westen noch ein richtiger Kraftakt war scheinen die Höhenmeter hier im Osten nur so an uns vorbeizuziehen. Ob es das wirklich schon war? Wir genießen die frische Luft in über 1000 m ü.M und schlagen unser Zelt zwischen Wildschweinen oder in Obstanlagen auf. Bevor wir in Bojnurd wiedermal unter die Dusche können gilt es dann doch nochmal einige Höhenmeter zu überwinden. Komisch, vor einigen Tagen sprach ich von "Krise" oder "ich nehme den Bus!" und jetzt? Ich Strample in der Mittagshitze den Berg hinauf und finde es einfach super, auf dem Velo zu sein! Motivation & Freude sind definitiv zurückgekehrt!

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Velofrei 

Unterwegs mit Zug, Bus, Taxi, Metro oder zu Fuss

Zu erzählen, was sich alles hinter den Namen Shiraz, Persepolis oder Isfahan versteckt würde sehr lange dauern - und bestimmt würden wir auch dann dem Glanz und der Schönheit dieser Schätze Persiens nicht gerecht werden. Anstelle eines langen Berichtes möchten wir an dieser Stelle folgende Dokumentation empfehlen:

Unter anderem mit diesem Film haben wir uns Vorfreude auf Iran geholt, und können nun definitiv jedem eine Reise nach Iran empfehlen: der Historiker und die Naturfreundin kommen genauso auf ihre Kosten wie der Kunstbegeisterte. Freunde von verschiedenen Handwerkskünsten und auch jene, welche gerne stundenlang auf Shoppingtour gehen möchten. Die Liste der sehenswerten Orten scheint schier unendlich, und genau aus diesem Grund entscheiden wir uns für einmal auf motorisierte Fortbewegungsmittel umzusteigen. So kommen wir deutlich schneller von A nach B und haben etwas länger Zeit, um an den schönen Orten zu verweilen.

Velofrei unterwegs sind wir aktuell folgendermaßen:

  • Kaspisches Meer - Tehran 
  • Tehran - Shiraz
  • Shiraz - Isfahan
  • Isfahan - Kashan
  • Kashan - Abyaneh
  • Kashan - Tehran

Zurück in Tehran freuen wir uns auf ein Treffen mit Besuch aus der Schweiz bevor es dann wieder ans Kaspische Meer zu unseren Velos geht.

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Big City Life: Tehran

Wird es klappen mit dem Visum für China? Soo vieles (Negatives) haben wir bereits gelesen und gehört... Die Dauer unseres Aufenthaltes in Tehran hängt vor allem davon ab, wie erfolgreich wir bei der Beschaffung unserer Visa sein werden. Inklusive einem Staatsfeiertag und dem Wochenende sind wir mit 7 Übernachtungen ganz zufrieden.

Die Dauer unseres Aufenthaltes in der Millionenmetropole hängt vor allem davon ab, wie lange wir auf die ersehnten Visa für die Weiterreise warten müssen. Anders als in Istanbul, wo wir quer durch die Stadt fahren mussten, liegen in Tehran die von uns benötigten Botschaften alle im selben Stadtteil.

Schweizer Effizienz - etwas anderes hätten wir auch gar nicht erwartet

Auf der schweizer Botschaft werden wir in schönem Schweizerdeutsch empfangen, sogar den Hijab nehme ich für einmal vom Kopf. Wir schmökern im Heftli für Auslandschweizer und überlegen noch, ob wir das diesjährige 1. August Abzeichen kaufen sollen und werden bereits wieder an den Schalter gebeten. Unser LNO (Letter Of No Objections - ein Empfehlungsschreiben welches wir für die Visumbeantragung benötigen) ist in kaum erwähnenswerter Wartezeit geschrieben und gestempelt. Dann geht's zügig weiter zum Copy Shop und ab auf die usbekische Botschaft. Denn die Zeit ist knapp, bei Öffnungszeiten zwischen 09.00 Uhr und 11.00 Uhr liegen keine Umwege der Taxifahrer oder Wartezeiten drin. 

"Come back on Tuesday, the Embassy is closing now for two days" 

Doch leider läuft es bei den Usbeken nicht ganz so speditiv. Geöffnet wird nicht pünktlich und wir werden gebeten uns erst einmal auf der Warteliste einzutragen, als Nr. 12 gesellen wir uns zu den Wartenden. Als wir dann die Agenten entdecken, welche vor uns dran sind stellen wir uns schon einmal darauf ein, es heute wohl nicht auch noch zu den Chinesen zu schaffen. Diese haben nämlich ihre Taschen mit Reisepässen gefüllt und die Nr. 12 wir zur gefühlten 112.

Unter den anderen Reisenden befinden sich weitere Tourenradler, sie kommen aus Frankreich, Belgien und haben so einige Tipps auf Lager. Kurz vor 11.00 Uhr erhalten wir Einlass und stellen leider fest, dass wir nicht alle benötigten Formulare bei uns haben. Wir haben doch alles doppelt ausgefüllt und bereits in Istanbul eingereicht!! Doch Widerstand ist zwecklos und eine Diskussion wird mit den Worten: "Come back on Tuesday, the Embassy is closing now for two days" beendet. Zum Glück liegt die chinesische Botschaft nur wenige Strassen entfernt und so schaffen wir es doch noch, unseren Antrag einzureichen. Dank des bevorstehenden Wochenendes sind wir nun mindestens vier Tage ohne Reisepass, da dieser zu Bearbeitung eingezogen wurde. 

So lassen wir uns zurück im Hotel von Mr. Lonely Planet beraten und planen die freie Zeit in der riesigen Stadt. Wir spazieren die nächsten Tage durch Pärke und Palastanlagen und vergessen den Ärger der Behörden.


Zum zweiten Mal im Botschaftsviertel wissen wir es besser und schreiben uns auf der Warteliste ein noch bevor die Usbeken ihre Tore öffnen. Etwas nervös drängeln wir uns dann vor den Agenten an den Schalter der Chinesen und hoffen, dass unsere Pässe mit einem hübschen Stempel auf uns warten... Haben wir doch während unserer Recherchen im Vorfeld über so viel Willkür und ständig wechselnde Bestimmungen gelesen. Möglich wäre, dass wir nach dem Ausstellungsdatum innerhalb von 30 Tagen in China einreisen müssten. So ist dies beispielsweise bei unserem Bekannten, welchen wir vor der usbekischen Botschaft angetroffen haben, der Fall. Das wäre für uns per Velo nicht möglich, doch um Plan B können wir uns später kümmern, wir hoffen noch immer dass wir mehr Glück haben... Es stellt sich heraus,  dass alle Bedenken umsonst waren und die Erleichterung ist gross. Wir dürfen bis spätestens in drei Monaten in China einreisen und mindestens 30 Tage im Land bleiben. Gerne hätten wir 60 bekommen, doch um eine Verlängerung können wir uns auch in China noch kümmern.

Auch den Usbeken scheint das Wochenende gut bekommen zu sein, wir werden freundlich empfangen und haben bereits kurze Zeit später ein weiteres Visum im Pass. Das läuft ja wie am Schnürchen heute! Im Copy Shop kennt man uns noch und schnell haben wir die gewünschten Kopien in der Tasche. Auf der Botschaft von Turkmenistan müssen wir nämlich vorweisen, dass die Weiterreise bewilligt ist und sie uns nach 5 Tagen ins Nachbarland "weitergeben" können. Schnell ins Taxi springen und loooos!!!! Ab zu den Turkmenen, viel Zeit bleibt nicht mehr... Mist, wir haben nur einen Kugelschreiber dabei und soo viele Zeilen sind auszufüllen. Als wir alle Angaben hingekritzelt haben ist dann promt die Klappe geschlossen! Auch nach energischem Anklopfen eines weiteren Antragstellers wird sie nicht mehr geöffnet! Wars das jetzt?! Müssen wir ein ander Mal wieder kommen? Einmal mehr haben wir Glück und der freundliche Mitarbeiter zeigt sich nochmals durch die kleine Öffnung, prüft unsere Dokumente und entlässt uns mit dem Versprechen, dass unsere Visa in 10 Tagen in Maschad bereitstehen würden.

 

An dieser Stelle möchten wir eine Homepage erwähnen, welche uns bei all den Vorbereitungen für die Beschaffung diverser Visa eine grosse Hilfe war. Dank dieser topaktuellen Seite haben wir viel Zeit gespart, (fast) immer alle benötigten Dokumente zusammenstellen können, dank wertvollen Tipps Geld gespart und, fast das Wichtigste, dank detaillierter Wegbeschreibungen alle Botschaften in noch so verwinkelten Gassen gefunden! 

                    www.caravanistan.com

Erleichtert und sehr glücklich über den erfolgreichen Verlauf des vergangenen Morgens sitzen wir am Nachmittag im Zug Richtung Süden. Mit Cola feiern wir und freuen uns auf die zwei Wochen Ferien. Mit Shiraz, Isfahan & Kashan stehen uns weitere Höhepunkte des Landes bevor. Auf keinen Fall möchten wir diese verpassen, wo wir schon einmal da sind. Doch mit dem Velo wäre die Distanz zu weit, sind wir doch bereits seit knapp 30 Tagen in Iran. Also steht in Isfahan noch die Verlängerung unserer Visa auf dem Programm. Wir fühlen uns haargenau wie Asterix und Obelix auf der Suche nach dem Passierschein A 38 als wir vom Büro 12 zum Büro 19, auf die Bank und dann zum grünen Unterstand geschickt werden, von dort zum Schalter unter dem grünen Unterstand, zurück in die

Warteschlange (inmitten afghanischer Flüchtlinge) wieder ins Büro 12... Genauer ins Detail gehen wir an dieser Stelle nicht. Nur noch so viel: Ja, nach 3h haben wir das Visum für weitere 30 Tage im Reisepass.

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West Azerbeijan bis Caspian Sea

Zu Gast in Marand

Wir fahren nach einer ausgedehnten Mittagspause weiter mit dem Ziel, unser Nachtlager unterwegs auf der Strecke nach Tabriz aufzuschlagen. In den Abendstunden sind auch so einige Familien auf dem Nachhauseweg. Die geernteten Früchte des Tages werden zuhauf in meine Velotasche gefüllt, und auch wenn dort kaum mehr Platz ist wird munter eingepackt. Eine grosse Hilfe beim kommenden Anstieg ist dies nicht gerade, doch wir freuen uns auf die süssen Früchte zum Znacht. Einladungen zur Übernachtung lehnen wir ab, schließlich sind wir erst wenige Km gefahren.

Doch eine Familie bleibt so hartnäckig dass wir, endlich oben angekommen, ihr Winken nicht länger ignorieren können. Ach, eine Picknick - Pause mit ihnen im Park, wieso auch nicht. Vielleicht können wir dann dort auch unser Zelt aufstellen, beraten wir uns. Nein, nein, sie seien nicht zum Essen hier, sie hätten nur auf uns gewartet. Ihr Haus sei doch so nahe und so gerne hätten sie uns als ihre Gäste. Eine Dusche und ein Znacht tönen zu verlockend, und wir gehen mit Ihnen mit. Aus den fünf Km wurden 12, und ja, den ganzen Berg wieder retour hinunter. Doch die Zeit mit der Familie war es definitiv wert! Wir wurden so herzlich aufgenommen, es gab ein Tee-Kränzlein mit den Nachbarinnen, traditionelles Essen, eine warme Dusche und so viel Freundlichkeit! Danke Fatheme und Familie.

Tabriz 

Der Smog, welcher über der Stadt hängt sehen wir von Weitem. Und immer wieder werden wir von Lastwagen überholt, welche einen immensen Beitrag zur Luftverschmutzung leisten. Ich bin geradezu froh über mein Kopftuch, welches ich als Schutz vor mein Gesicht halte. Da wir am Morgen nicht ganz so früh aufgebrochen sind haben wir nun das Geschenk: mitten in der Hitze fahren wie in die drittgrösste Stadt des Landes und müssen zudem noch ein Hotel finden. Noch dazu sind alle Beschriftungen in Farsi... Am nächsten Tag erkunden wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt und staunen am Eingangsportal der blauen Moschee, ein Bauwerk, welches im 15. Jahrhundert weltberühmt war. Nach unzähligen Erdbeben ist nur noch wenig vom Original erhalten, doch die Restauration veranschaulicht schön, wie wunderbar blau die Moschee gestrahlt haben muss.

Im Stadtpark El-Gohli spazieren wir entlang des künstlichen Sees und beobachten die Menschen beim Nationalsport Volleyball, beim Picknicken und sogar beim Pedalo fahren. Wir jedoch haben genug gepedalt und lassen uns im Restaurant eine grosse Portion Fleisch schmecken!

Caspian Sea - Bandar Anzali 

Wir verbringen die heissen Stunden des Tages im klimatisierten Hotelzimmer und machen es wie alle anderen, erst nach Sonnenuntergang verlassen wir das Haus und schlendern mit Mahyar, unserem persönlichen Reisebegleiter, durch den Park entlang der Lagune. Zum Tee werden frische Früchte und das für den Monat Ramadan typisch süsse Gebäck gereicht. Beim Rauchen der Waserpfeife werden die Gespräche flüssiger und es wird offen diskutiert. Der Wunsch nach grenzeloser Freiheit ist riesig, und wir zwei schweizer Touristen scheinen all dies zu verkörpern. Mit unserer Reise haben wir die Möglichkeit, unsere Träume zu verwirklichen und sehen unterwegs das Leben in fremden Ländern. Wir hören, wie die Menschen hier sich das Leben in Europa vorstellen und stellen dabei auch so einige Klischees klar. Das Leben ist anders, ganz klar. Wertende Aussagen treffen wir jedoch an dieser Stelle keine.

Am nächsten Morgen besuchen wir den grossen Bazar der Hafenstadt. Wir decken uns mit frischen Früchten und Gemüse ein und ziehen uns wieder zurück in unser kühles Zimmer. Am Abend unternehmen wir gemeinsam mit Mahyar eine Bootstour durch die Lagune, welche die grösste Süsswasserlagune der Welt ist. Sie Ist Lebensraum für eine Vielzahl an Vogelarten. Diese werden leider nicht genauer erkundet und beobachtet, der Kapitän ist schließlich Speedbootlenker und kein Ornithologe.

Am nächsten Morgen nehmen wir Abschied von der spannenden Hafenstadt und fahren weiter entlang der Küste. Angekommen in Nowshahr deponieren wir Velos & Gepäck und fahren im Bus bis Teheran. Für die nächsten zwei bis drei Wochen reisen wir mit den öffentlichen Verkehrsmittel (aufgrund der Hitze und der grossen Distanz) weiter in den Süden. Zuerst steht uns in der Millionenmetropole jedoch Bürokratie und Administration auf diversen Botschaften bevor...

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Am Tiefpunkt

Da sind wir nun angelangt, am Tiefpunkt unserer Reise. Der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres liegt auf -29 M ü.M... entlang diesem genießen wir die frische Luft und erholen uns von den anstrengenden Bergetappen. Wir fühlen uns sehr wohl, am Tiefpunkt unserer Reise. 

Bereits mit dem Überqueren der Landesgrenze scheint uns, als ob die Temperatur so einige Grade nach oben gehüpft ist. So passen wir unseren Tagesrhythmus der Hitze an und sitzen bereits kurz nach Sonnenaufgang auf unseren Velos. Viel länger als bis 11.00h halten wir es nicht aus, zumal wir bergauf und im Gegenwind unterwegs sind. Wir suchen uns ein geeignetes Plätzchen am Schatten für ein Picknick, ein ausgedehntes Schläfchen und viel Zeit zum Lesen. In jeder Stadt finden wir einen Park mit Trinkwasser und Schatten spendenden Bäumen. Zur "Not" richten wir uns in Obstanlagen oder in Bachdurchlässen unter der Strasse ein, dort werden wir auch nicht so schnell aufgespürt...

Denn wo die Gastfreundschaft bereits in der Türkei beispiellos war, wird sie nun ums Mehrfache überboten. Wir erfreuen uns an frischem Brot, Aprikosen, Äpfeln, Chriesi, Pflaumen und erfrischenden Getränken. Häufig halten Autos vor uns an und wir werden beschenkt, nach Hause eingeladen, fotografiert und ausgefragt. Mangels Farsi-Kenntissen auf unserer Seite und Englisch-Kenntnissen auf der anderen Seite bleibts meist bei: "Hello, Welcome to my City, where are you from??" Wo das Englisch besser beherrscht wird entstehen auch sehr spannende Diskussionen über das Leben hier & da. Wir erhalten Tipps für Aktivitäten, kommen in den Genuss von traditionellem Essen und werden durch die Stadt geführt. Denn Touristen sind sehr beliebt, können doch von ihnen alle Informationen aus erster Hand erfahren werden. Unmöglich also, jeder Einladung nachzukommen und gerne kriechen wir abends, nach weiteren 2-3h Velofahren in den Abendstunden in unser Zelt. Genau, richtig gelesen! Nach fast vier Monaten unterwegs geniessen wir das Zelten im Wäldchen, im Park oder direkt am Meer.


Doch wie das so ist mit dem Erreichen des Meeres, der flachen Strassen entlang der Küste, meist ist zuvor ein Gebirge zu erklimmen. Und im Falle des Alborz Gebirgszuges verlangt uns diese Strecke so einiges ab. Knapp 1000 Hm sollen auf nicht einmal 20 Km überwunden werden. Die Strasse ist teilweise so steil, dass wir die Räder kurzzeitig schieben, auf der Schotterpiste kommen wir fahrend nicht mehr voran. Hinzu kommen die Temperaturen um 30 Grad - welch gutes Gefühl, oben angekommen ein Lüftchen zu verspüren! Dieses Lüftchen wandelt sich im Laufe des Tages leider zu grausamem Gegenwind, und nochmals stehen Höhenmeter an... Doch jeden, den wir heute auf dem Konto verbuchen können fällt

morgen weg! Auch der zweite Tag wird nicht minder intensiv - eine Dusche und ein klimatisiertes Zimmer stehen bald schon ganz oben auf unsere Wunschliste! Die Abfahrt von 2300 m.ü.M. sparen wir uns für den nächsten Tag und übernachten doch noch einmal im Zelt - bei Vollmond und grandioser Aussicht!

Was für eine Fahrt! Was für Gegensätze sich ennet' des Gebirges auftun! Grün, soweit das Auge reicht, Wälder, Bäche und frischen Luft erwartet uns. Das Kaspischen Meer und in Bandar Anzali ein kleines aber feines Hotel mit Dusche, Klimaanlage und leckerem Essen! Welche Freude über all den Luxus! Alle Mühen sind vergessen etwas Stolz macht sich breit. Müde von Kopf bis Fuß fallen wir in einen tiefen Schlaf und träumen vom morgigen Ruhetag.

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Im Osten der Türkei 

Ein Ort, der sich unter Wert verkauft, viele Geschenke in Erzurum und ein Berg der höher ist als alle, die wir zuvor gesehen haben.

Auf der Strecke nach Erzurum gibt es viel Natur, aber nicht mehr so viel Kultur zu sehen. So legen wir die Strecke ziemlich direkt in Richtung Ostanatolien. Bei genauem Hinsehen entdecken wir dann doch noch einen Ort, welcher auf der Karte mittels eines Sterns als "Sehenswert" gekennzeichnet ist - Divríği. Als wir das Höheprofil sehen, überlegen wir doch nochmal kurz, sollen wir wirklich?!

Ja! Allein schon die Abfahrt in das Dorf, tief im Tal lässt die Anstrengung vergessen. Und die sehr gut erhalte Moschee mit den imposanten Eingängen zeugt von dem immensen Reichtum des Bauherrn vor über 800 Jahren. Auch das angebaute "Mental Hospital" aus dieser Zeit lässt uns staunen. Und diese Moschee ist nicht das Einzige, das Divriği zu bieten hat. Auch wenn der Eingang etwas versteckt liegt finden wir den Weg hinauf zur alten Burg. Von dort oben geniessen wir den Ausblick auf die prächtige Moschee und das umliegende Tal. Im Dörfchen trinken wir Çay um Çay und geniessen die entspannte Atmosphäre inmitten der so freundlichen Bewohner. Divríği - definitiv sehenswert! Und der Weg hinein und hinaus ist zwar nichts für schwache Wädli, aber ebenfalls sehenswert.

Mit dem Wetter können wir uns noch immer glücklich schätzen. Am Morgen sind es meist angenehme 25 Grad und nachmittags schieben sich Gewitterwolken vor die strahlende Sonne. Bevor sich diese entladen sind wir meist schon im Trockenen. Und auch wenn das Thermometer über 30 Grad ansteigt, dank Fahrtwind weht immer ein Lüftchen um uns. Einzig bei steilen Anstiegen tropft der Schweiss aus allen Poren... In atmungaktiver Sportbekleidung alles kein Problem, doch von dieser müssen wir uns schon bald verabschieden.

Aus diesem Grund gibt es in Erzurum so allerlei nützliche Geschenke zu meinem Geburtstag: ein Schal (naja, Kopftuch triffts wohl eher) eine lange Bluse (nein, nicht körperbetont) und sogar Kopfhörer. Denn nach 100 Tagen habe ich zum ersten Mal Musik gehört während dem Fahren, und mit dem Beat der vertrauten Lieder im Ohr war die Passfahrt glatt ein Kinderspiel (naja,  fast zumindest). Doch das wohl beste Geschenk wurde mir in den Reisepass gestempelt: Das Visum für Iran!!!


Ramadan - der Fastenmonat der Muslime beginnt am 18. Juni 2015

Je östlicher wir reisen, umso mehr Muslime verzichten während 29 Tagen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Natürlich sind wir Christen von dieser Fastenzeit ausgeschlossen, trotzdem passen wir unseren Tagesrhythmus etwas an. Viele Geschäfte haben tagsüber geschlossen, und wenn uns die Eistruhen uns unterwegs anlächeln widerstehen wir trotzdem. Wir können nicht mit Genuss ein Glacé schlecken, während dem fastenden Muslime in der Hitze des Tages aufgrund der trockenen Kehle nicht einmal mehr das Wasser im Mund zusammenläuft... 

Wir warten also auch mit dem Znacht, bis der Muezzin die durstigen und hungernden erlöst. Wir nehmen die Anspannung um uns herum wahr und danach die grosse Erlösung, wir beobachten, wie das breitstehende Wasser reingekippt und das Essen herunergeschlungen wird. Und nach gefühlten 10 Minuten ist das Lokanta wieder leer, zurück bleiben leergeputzte Teller. Die Strassen, welche tagsüber verlassen wirken werden nach Sonnenuntergang wieder zu neuem Leben erweckt, und auch der Çay wird wieder an jeder Ecke ausgeschenkt. Und noch ein Ritual erleben wir in voller Lautstärke mit! In Erzurum werden wir mitten in der Nacht wach und fühlen uns wie in Basel während dem Morgenstreich. Musikanten ziehen mit Trommeln und Pfeifen durch die Gassen um die Fastenden zu wecken: kurz vor Sonnenaufgang gibt es nochmals eine Gelegenheit zum Essen - und die verschläft dank diesem Weckruf bestimmt keiner! 


Auf diesem Pass entdecken wir den grossen Ararat zum ersten Mal, auch wenn er sich zwischen Wolken & Dunst zu verstecken versucht. Am Fusse des Berges, mit 5137 m.ü.M. der höchste der Türkei,  verbringen wir unsere letzten Tage in diesem schönen Land. Bereits von weitem sehen wir diesen Vulkan, auch wenn er sich im Dunst versteckt. Majestätisch ragt er in die Höhe und sein Anblick stellt manch anderen Berg in den Schatten.

Bis hier hin gab es für uns (fast) immer und überall die Möglichkeit, via Skype, E-Mail oder weiteren sozialen Netzwerken mit Familie & Freunden in Kontakt zu bleiben. Wie es weiter geht ist noch ungewiss, möglicherweise funktionieren die uns bekannten Websites nicht mehr und auch der Zugriff auf unseren Blog wird eventuell gesperrt.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf ein neues uns so unbekanntes Land und melden uns, sobald möglich wieder!

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100 Tage unterwegs 

                              5'004 gefahrene Km 

64 Etappen im Sattel... 

...Genau, das ergibt 36 Tage velofrei. Diese haben wir unter anderem mit Kultur, Wanderungen & Erholung verbracht.  


340 Stunden Fahrzeit 

9 Ländern durchradelt


1 platten Reifen GEFLICKT...

...und einige Male mehr die Ketten geputzt & gewachst und lockere Schrauben angezogen 


51'000 Höhenmeter bewältigt...

...und mit atemberaubenden Aussichten und rasanten Abfahrten belohnt worden!


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Ferien in Kappadokien 

Wir bestaunen die Formationen dieses Naturphänomens von hoch oben, von weit unten und sind immer wieder mitten drin! 

In Kappadokien stellen wir unsere Räder unter Dach und erkundigen die Umgebung größtenteils zu Fuss. Schon verrückt, normalerweise fahren wir den ganzen Tag Velo,  und legen daher relativ wenig Km gehend zurück - hier wandern wir den ganzen Tag und haben am nächsten Morgen tatsächlich Muskelkater! Am Anfang unserer Reise haben wir in größeren Städten jeweils noch nach Laufveranstaltungen Ausschau gehalten, nun wissen wir dass ein Lauf unsere Muskeln stark quälen würde. Und je weiter östlich wir reisen, umso ungewöhnlicher sind uns bekannte Volksläufe, da belassen wir es gerne beim Wandern und Velofahren. 


In Kappadokien wählen wir als Transportmittel auch mal einen Kleinbus oder sogar einen Heissluftballon! Für uns beide ist es die erste Fahrt und wir stellen den Wecker gerne auf 04.00 Uhr,  denn an diesem Morgen dürfen wir den Sonnenaufgang hoch über den Tälern von Kappadokien miterleben. Bei bester Wetterlage sind wir glücklich über dieses wunderbare Erlebnis! 

Wir sehen von oben die verschiedenen Valleys: Love Valley, Rose Valley, Pigeon Valley und wie sie alle heissen.

In den folgenden Tagen nehmen wir den Muskelkater gerne in Kauf um diese aus nächster Nähe zu bestaunen. Unsere Wanderungen führen uns auf verschlungenen und nicht klar signalisierten Wegen mitten durch diese einzigartige Kulisse. Da die Veranstalter lieber geführte Reitausflüge und Touren mit Roller oder ATV verkaufen ist eine brauchbare und zuverlässige Wanderkarte nämlich nicht aufzutreiben... Eine Tour buchen wir dann doch auch noch, diese bringt uns unter anderem in eine von über 30 unterirdischen Städte. Bis zu 50 Meter steigen wir in die Tiefe um dort in einem Labyrinth von Gängen und Höhlen zu landen. Gerne folgen wir unserem Guide um uns nicht zu verirren!

So genießen wir unsere Ferientage in vollen Zügen und gönnen uns auch ein schönes Hotel. In den Restaurants essen wir lokale Spezialitäten wie beispielsweise ein Gericht, das im Tontopf serviert wird, welcher dann am Tisch zerschlagen wird. Zum Essen trinken wir auch wieder einmal Wein, dieser ist sonst im muslimischen Land meist schwierig aufzutreiben doch im touristischen Kappadokien auf jeder Getränkekarte zu finden. Denn im östlichen Nachbarland ist der Alkohol dann definitiv tabu - in den nächsten zwei Wochen geht es aus Sicherheitsgründen auch unseren Appenzeller an den Kragen! 

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Ersatzteilsuche in Kayseri 

Wir waren in allen Velogeschäften in Kayseri und haben das beste bestimmt. Dort wird nicht nur bei der Beschaffung von Ersatzteilen ganzer Einsatz geleistet, sondern auch Kost & Logis angeboten.

Da wir wie beschrieben gemerkt haben, dass wir (Kathrin) einen höheren Verschleiß der Bremsbeläge haben, machen wir uns in Kayseri auf die Suche nach Ersatzteilen. Eines der größeren Fachgeschäfte der Türkei soll uns dabei behilflich sein. Denn je weiter östlich wir fahren desto schwieriger stellen wir es uns vor, die von uns gewünschten Teile aufzutreiben.  

08.30 Uhr:

Eine gängige Zeit, um ein Fachgeschäft zu öffnen, bei unserer Ankunft stehen wir jedoch vor verschlossenen Türen.

 

09.30 Uhr:

Geduld ist nicht unsere Stärke, aber was ist schon eine Stunde Wartezeit? Müssten wir irgendwo in Kirgistan auf ein Päckli warten, würde dies wohl mehrere Wochen dauern.

 14.00 Uhr: 

Velofahren werden wir heute nicht mehr, lieber verstauen wir unser Gepäck im Bikeshop und radeln zu Kadir nach Hause. Er versüßt uns die Wartezeit mit Çay und Gebäck. 


15.30 Uhr: 

Wenn wir schon mal in einer Stadt sind, machen wir uns doch noch zu weiteren Besorgungen auf. Auch Sightseeing in Kayseri inklusive Stadtmauer, Bazar und Luxus Kebab passt prima ins Programm.


20.00 Uhr:

Zurück bei Kadir, unserem wunderbaren Gastgeber verbringen wir einen gemütlichen Abend. Er kocht für uns und wir reden über Gott & die Welt. Bei einem muslimischen Kurden und zwei christlichen Schweizer entstehen spannende Gespräche. Dankbar für den schönen Abend legen wir uns schlafen. 

10.30 Uhr:

Da! Es kommt ein sportlich aussehender Türke angeflitzt auf seinem Bike - "Hoşgeldiniz, Come in!" Naja, nur blöd dass er den Schlüssel vergessen hat. Also dann, warten und Çay trinken. 


11.00 Uhr:

So, wir treten ein! Hübsches Geschäft, und schnell entdecken Christian's geschulte Augen die passenden Shimano Bremsbeläge - doch leider ist nur noch ein Satz übrig, ein Lager ist nicht vorhanden. Der nächste (englischsprechende) Mitarbeiter kommt zur Hilfe und sie inspizieren alle Velos im Geschäft ganz genau, sind evtl. die gewünschten Beläge an einem neuen Velo montiert? So bauen sie voller Elan mehrere Bremsbeläge aus - leider ohne fündig zu werden.   


12.30 Uhr:

Kadir schnappt sich ein Velo und zusammen mit Christian werden alle anderen Geschäfte in Kayseri abgeklappert. Doch leider bleit auch diese Suche erfolglos und wir entscheiden uns, die gewünschte Ware aus Ankara zu bestellen. Wenn schon denn schon - zwei Ersatzpneus legen wir auch noch in den Warenkorb, so lohnt sich die Bestellung so richtig.


Tag 2

09.30 Uhr: 

Und wieder sitzen wir beim gemeinsamen Essen, Kadir bereitet uns ein kurdisches Frühstück zu und erkundigt sich, wo unsere Ware sich befindet. Und dann geht's ganz schnell, ab in den Laden und unsere Velos beladen. Doch dort angekommen stehen wir - wieder - ohne Schlüssel vor verschlossenen Türen!

12.00 Uhr: 

Etwas mehr als 24 Stunden nach unserer Ankunft im Bikeshop sind wir glücklich und abfahrbereit. Unsere Ausrüstung ist um genügend Bremsbeläge und zwei Schwalbe Marathon Pneus reicher, danke für den grossen Einsatz und auch die Gastfreundschaft von Kadir! Ohne ihn wäre es definitiv nicht so schnell gegangen.

Jetzt wären für heute nur noch 120 Km mit so einigen Höhenmetern unter die Räder zu nehmen...

 

 

 


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Schwarzmeerküste: Auf und Ab

Nur wenige Fahrstunden von der stadt entfernt finden wir uns inmitten von Haselnussplantagen wieder. Kleine Siedlungen verschwinden fast im Grün der üppigen Landschaft und geben uns mit den alten Fachwerkhäusern bereits einen Vorgeschmack auf Safranbolu. 


Wer denkt, dass wir es uns einfach machen wollten und eine flache Route entlang der Küste gewählt haben, der irrt sich! Bereits unsere Recherchen haben ergeben, dass wir auf dieser Strecke mit einigen Steigungen rechnen müssen. "Ach was! Nach der langen Pause sind wir Top erholt und schaffen das bestimmt!"...Wir wissen jetzt, was mit "extrem steile Steigungen" gemeint ist (16%) oder auch wie sich "lange steile Steigungen" anfühlen.

Doch es ist ja genau das, was wir auf dieser Reise erfahren möchten: anspruchsvolle Etappen durch schöne Landschaften, welche uns auch physisch herausfordern. Das Risiko von weiss markierten Wegen auf der Landkarte eingehen und das Velo auch mal einen steilen Kiesweg hochschieben zu müssen... Oder auf Landstraßen vom Bauern angehalten zu werden, um 2 Km weiter von ihm und seiner Familie mit so viel türkischer Gastfreundschaft empfangen zu werden.

Wir sind jedoch sehr glücklich mit unserer Wahl und haben mit dem Schwarzen Meer ein weiteres Weltmeer gesehen und zumindest die Füße im noch kalten Wasser gebadet.

Die sehr üppige, grüne Landschaft wird landwirtschaftlich für den Anbau von Tee und Haselnüssen genutzt. Achtet beim nächsten Verzehr der gesunden und schmackhaften Nüssen auf die Herkunft, vielleicht wurden sie an der Schwarzmeerküste geerntet?

Die kleinen Siedlungen unterwegs bestehen größtenteils noch aus sehr alten Fachwerkhäuser. In Safranbolu erfahren wir mehr zu der Geschichte und dem Leben in diesen Häusern vor mehr als 200 Jahren. In dieser Stadt sind nämlich noch besonders viele solcher Häuser gut erhalten, wodurch sie im Jahr 1994 zum UNESCO Weltkulturerbe gekürt wurde.

Nur etwa 300 Km süd-östlich kommen wir bereits zum nächsten Punkt, welcher als "Sehenswert" auf unserer Karte markiert ist. Hattuşa - die hethitische Stadt der Götter und Tempel ist heute zwar nur noch in ihren Grundmauern erhalten, doch noch immer werden neue Funde durch das Deutsche Archäologische Institut freigelegt. Diese werden hauptsächlich im Museum von Ankara ausgestellt, in Hattuşa selbst sind meist nur Repliken zu sehen. Dennoch ist es spannend, entlang der Ruinen zu laufen, zumal wir auch diesen Ort kaum mit anderen Touristen teilen müssen. 

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Big City Life

Wir finden Ruhe und Erholung, in einer Stadt wo man sich in Menschenmassen verlieren kann. mit Quöllfrisch und Jasskarten fühlen wir uns wie zu HAUSE. 

Die gemeinsame Zeit mit Mami und Reto haben wir sehr genossen. Das Schlendern durch den Bazar, die Fahrt auf dem Bosporus und natürlich das Jassen im Rosengarten hat uns sehr gefreut.  Danke, dass ihr durch euren Besuch einen Teil unserer Reise geworden seid!

In Istanbul haben wir uns auch viel Zeit genommen, unsere Weiterfahrt zu planen. So gehörte zum Beispiel der Besuch bei dem Konsulat von Usbekistan (ganz im Norden der Stadt) zum Programm. Das Visum können wir dann hoffentlich in Erzurum entgegennehmen. Das Visum für Tajikistan wurde uns direkt vor Ort auf dem Konsulat (ganz im Westen der Stadt) in den Pass gestempelt. Für das iranische Visum haben wir immerhin bereits die Passfotos gemacht und eine Referenznummer bestellt. Wie ihr also erkennen könnt hat jedes Land seine eigenen Bestimmungen, welche auch ständig angepasst werden. Das Internet und der Kontakt mit anderen Reisenden sind uns bei der Informationsbeschaffung eine große Hilfe.


Danke Turgut für deine Gastfreundschaft! In deiner Wohnung konnten wir unsere Strassenkarten ausbreiten, Wäsche waschen, Fotos sortieren und - wie beschrieben - so einige Informationen zusammenstellen. Nach etwas mehr als einer Woche war es jedoch an der Zeit, weiterzureisen. Das Velofahren habe ich schon etwas vermisst, und es wäre ja schade, wenn die Beine wieder an Umfang bzw. Muskulatur verlieren würden! Die Schwarzmeerküste soll uns gemäss "Radreiseführer" so einige Steigungen bereit halten. Na dann, noch etwas süßes Gebäck reinhauen und los geht's! 

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Istanbul 

Mit der Fähre von Tekirdağ via Marmara Insel nach Istanbul - zwei Monate Reisezeit sind vorbei und wir sind in der Stadt am Bosporus angekommen.

Bereits in Tekirdağ waren wir unsicher, ob es für uns mit den beiden Velos eine Möglichkeit gibt, auf dem Wasser nach Istanbul zu gelangen. Auf der Karte sind Fährverbindungen eingezeichnet, doch einen Fahrplan oder Ähnliches haben wir vor Ort nicht gefunden. Mangels türkischer Sprachkenntnisse haben wir uns dann auf Fingerzeichen verlassen, und siehe da: wir haben die Fähre erwischt und tuckerten gegen Abend auf die Marmara Insel zu!

Es ist eine kleine Insel im Marmara Meer welche sehr bekannt ist für den Abbau von Marmor. Bereits im Nachbarland Griechenland haben wir Werbeanzeigen für diesen Marmor gesehen. Im Sommer wird die Insel dann auch von Badegästen besucht, diese geniessen die entspannte Atmosphäre fernab vom Trubel der Städte. Auch wir freuen uns nochmals auf Natur und Ruhe, bevor es am nächsten Tag ins laute, pulsierende und hektische Istanbul gehen soll.

Doch wird es das wirklich? Der Hotelbesitzer hat uns nämlich mit grosser Bestimmtheit versichert, dass das Schnellboot nur Personen und keine Fahrräder transportiert... Oh je, müssen wir tatsächlich wieder zurück nach Tekirdağ, um dort einen Bus nach Istanbul zu besteigen? Ach was, so ein kleines, kompaktes Velo wird doch bestimmt ein Plätzchen finden auf der Fähre... Und wir haben Glück, denn am Billettschalter erfahren wir, dass das Schnellboot 3 Fahrräder an Bord erlaubt. Und so erreichen wir ganz bequem, nach einem lohnenswerten Abstecher auf die Marmor Insel, die 14 Millionenmetropole Istanbul!


Wir freuen uns sehr, dass alles so gut geklappt hat und die Freude ist auch gross beim Wiedersehen mit unserer Freundin Gül! Sie hat uns eine Unterkunft organisiert und hilft uns dabei, die Orientierung nicht zu verlieren. Gül zeigt uns, wo es den besten Dürüm der Stadt gibt (70 cm!!) wir trinken Çay um Çay und fühlen uns dank ihr seit zwei Monaten Reisezeit einmal wieder fast wie zu Hause.

Wir bleiben nun etwas mehr als eine Woche in Istanbul erledigen Visa Anträge, planen die nächsten Etappen, entdecken die Stadt und erinnern uns bei einem Çay am Bosporus an die bereits erlebten Abenteuer...

Bis jetzt halten wir uns vor allem auf dem asiatischen Teil der Stadt auf, weil wir dort unsere Wohnung haben und der Stadtteil Kadiköy so viel zu bieten hat. Doch ab morgen stürzen wir uns ins Getümmel rund um die Hagia Sofia - denn unser Besuch aus der Schweiz ist unterwegs!!! 



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Café Frappé

Von den Bergen geht es runter ans Meer! Auf flachen Strassen fahren wir durch schöne Küstendörfer & Hafenstädte. In Nea Vrasna machen wir Pause und geniessen den Strand, das Meer und die Sonne

Kaffee wird in Griechenland ständig getrunken! Ob ein griechischer Aufguss, ein Cappuccino oder natürlich der Café Freddo... Mit Zucker und Milch, und oft im to go Becher. Die Café Bars sind stilvoll eingerichtet mit Lounge, im Retro Stil oder kunterbunt mit Brettspielen auf den Tischen. Es tönen klassische griechische Klänge, griechischer und internationaler Pop aus den Lautsprechern und überall herrscht eine lockere Atmosphäre. Es scheint, als ob die Griechen sich zu jeder Zeit ein Café Frappé leisten können, denn einige Plätze sind stets besetzt.

Doch in genau dieser so gemütlichen Kaffeekultur zeigt sich die aktuelle wirtschaftliche Situation mit mangelnder Perspektive in der Arbeitswelt eigentlich ganz typisch. Ein Einheimischer erzählt uns an einem Abend von seinem Besuch in der Schweiz und dass er dort mit Erstaunen festgestellt habe, dass der Kaffee dort spätestens  in 20 Minuten getrunken sei. Er habe gesehen, dass die Menschen nach der kurzen Kaffeepause noch andere Aufgaben zu erledigen hätten. Ob Arbeit oder Freizeit, oft seien die Tage eines Helvetier strukturiert und durchgeplant. In Griechenland hingegen setzt man sich einmal hin, hat einen Kaffee vor sich und lässt die Zeit vergehen. Stunden können verstreichen, und derselbe Kaffee steht noch auf dem Tisch. Dies erklärt mir auch, wieso der Café Freddo so beliebt ist, mit der Zeit wird er ja sowieso kalt - wieso sich also die Mühe machen, und Wasser aufkochen?

Nichtsdestotrotz: die Cafés beleben die Städte, es herrscht eine gemütliche Atmosphäre und wir lassen uns anstecken von den Griechen. Denn auf unserer Reise haben auch wir viel Zeit, und wenn der heisse Cappuccino vor mir kalt wird weiss ich nun, dass ich angekommen bin in Griechenland!

Nachdem wir die griechischen Berge mit einem weiteren Pass hinter uns gelassen haben wird auch das Velofahren gemütlich. Die Strecke Richtung Türkei ist flach und führt oft direkt entlang dem Meer. Wir erreichen Thessaloniki, wo wir leider nur kurz verweilen denn am 1. Mai fahren auch viele Griechen in die Hafenstadt um die Freitage zu geniessen. Dies macht es uns schwierig, eine Unterkunft zu finden. So fahren wir weiter und bleiben einige Tage in Nea Vrasna, einem kleinen Dörfchen direkt am Meer wo wir Pause machen. Weiter in Richtung Türkei wählen wir eine direkte Route und folgen so der alten Schnellstraße. Oft sehen wir links von uns die neue Autobahn und auf der rechten Seite zahlreiche Abzweiger zur Via Egnatia. Noch heute erinnern dort einige Überreste an die römische Verbindungsstrasse der Adria mit dem Bosporus.


Wir kommen immer näher nach Istanbul und erinnern uns an unseren letzten Besuch in der Millionenmetropole. Dem Straßenverkehr möchten wir uns mit den Velos lieber nicht aussetzten! All unser Gepäck in einen Bus verladen wäre eine Möglichkeit, doch wo würde uns dieser absetzen? Wir möchten auf die asiatische Seite, und da wäre es für uns am einfachsten, mit einer Fähre zu fahren. Wir schlürfen also noch die letzten Frappés und überlegen uns, wie wir sicher & bequem weiterreisen werden...

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Staunen in Griechenland 

Weit weg von EU-Krise, Inseltourismus und Ouzo finden wir viel Natur, Berge und trinken Tsipouro.

Unser Ziel im Epirus, der griechischen Gebirgslandschaft, ist zuerst einmal das kleine Bergdorf Monodenri. Ja, Bergdorf meint viele Höhenmeter und ein gemütliches Tempo... Mit müden Beinen erreichen wir unsere Unterkunft erst gegen Abend und werden dort von unserem Gastgeber mit einem leckeren Fetakuchen empfangen! Mmmh!! Die Wanderung durch die Vikos Schlucht trägt nicht unbedingt zur Regeneration der Velobeine bei, dem Muskelkater nach zu urteilen werden dafür mal wieder andere Muskelgruppen gebraucht... Die - gemäß Guinness Buch  der Rekorde Eintrag von 1997 - tiefste Schlucht der Welt ist definitiv ein Besuch wert.

Bevor es weitergeht zum nächsten Highlight haben wir den Katara Pass vor uns. Wir sehen zwar die Straßensperre denken uns jedoch nicht viel dabei, ein anderer Weg kommt für uns ohnehin nicht in Frage. Ob es wegen der vielen Strassenschäden ist? Ah,  wohl eher weil kein Winterdienst stattfindet, sind wir uns sicher als wir auf 1700 m ü. M. unsere Velos durch den Schnee schieben. Uns solls recht sein, so haben wir nämlich eine garantiert autofreie Abfahrt vor uns! Später erklärt man uns dann, dass aufgrund der neuen Autobahn der Pass bereits seit vier Jahren für Autos gesperrt ist und somit perfekt geeignet für Velofahrer ist!

Nach einer langen Abfahrt gehts für uns dann zurück in den farbenfrohen Frühling nach Kalambáka, am Fusse der mächtigen Meteora-Felsen. Metéoros bedeutet im altgriechischen "in der Schwebe", und ja, in schwindelerregender Höhe schweben über uns die mittelalterlichen Klöster! Bereits von weitem können wir die faszinierenden Felsformationen bestaunen. Ganz klar, dass unsere Velos am nächsten Tag wieder eine Pause bekommen, und wir die verschlungenen Wegen zu den Klöstern erkunden werden!!!


Die Weiterfahrt geht danach Richtung Olymp, ein weiteres geschichtsträchtiges Gebiet. Hier wurden schließlich die Olympischen Spiele der Antike ausgetragen! Yannis, ein Gastgeber der Warmshowers community beherbergt uns und weiss sehr viel über seine nähere Umgebung zu erzählen. Beim griechischen Abend belehrt er uns dann auch bezüglich der griechischen Ess- und Schnapskultur. Der bekannte Anisschnaps Ouzo sei etwas für Touristen, der ursprüngliche und wahre Branntwein wäre der Tsipouro (lecker sind beide). Auch er bekommt in Verbindung mit Wasser ein milchiges Aussehen doch er ist viel feiner und reiner im Geschmack, also dann: Jamas! Prost! 

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Albanien: es geht in die Verlängerung 

Bereits in Tirana hat uns ein freundlicher Albaner von Gljiokastër vorgeschwärmt. Mit unserer Aussage, die Stadt nicht in unsere Routenplanung einbezogen zu haben, haben wir ihn enttäuscht... Er wäre bestimmt stolz zu wissen, dass wir den Weg dorthin nun doch unter unsere Räder genommen haben!

Unterwegs haben wir die Nachricht erhalten, dass wir in Istanbul Besuch bekommen! So haben wir keine Eile, in die Türkei zu reisen und haben uns entschlossen noch mehr von Albanien zu sehen. Nach Korçe gings somit nicht Richtung Grenze nach Greichenland sondern nach Ersekë, die höchst gelegene Stadt Albaniens, mitten in der sehr ländlichen Umgebung. Wir fuhren entlang der Flüsse Vjosa und Drinos und fragten uns, ob fast-Schwager Nico auf seinem Balkan Trip darin paddelte?

Wir erlebten die abendliche Xhiro In Permet (wo man tagsüber kaum Menschen antrifft, scheint es, als ob jeder einzelne Einwohner seine Runde durch die Straßen dreht), wir haben albanische Küche probiert und zum Schluss doch noch die berühmt-berüchtigen Holperpisten angetroffen. Die Stecke Korçe - Gjirokastër hat sich für uns definitiv gelohnt!

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Unterwegs im Balkan

Die Bedenken bezüglich schlechter Strassenverhältnisse und gefährlicher Autofahrer war völlig unbegründet.

Manchmal ist es gar nicht ganz so einfach, bei knapp 25 km/h (weil Schnellstraße) unsere Velos sicher um die Belagschäden zu zirkeln, zumal wir meist nur eine Hand am Lenkrad haben, die andere wird ja schließlich zum Winken gebraucht! Mit den bisherigen Strassenverhätlnissen in Kroatien, Montenegro und Albanien sind wir jedoch sehr zufrieden.

Durch den frisch fertiggestellten Autobahntunnel dürfen wir leider nicht. Schade eigentlich, bis jetzt haben wir nur gute Erfahrungen gemacht mit der Autobahn in Albanien. Auf dem Seitenstreifen sind maximal 40 Km/h erlaubt und ausser mit anderen Velofahrer mussten wir "unsere" Spur nur mit einigen Fußgängern oder Töffli Fahrern teilen.

Aber in diesem Fall sind wir glücklich, dass wir über die alte Passstrasse geleitet werden, diese ist nämlich ebenfalls frisch asphaltiert und dank dem Tunnel beinahe autofrei.

Mir kommt mitunter gar der Gedanke, das Straßennetz weiter zu erkunden und einen Veloreiseführer für Albanien zu erstellen. Immer öfter kommt es vor, dass wir mehrere Stunden durch abgelegene Dörfer fahren und uns über Pässe mit atemberaubenden Aussichtspunkten schlängeln um dann rasante Abfahrten ohne Verkehr zu geniessen. Höchstens Esel, Ziegen und Schafe könnten das Projekt gefährden, denn die Strassen wirken (fast) ausnahmslos kürzlich saniert.

Nach dem Qade Thane Pass sind wir noch zu früh unterwegs, denn die Strasse ist über etwa 10 km mitten im Bau. Vom Abbruch der alten Strasse über Schotterpisten bis zum neu eingebauten Asphaltbelag erleben wir die verschiedenen Arbeitsschritte des Strassenbaus. Ein bisschen besser verstehen wir nun, warum es unterwegs so viele Lavash (Autowaschstationen) gibt, schließlich werden die Autos staubig. Aber uns scheint, als ob es für jedes Auto im Balkan eine Lavash Stelle gibt. Gut für uns, dass die Albaner ihre Autos so hegen & pflegen, so fahren sie nämlich auch im hektisch Stadtverkehr von Tiranë vorsichtig und wir kommen überall sicher an.

 

Während einigen Wochen haben wir nun verschiedene Länder im Balkan kennengelernt und bedanken uns für die gemütliche Zeit an unterschiedlichen Stränden, wo wir Menschen beim Schlendern beobachten, Kaffee trinken (Kathrin) und Sonne tanken durften. Wir sagen danke für die Strassen, die Gastfreundschaft und das Panorama! 

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Kroatien: Küste

Nachdem wir den Nationalpark hinter uns gelassen haben warten nur noch einige Höhenmeter auf uns und zack - da ist es, das Meer.


Die Abfahrt von knapp 1000 m ü.M. hinunter auf Meereshöhe über langgezogene, einsame Serpentinen war großartig!! Mit dem Wind im Rücken und Adrenalin im Blut radeln wir nochmals nordwärts, um in Prizna mit der Fähre auf die Insel Pag überzusetzen. Lonely Planet informiert uns, dass die Insel mit ihrer flachen Topographie bestens für Velofahrer geeignet ist und das glauben wir ihm gerne. Die Landschaft ist geprägt durch hellen Kalkstein, karg und sonnenverbrannt zur einen Seite, grün bewachsen zur anderen. Auf den Weiden grasen die Schafe die salzigen Wiesen ab und erst dadurch wird deren Milch besonders wertvoll. Dieser salzige Geschmack ist nämlich charakteristisch für den inseleigenen Käse Paški sir, eine Spezialität welche wir nur zu gern in unseren Menüplan aufnehmen!

In den nächsten Tagen wechseln sich sehenswerte Städte mit wunderschönen Küstenstreifen ab. Wir sind gar nicht unglücklich über die ansteigenden Serpentinen - denn die Aussicht welche wir jeweils zur Belohnung bekommen ist so einige Schweißtropfen wert. Das gemütliche Tempo auf dem Velo lässt uns Zeit, unsere Blicke schweifen zu lassen und immer wieder Neues zu entdecken. Wir sind oft alleine unterwegs auf den Strassen, und auch in den Städten ist noch nicht viel los. Ohne Mühe finden wir ein Sobe - eine Privatunterkunft bei gastfreundlichen Kroaten - und erholen uns an Ostern in der Hafenstadt Split.



Nicht zu vergessen: ein neuer Monat hat begonnen, Zeit für Appenzeller Nr. II 

Danke Beat!!!


Der Wundertrank soll uns Energie bei den nächsten Höhenmeter geben, uns den Wind von allen Seiten erträglicher erscheinen lassen, die Schläge auf der Weiterfahrt über holprige Balkanstrassen abfedern und alle We-wehli von uns vertreiben.  In dem Sinne: Proooost!!!


Da uns die Insel Pag sehr gut gefallen hat entscheiden wir uns, in Split nochmals ein Fährticket zu lösen. Anstelle auf dem Festland der Küste entlang zu fahren wollen mit Korčula eine weitere Insel der Adria zu erkunden. Die Landschaft ist im Vergleich zu Pag sehr grün, die Strassen somit gesäumt von Wäldern und das Profil, sagen wir mal, hügelig. Der Wind bläst von allen Seiten, von hinten eher selten und nur dort, wo es mächtig Höhenmeter bergauf zu überwinden gibt. So brauchen wir für etwas mehr als 40 Km etwas mehr als 3.5h.... Wenn ich dann noch sage, dass es die letzten knapp 10 Km bergab ging könnt ihr euch vorstellen, dass es ein rechter Chrampf war, unsere Velos über die Insel zu manövrieren. Aber ja, das Gute kommt zum Schluss und wir übernachten im schönen Städtli Korčula, direkt am Meer, der (angeblichen) Geburtsstätte von Marco Polo.

 

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Kroatien: Stadt und Land 

Museumstour und Städtebummel in Zagreb, wandern und Staunen an den Plitwicer Seen 

Auch wenn man uns bereits in Slowenien davon abgeraten hat, mit den Velos nach Zagreb zu fahren, wollten wir uns die Hauptstadt von Kroatien nicht entgehen lassen. Die letzten Kilometer vor Zagreb fuhren wir auf einer Schnellstraße, doch zum Glück hielt sich der Verkehr in Grenzen. In der Stadt kamen auf einmal Velowege von allen Seiten zusammen, wer diese benützt und wohin sie führen haben wir jedoch nicht so genau herausgefunden. So blieben wir mehrheitlich auf dem Trottoir.

Die nächsten beiden Tage haben wir die Stadt erkundet und verschiedene Museen besucht. Erwähnenswert ist sicher das "Museum der gescheiterten Beziehungen". Dort geht es für einmal nicht um die große Liebe, sondern um das, was danach noch übrig bleibt. Menschen aus der ganzen Welt erzählen anhand von Gegenständen ihre Trennungsgeschichte.  Skurril, amüsant und auch ganz traurig wirkt es auf den Besucher. Doch keine Angst - wir beiden befinden uns noch immer auf der romantischen Seite! Viel Zeit verbringen wir auch mit der Lieblingsbeschäftigung der Kroaten, Kaffee (oder Bier) trinken und Passanten beobachten.

Als das schöne Wetter zurückkam packten wir wieder unsere Velos und fuhren mit viel Rückenwind  weiter Richtung Süden. Die Plitwicer Seen, das UNESCO Weltkulturerbe wo auch der Winnetou Film "Der Schatz im Silbersee" gedreht wurde, waren unser Ziel. Wo pro Saison 1 Mio. Besucher herumspazieren hatten wir in der Vorsaison das Glück, den Nationalpark nur mit wenigen hundert anderen Gästen zu teilen. Wie ihr seht gefällt es uns sehr gut in Kroatien und wir können euch das Land als Feriendestination nur empfehlen.

Unser nächstes Ziel ist die Küste: Meer,  frische Fische und vielleicht dir erste Nacht im Zelt.

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Kurztrip durch Slowenien 

In Slowenien haben wir nur knapp 70 KM auf dem Velo zurückgelegt. Bereits kurz nach der Grenze zu Österreich mussten wir erkennen, dass es mit gut signalisieren Radwegen vorerst vorbei ist.

Es gab zwar einen offiziellen Radweg, wir haben jedoch nicht wirklich herausgefunden, wo dieser durchgehen soll. Das wunderschöne Städtchen Ptuj haben wir dann doch über schöne Nebenstraßen entlang dem Fluss Drau gefunden. Wir haben in Slowenien herzliche Gastgeber kennengelernt, ruhige Nebenstraßen befahren und von einem netten Autofahrer hilfreiche Routentipps erhalten.

Und ja Mirjam, unser KM-Zähler zeigt 1000 KM an!


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Grüss Gott, Frühling 

'Pfiat di! Hat uns Nina bei unserem Abschied vom Samerberg gesagt, und 'pfiat di haben wir bald darauf zu Deutschland gesagt. Der zweite Haken auf unserem Veloshirt kann gemacht werden!

Mitte März treffen wir bereits einige Velofahrer an, doch noch viel mehr beobachten wir verschiedene Wintersportler. Sie geniessen die letzten Stunden auf den Loipen bei Sonnenschein oder ziehen ihre Kurven auf fast leeren Skipisten.

Erfreut der Restschnee die einen, erschwert er uns in den Schattentälern die Durchfahrt mit den Velos, so dass wir immer wieder vor der Entscheidung stehen: Einsamer Radweg oder befahrene Schnellstraße?

Auch wenn der Zustand noch nicht immer so gut ist, gefällt uns die Beschilderung umso mehr. War es in Deutschland meist der Bodensee-Königsee Radweg, so folgen wir in Österreich beispielsweise dem Tauern-Radweg oder dem Enns-Radweg.

Wenn wir dann mal wieder im Schneematsch unsere Velos schieben oder auf der Straße etwas viel Abgas abbekommen sehen wir es als Training für spätere Zeiten - wer weiss welche Strassenverhältnisse uns noch erwarten.


Wir hoffen nun, mit Deutschland auch den Winter hinter uns zu lassen und weitere Etappen bei frühlingshaften Temperaturen geniessen zu können. In dem Sinne: Grüss Gott Österreich, Grüß Gott Frühling!

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Schlösser und Seen

Nach 3 Tagen Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen kam heute der Winter zurück... Doch der Aufstieg im Schneegestöber hat sich gelohnt! Beeindruckend, wunderschön und von Schneeflocken umgeben zeigt sich uns das Schloss Neuschwanstein.

Das Schloss Neuschwanstein, welches als Vorlage für das Logo von Walt Disney dient, haben wir uns als Programmpunkt an Christians Geburtstag vorgenommen.

Der Bodensee-Königsee Radweg führt uns noch an weiteren Schlössern vorbei. Doch vor allem für die vielen schönen Seen ist der Radweg bekannt. Bis auf den Bodensee sind jedoch die meisten noch zugefroren...

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Frauenfeld - Romanshorn

Sonntag, 08. März 2015, 12.30h

Die erste Etappe soll uns von Frauenfeld nach Salmsach, kurz vor Romanshorn zu Simon & Leandra bringen. Wir freuen uns über letzte Abschiedsgrüsse & Begleitung durch Freunde und Familie!

 

Wir starten bei der Ortstafel im Osten von Frauenfeld, zwischen Paketzentrum und Römerhof.


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Entscheidungen

Eine Weltreise wollen wir antreten, gemeinsam. Mindestens ein Jahr möchten wir gerne untwerwegs sein. Dieser Entschluss stand ganz am Anfang unseres Abenteuers, und war für uns wohl der einfachste. Alle weiteren Fragen die es zu klären gab, um die Planung voranzubringen haben uns mehr Zeit gekostet.

Im Sommer 2013 haben wir gemeinsam die Ausstellung "ENTSCHEIDEN" im Zeughaus Lenzburg besucht.

"Eine Ausstellung über das Leben im Supermarkt der Möglichkeiten" hat uns aufgezeigt, welche Lust und gleichzeitig auch Last es sein kann, wenn uns alle Türen offen stehen. Im Experiment haben wir erfahren, was wir ohnehin schon ahnten: Wir treffen beide auf verschiedene Arten, gesteuert durch unterschiedliche Denkmodelle unsere Entscheidungen. Reichlich Konfliktpotential also, wenn es um GEMEINSAME Entscheidungen gehen soll!

Da die Reise jedoch unser beider Traum ist, kann es so schlimm ja nicht werden.

 

Südamerika oder Asien? Mit Flugzeug, Camper, Velo oder gar zu Fuss?

Entschieden haben wir uns für das Velo, eine körperlich aktive, gemächliche Reiseart. Wir erhoffen uns, dadurch nahe an den Menschen zu sein, langsam vom Alltäglichen & Bekannten in die Ferne zu kommen. Auf dem Landweg möchten wir dem Kompass Richtung Osten folgen, bis auch dort irgendwann nur noch ganz viel Wasser auszumachen ist.

 

Benzinkocher oder Gasbrenner? Felgen- oder Scheibenbremse? Tablet oder Notebook?

Vor allem Christian hat sich sehr intensiv mit der Zusammenstellung unserer Ausrüstung auseinandergesetzt. Unterschiedliche Argumente haben wir beide für dieses oder jenes hervorgebracht, und ganz sicher sind wir natürlich auch jetzt nicht. Vielleicht verschenken wir nach kurzer Zeit einen Teil unseres Gepäcks und bestellen vergessenes Material aus Europa?

Und doch, zu Beginn unserer Reise sind wir vorbereitet, so gut wir es können und wollen. Vor allem aber sind wir offen für Erfahrungen, Abenteuer und ganz viel Unbekanntes!

 

Die wichtigste & richtigste Entscheidung wird am Ende die erste sein. Dies ist unser Entschluss, dieses Abenteuer gemeinsam zu wagen!

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Prolog: Basel - Rotterdam

Da sich Christian gerade intensiv mit der Routenplanung für unser großes Abenteuer beschäftigt, wurde mir die Streckengestaltung für unsere Sommerferien zugeteilt. Knapp zwei Wochen Zeit werden wir haben, so um die 600-800km möchten wir zurücklegen um auch unsere Ledersättel einzufahren.

Basel-Rotterdam, von der Schweiz, dem Ursprungsland des Rheins bis nach Rotterdam, der Hafenstadt in Holland wo der Rhein ins Meer fliesst.

Dies tönt nach einer flachen Einsteigerroute auf dem Tourenrad, da werden wir auch ein paar Kilometer mehr locker radeln...

Am Tag der Abfahrt hat sich uns der schweizer Sommer 2014 von seiner schönsten Seite gezeigt, es regnete nur einmal! Ja genau, auch unsere Regenausrüstung will getestet werden, und das in den kommenden 14 Tagen fast täglich

Mit dem Zug legen wir die Strecke Frauenfeld-Basel zurück und da wir mit dem Montieren und Demontieren der Velotaschen noch nicht allzu geübt sind, kommen wir bereits beim Einsteigen zum ersten Mal ins Schwitzen. In Basel angekommen freuen wir uns, endlich in die Pedale zu treten und getreu dem Motto "I follow Rivers" den Rhein von nun an nicht mehr aus den Augen zu lassen.

So ganz einfach ist dies jedoch nicht, die "Rhein-Route" führt uns auf der französischen Seite des Rheins vorwiegend einem Binnenkanal entlang. Bald wechseln wir nach Deutschland, da sind wir dann direkt auf dem Rheindamm. Besonders abwechslungsreich und sehenswert ist die Strecke vorbei an Kieswerken zwar nicht unbedingt, dafür rollen unsere Räder zügig voran.

Bis es dann bei KM 145 so weit ist: Mein Hinterrad hat den ersten Platten eingefangen! Kein Problem, mein persönlicher Velomechaniker freut sich schon, das mitgeführte Ersatzmaterial & Werkzeug auszupacken. Rad weg, Ersatzschlauch drauf, Luft rein... Ja, irgendwie scheint die Velopumpe nicht mit dem Ventil des Schlauches überein zu stimmen. Dann wird halt flink das neue Tübli Vulkanisierungsgel gezückt und der kaputte Schlauch geflickt. Dumm nur, dass der Inhalt der neuen Tube bereits verdunstet ist und nicht mehr als ein leises "pff..." von sich gibt. Tja dann, kurz die Oberfläche aufrauen, selbstklebender Flick drauf und weiter gehts! Die erste Pannensituation wird dann am Abend in Ruhe analysiert und Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet...

Eingedeckt mit passendem Ersatzschlauch sind wir für den Rest der Reise zum Glück sicher vor weiteren Pannen. So geniessen wir die Fahrten durch das Elsass, durch Auwälder, Naturschutzgebiete und das grosse rheinhessische Weingebiet mit dessen "Weinhauptstadt" Oppenheim. Endlich zeigt sich die Sonne, die Regenjacken werden weggepackt und die Sonnencrème dick aufgetragen. Sommer, Sonne, Velofahren, so haben wir uns das vorgestellt! Wunderschöne Städte wie Koblenz, Bonn und Köln lassen wir hinter uns, immer weiter Richtung Norden fahrend.

 

Kaum sind wir über der holländischen Grenze entdecken wir bereits die ersten Windmühlen, und dass Windmühlen so richtig gut laufen... Genau! Braucht es Wind! Und von dieser geliebten Wettererscheinung hat es hier genug, er bläst von allen Seiten. Der Rhein schlängelt sich durch das Land und ihm zu folgen ist nicht mehr ganz so einfach. Immer wieder steigen wir auf die Fähre, um ans andere Ufer überzusetzen.

Am Schluss fehlen uns noch ca. 30 KM bis nach Rotterdam, doch nach weiteren zwei Tagen im Regen bleiben wir einfach sitzen auf unseren Plätzen in der warmen Fähre und geniessen die Fahr auf dem Rhein.

Nach zwei erholsamen, wenn auch leider sehr nassen Tagen packen wir unsere Velos in den Nachtzug und staunen, wie schnell wir zurück in der Schweiz sind.

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Kurztrip durch Slowenien 

In Slowenien haben wir nur knapp 70 KM auf dem Velo zurückgelegt. Bereits kurz nach der Grenze zu Österreich mussten wir erkennen, dass es mit gut signalisieren Radwegen vorerst vorbei ist.

Es gab zwar einen offiziellen Radweg, wir haben jedoch nicht wirklich herausgefunden, wo dieser durchgehen soll. Das wunderschöne Städtchen Ptuj haben wir dann doch über schöne Nebenstraßen entlang dem Fluss Drau gefunden. Wir haben in Slowenien herzliche Gastgeber kennengelernt, ruhige Nebenstraßen befahren und von einem netten Autofahrer hilfreiche Routentipps erhalten.

Und ja Mirjam, unser KM-Zähler zeigt 1000 KM an!

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Grüss Gott, Frühling 

'Pfiat di! Hat uns Nina bei unserem Abschied vom Samerberg gesagt, und 'pfiat di haben wir bald darauf zu Deutschland gesagt. Der zweite Haken auf unserem Veloshirt kann gemacht werden!

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Schlösser und Seen

Nach 3 Tagen Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen kam heute der Winter zurück... Doch der Aufstieg im Schneegestöber hat sich gelohnt! Beeindruckend, wunderschön und von Schneeflocken umgeben zeigt sich uns das Schloss Neuschwanstein.

Das Schloss Neuschwanstein, welches als Vorlage für das Logo von Walt Disney dient, haben wir uns als Programmpunkt an Christians Geburtstag vorgenommen.

Der Bodensee-Königsee Radweg führt uns noch an weiteren Schlössern vorbei. Doch vor allem für die vielen schönen Seen ist der Radweg bekannt. Bis auf den Bodensee sind jedoch die meisten noch zugefroren...

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Frauenfeld - Romanshorn

Sonntag, 08. März 2015, 12.30h

Die erste Etappe soll uns von Frauenfeld nach Salmsach, kurz vor Romanshorn zu Simon & Leandra bringen. Wir freuen uns über letzte Abschiedsgrüsse & Begleitung durch Freunde und Familie!

 

Wir starten bei der Ortstafel im Osten von Frauenfeld, zwischen Paketzentrum und Römerhof.


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