Durch Reis und Bananen

Wärmer wurde es tatsächlich bald wieder und Bananenpalmen haben Eucalyptusbäume abgelöst. Unser letztes Highlight in China waren die faszinierenden Reiseterassen von Yuanyang. Dass wir in Südostasien angekommen sind spüren wir bald darauf während der Fahrt entlang des Roten Flusses.

Ein kalter Tag folgte dem nächsten und während vielen schweizer Skigebierten der Schnee noch fehlt haben wir diesen entdeckt - und zwar auf chinesischen Bananenpalmen! Wir hatten ohnehin wieder ein touristisches Ziel erreicht und so kam es uns gelegen, einen Tag in der Stadt Jianshui zu verweilen. Mitten in der traditionellen Altstadt haben wir uns einquartiert und waren nahe bei den Sehenswürdigkeiten. Wir haben uns das Hause und den Garten der Familie Zhu angeschaut. Zwei Brüder haben mit ihrem aus Opiumhandel erwirtschafteten Reichtum im 19. Jahrhundert die Anlage gebaut welche heute als Museum geführt wird. Ein mehrfach ausgezeichneter Meister der Kalligraphie hat uns stolz sein Können vorgeführt und uns das Kunstwerk als Geschenk mitgegeben. 

Bei der Abfahrt am nächsten Morgen kamen wir bei der nächsten Attraktion Jianshuis vorbei, der Zwillingsdrachenbrücke aus der Qing Dynastie. Wunderschön lag diese in der Morgensonne vor uns.

Wieder im Sattel hatten wir noch einige Höhenmeter zu überwinden bevor wir in den Genuss der zweitlängsten Abfahrt unserer Reise kamen. Wie vor fünf Monaten, als es hinunter ans kaspische Meer ging, war auch diese eine wahre Freude! Wir haben auf den 40 Km ganze 1600 Höhenmeter verloren. Angehalten wurde nur, um das sagenhafte Panorama zu bestaunen.

Am nächsten Morgen begaben wir uns in Nansha, der Neustadt von Yuanyang, auf den lokalen Busbahnhof. Auch ohne zu sprechen wurden wir in den richtigen Minivan gesetzt, uns war wohl anzusehen, dass wir zwei Fremden zu DEM Touristenmagnet des Ortes wollten - zu den Reisterassen. Und so kamen wir nach einer Stunde Reisezeit die steile Bergstrasse hinauf in Xinshe, der Altstadt Yuanyangs, an. Was für die Bewohner der Region den Haupterwebszweig darstellt ist für Besucher eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. Der Reisanbau im hügeligen Gelände ist nur durch unzählige Terrassen, welche in die Hänge gebaut wurden möglich. Bis zu 3000 Anbauflächen liegen übereinander und wir bestaunen dieses von Menschenhand erschaffene Wunderwerk von verschiedenen Aussichtspunkten. Während wir zum nächsten Dorf spazieren begegnen uns Frauen in ihren traditionellen, farbigen Trachten. Wir kommen vorbei am lokalen Strassenmarkt und beobachten den Handel der Güter des täglichen Bedarfs. Die farbigen Stoffe mit Stickereien sollen nicht Touristen anziehen, hier feilschen die Einheimischen um den besten Preis für die notwendige Ware. 


Die Reiseterassen Yunnans waren unser letzter längerer Aufenthalt in China. Die letzten zwei Tage hat sich die Landschaft um uns herum total verändert. Wir sind wohl definitiv in Südostasien angelangt und auf den letzten Kilometern trennt uns nur noch der Rote Fluss von Vietnam. Dank der neuen Autobahn herrscht auf der von uns befahrenen Nationalstrasse nur wenig Verkehr. Da diese Strasse ebenfalls sehr neu ist finden wir auch zum Abschluss perfekte Verhältnisse zum Velofahren vor. Unter uns entdecken wir viele Fischerboote und Fischzuchten. Und auch wenn sich die Strasse etwas vom Fluss entfernt wird die Strecke nicht weniger spannend für uns, denn dann befinden wir uns inmitten grosser Bananenplantagen. Wir können die Arbeiter beobachten, wie sie die noch grünen Früchte bereit für den Transport machen und in grosse Kartonschachteln verpacken damit es im Lastwagen auf die Reise gehen kann.

Wo das Ziel der Bananen liegt, wissen wir nicht. Wir fahren der Grenze Vietnams entgegen und überqueren diese ohne grosse Probleme, merken jedoch, dass mit steigender Anzahl an Stempel und Visa in unseren Pässe, diese immer genauer angeschaut werden. Diesesmal bin ich diejenige, welche zur Befragung ins Büro des Chefs darf. Alles kein Problem und nach einem kurzen Schwatz werden wir nach Vietnam in die Weihnachtsferien entlassen.

In einem Hotel in der Grenzstadt Lao Cai lassen wir es uns gut gehen und buchen Tickets für die Weihnachtsparty.

Wir wünschen allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest und frohe Feiertage! Danke für die Bilder von Dessertbuffets, selbstgebackenen Guezli & weiteren Leckereien der Weihnachtszeit. Nächstes Jahr helfen wir gerne wieder mit beim Essen!

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Unterwegs in Yunnan 

Mit einem weiteren Visum im Reisepass lassen wir uns ohne Eile von einem schönen Ort zum nächsten treiben. Von der Grossstadt in den Steinwald bei warmen Temperaturen oder durch immer kleinere Dörfchen entlang dem Fluss wo uns der Winter wieder einzuholen versucht.

In Kunming stand einmal mehr der Gang auf ein Konsulat an, dieses Mal war es das vietnamesische. Spätestens an Silvester möchten wir nämlich in Hanoi ankommen und freuen uns schon sehr darauf! Für die Einreise nach Vietnam mussten wir jedoch zuerst noch das Visum beantragen. Wo die Suche nach dem Büro der Vietnamesen etwas Zeit in Anspruch nahm war das folgende Procedere umso einfacher. So schnell und einfach wie dieses Visum haben wir auf dieser Reise noch keines erhalten. Benötigt wurde vor Ort nur das Antragsformular, ein Passfoto und etwas Bargeld und bereits nach drei Arbeitstagen konnten wir unsere Pässe wieder entgegennehmen.

Da uns nur noch ca. 700 Km bis nach Hanoi fehlen können wir uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nach Lust und Laune in Richtung Süden treiben lassen. 

So machen wir bereits in Shilin, einer Tagesetappe nach Kunming, unseren nächsten Stop. Schon auf der Anfahrt bemerken wir, dass für einmal nicht Hochhäuser in die Höhe ragen sondern dass hier die bekannten Steinformationen das Bild prägen. Zusammen mit Tausenden Chinesen besuchen wir am folgenden Tag den Steinwald.

Glücklicherweise steigen die meisten Besucher in die bereitstehenden Elektrobusse welche im Park entlang der Hauptroute verschiedene Stationen anfahren. Wir brauchen nur etwas von dieser Stecke abzuweichen und schon haben wir die Steinsäulen, pilzartigen Formationen und verschlungenen Wege für uns alleine. So verbringen wir Mitte Dezember einen warmen Tag in T-Shirts inmitten dieses Naturspektakels.


SHILIN - STEINERNER WALD: EIN WEITERES UNESCO WELTKULTURERBE WELCHES WIR AUF UNSERER REISE BESUCHEN 

Bei der Weiterfahrt erfreuen wir uns an guten und nur wenig befahrenen Strassen welche über kleinere Pässe führen und uns mit schönen Abfahrten inklusive Bananenpalmen am Strassenrand belohnen. Erwähnen möchten wir an dieser Stelle einmal das leckere Essen welches uns jeweils direkt am Strassenrand zubereitet wird. Meist steht eine grosse, gekühlte Glasvitrine im Raum und wir zeigen auf Gemüse, Pilze oder Fleisch. Am Tischlein nehmen wir Platz und schlürfen den Tee während bald darauf die dampfenden Teller serviert werden. Jedes Gericht wird etwas anders gewürzt, täglich schmecken wir eine neue Zutat heraus und finden es super, uns kulinarisch so verwöhnen zu lassen.

Wir sind momentan eher auf einer Nebenroute unterwegs und vermissen die Hochhäuser und Baukräne nicht im geringsten. So übernachten wir mal bei einem Weinhändler, mal bei einem Orangenverkäufer in deren Herbergen. Von schmuddeligen Absteigen mit schmutzigen Zimmern können wir glücklicherweise nicht berichten. Auch wenn wir nur sehr wenig Geld bezahlen schlafen wir immer in sauberen Betten, haben im Zimmer einen Wasserkocher, meist eine heisse Dusche und stets freundliche und hilfsbereite Besitzer. Trotz noch immer nicht vorandenen Sprachkenntnissen unsererseits werden wir durchgehend mit einem Lächeln empfangen und mit einem herzlichem Winken verabschiedet.

Es gefällt uns sehr gut in China und wir sind gespannt, was wir in den letzten Tagen noch erleben werden. Hoffentlich geht der Temperatursturz bald vorüber, heute zeigte das Thermometer nämlich nur noch 3 Grad an... (Gestern war es mit 18 Grad noch T-Shirt Wetter!) Und vom Winter haben wir uns eigentlich bereits verabschiedet. Also schalten wir die Heizung etwas hoch und hoffen auf wärmeren Temperaturen für den morgigen Velotag.

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Tout Terrain 

Vor lauter Sehenswürdigkeiten kommen wir in Sichuan kaum zum Velofahren. Weniger das Wetter dafür umso mehr die heisse Schärfe der Speisen wärmen uns. Erst in der Provinz Yunnan erleben wir wieder die verschiedensten Facetten des Reisens per Velo bei frühlingshaften Temperaturen.

Kurze Etappen bringen uns nach einem längeren Aufenthalt in Chengdu zu sehenswerten Orten in der näheren Umgebung der Grossstadt. So machen wir bereits am zweiten Tag wieder eine längere Pause um an dem heiligen Berg von Emei Shan den Geist Buddhas einzufangen. Tatsächlich hat es seinen ganz eigenen Zauber inne, nach zwei Stunden Busfahrt und einer weiteren Stunde des Wanderns im Nieselregen plötzlich in der strahlenden Sonne und vor dem "Golden Summit" zu stehen. Mächtig und glänzend ragt die Statue vor uns in die Höhe während unter uns ein schier endloses Nebelmeer liegt.

Auch wenn der Ursprung des Buddhismus nicht in China liegt ziehen so manche Tempel und Statuen grosse Besucherscharen an. Nach unserem Aufenthalt am Emei Shan legen wir also die kurze Fahrstrecke nach Leshan zurück um ein nächstes imposantes Objekt zu bestaunen.

grösste Buddhastatue der Welt 

Nicht einmal der Zehennagel des Buddhas würde Platz in Christian's Schuh finden!


Leshan bietet uns persönlich jedoch noch einen weiteren Dienst: die Visaverlängerung steht an und wir suchen das Büro der öffentlichen Sicherheit (PSB) auf. Wir sind begeistert über die effiziente Arbeit der freundlichen Beamten und halten innert 30 Stunden die Verlängerung unserer Visa für weitere 30 Tage in den Händen. Nachdem wir vor einem Monat unsere Reise nach China beinahe abgeschrieben haben bekommen wir nun also die Möglichkeit ganze 60 Tage im Reich der Mitte zu verweilen. Glücklich verlassen wir die freundliche Stadt und fahren bald schon der Provinz Yunnan entgegen. Mit über 30 ethnischen Minderheiten und ländlichen Gebieten wartet wieder etwas Neues auf uns. Denn auch wenn bis anhin unsere Strassenkarte oder auch unser Navigationsapp auf wenig Leben und Zivilisation hinweisen konnte fanden wir uns jeden Abend inmitten großer Städte wieder.

Wir fahren oft auf Strassen, welche auf unserer Karte nicht eingezeichnet dafür nagelneu sind. Oder wir folgen der Nationalstrasse welche bald von Asphalt in ein verlassenes Waldweglein übergeht… Google.maps & Co. werden unzuverlässig für uns und weichen Baidu.maps., der chinesischen Version. Wir verstehen zwar nicht, was die Zeichen im heruntergeladenen App bedeuten doch die Navigation und die eingezeichneten Strassen sind uns eine grosse Hilfe.

In den vielen neuen Städten ist uns bereits aufgefallen, dass nicht selten bereits Namensschilder von künftigen Hotels, Restaurants oder Banken von den Hauswänden prangen, während sich das Gebäude noch im Rohbau befindet. Nicht anders verhält sich diese Machart leider bei der Strassenkarte. Die von uns befahrene Strasse ist wohl eingezeichnet wobei stellenweise noch nicht einmal der Belag eingebaut ist. Strassenschilder wurden montiert, jedoch noch ohne Beschriftung. So wechselt sich piekfeiner Asphalt mit, ja was könnte es wohl sein? Schlammiger Baustelle... Passierbar ja, befahrbar? Eher nein.

Spuren des Schlamms:

  • Schutzblech gebrochen
  • Stecker von Dynamo abgerissen
  • Kette verzogen
  • Km Zähler steigt aus
  • "So schmutzig war ich in meinem ganzen Leben noch nie!!!"

Nach einsamen Stunden auf Waldwegen können wir uns am höchsten Punkt für einmal nicht über eine schöne Aussicht freuen. Zu dicht ist der Nebel um uns herum. Märchenhaft ist die Stimmung, als wir Hirten mit ihren Tieren entdecken. Doch nur kurz geben wir uns den Träumereien in der mystischen Landschaft hin... Bald schon stecken wir im Schlamm fest und die Konzentration gilt ganz der sicheren Balance auf zwei Rädern. Nur nicht den Fuss absetzen... Nach drei Tagen voller abenteuerlichen Fahrten steigen wir, schmutzig wie wir sind, bei unserem neuen Freund ins Büssli. Ihn scheint der Schmutz nicht zu kümmern, zu gross ist seine Neugierde über uns zwei Fremde. Mit ihm kehrt definitiv die Sonne zurück in unser Veloleben. Er bringt uns zwar nicht an den von uns gewünschten Ort, dafür erleben wir eine unvergessliche Zeit mit ihm, seiner Familie, seinem Dorf... Unsere Velos werden gereinigt und wir im Hotel einquartiert. Es folgt ein Abend mit Mutton Hot Pot, eine Spezialität welche wir in der Schweiz Fondue Chinoise nennen. In den heissen Topf wird viel Gemüse gegeben und in diesem Fall traditionellerweise Lammfleisch. Auf der Bühne folgt Folklore in Form von Gesang und Tanz und wir finden uns bald im Blitzlichtgewitter wieder... Wohl kaum ein Gast verlässt den Platz ohne ein Selfie oder Groufie mit den exotischen Schweizern.


Um möglichst nicht wieder in Baustellen zu stranden folgen wir wahlweise (verbotenerweise) dem Expressway. Die Schranke der Zahlstation bei der Auffahrt übersehen wir geflissentlich und können so auf entspannte Art die vorbeiziehende Landschaft geniessen. Auf dem breiten Pannenstreifen können wir sogar nebeneinander fahren und fühlen uns hier sicherer als inmitten von Baggern im Schlamm. Nur sehr wenig Verkehr herrscht auf der Autobahn und die vorbeifahrenden Polizisten scheinen sich überhaupt nicht zu kümmern über unser Ausfährtli.

So erreichen wir über Autobahn, Nationalstrasse, Baustellen und Waldwegli Kunming, die Stadt des Frühlings. Unsere Velos der Marke "Tout Terrain" haben einmal mehr gezeigt, dass sie tatsächlich für jede Unterlage gemacht sind.

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Von Pandas und Pandas

"Zurzeit gibt es schätzungsweise 1'864 frei lebende Exemplare" (Wikipedia). Umso größer war unsere Freude, als wir in Chengdu im Breeding Center die Gelegenheit hatten, die Tiere in ihrem Alltag zu beobachten. Den vorliegenden Blog-Eintrag widmen wir deshalb einzig den faszinierenden und etwas tollpatschigen Tieren!


Der Panda hat 42 Zähne, wie beim Menschen wachsen ihm nach den Milchzähnen die zweite Garnitur

Pandas sehen auch nachts genug um zu spielen denn ihre Pupillen sind ähnlich wie die der Katzen 

An einem typischen Tag verbringt er die Hälfte seiner Zeit mit Essen und die andere Hälfte des Tages mit Schlafen 

Pandas mögen sommerliche Hitze gar nicht, ihre Wohlfühltemperatur liegt bei 8 - 23 Grad

Auch wenn der Panda aussieht wie ein Bär hält er keinen Winterschlaf 

Auch der Panda gibt Geräusche von sich, wenn er Angst hat bellt er wie ein Hund

78% der Pandaweibchen sind unfruchtbar, gar 90% sind es bei den Männchen 


Der Panda wird in seinem natürlichen Lebensraum immer mehr zurückgedrängt. Nachdem er über 600'000 Jahre auf der Erde gelebt hat ist er nun ernsthaft vom Aussterben bedroht. Nach unserem Besuch im Panda Park sind wir völlig fasziniert von dem schwarz-weissen, etwas tollpatschigen Wesen und wünschen ihm weitere 600'000 glückliche Jahre auf dieser Erde!

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Abschied von der Seidenstraße 

Wir reisen komfortabel per Bus und Zug getrennt von unseren Velos von Nord nach Süd. Erst in Chengdu nehmen wir diese unversehrt wieder entgegen. Hinter uns liegen Tage voller Sightseeing an uralten und hypermodernen Orten. Wir sehen zum letzten Mal Kamele und verabschieden uns von der Seidenstraße.

Bereits zwei Wochen sind wir nun in China und noch immer ist uns so Vieles fremd. Dass auch wir zwei "Fremde" im Reich der Mitte sind wird uns aufgrund der charmanten Reaktionen der Einheimischen ebenfalls bewusst. So werden wir beispielsweise beim Aufstieg zum Tempel der weißen Pagode in Lanzhou mehrmals um ein Foto gebeten. Immer wieder sehen wir Kinder auf der Straße, welche auf uns zeigen und am Rockzipfel ihrer Mütter zupfen: "Schau! Ausländer!". So dauert es bstimmt 10 Tage, bis wir wieder europäische Gesichter in den Menschenmassen ausmachen können. Denn je südöstlicher wir reisen umso größer und touristischer werden die Städte, so dass wir in Chengdu im Hostel von Kevin und Helena sogar in englisch begrüßt werden. Wir sind ganz froh, dass die Mitarbeiter uns mit ihren ausgewählten Namen entgegenkommen, so vermeiden wir falsche Aussprache und Betonung der Worte was für uns in der Landessprache fast unvermeidbar ist. Erst in Chengdu setzten wir unsere Reise wieder per Velo fort, wir haben nämlich in Khorgos beschlossen, erst wieder Velo zu fahren wenn die Tagestemperatur mindestens 10 Grad erreicht.


Nach 11'000 gefahrenen Kilometer von zu Hause haben wir somit unsere Velos zum ersten Mal für eine weite Strecke verladen. Ganze 3'5000 Km haben wir getrennt von den beiden zurückgelegt um die Kälte des Nordens und die Einsamkeit der Wüste hinter uns zu lassen. So wurden noch in der Grenzstadt Khorgos mit Hilfe der freundlichen Receptionistin Busbillete für uns und unsere Velos gelöst und wir reisten in der folgenden Nacht im komfortablen Bus bis nach Ürümqi. Die am weitesten von einem Meer entfernten Stadt der Welt war an dem Tag uns grau und kalt. Leider war auch die Suche nach einer geeigneten Unterkunft für uns erfolglos. Entweder gab es keinen Platz für unsere Velos oder wir wurden als Ausländer nicht aufgenommen. Nach einem Kaffee in einer einsamen Hotelbar entschieden wir uns, nicht länger hier zu bleiben sondern weiter zu reisen, immer näher ans Meer (was aufgrund der geographischen Lage ein Leichtes wäre).

Am Bahnhof angekommen waren wir dann doch etwas ratlos... Nur schon um aufs Bahnhofgelände zu gelangen waren mehrere Sicherheitschecks notwendig und all unsere Taschen wurden gescannt. Schnell wurde uns klar, dass wir ohne Velos und mit weniger Gepäck bequemer reisen könnten. Im Bus konnten wir alles im Gepäckfach verstauen, für die Weiterreise im Zug mussten wir die Velos jedoch getrennt von uns verschicken. Doch, wo ist der Schalter für die Gepäckaufgabe zu finden? Zum Glück waren nicht alle Wegweiser in den uns kryptischen Zeichen und so drängelten wir uns - ganz wie die Chinesen - zum Schalter. Bei der Gepäckaufgabe waren wir dann sehr glücklich über die Hilfe unserens persönlichen Helden des Tages: nach langem Warten stand uns nämlich ein Hilfsbereiter und vor allem englischsprechender Bahnmitarbeiter zur Seite. Er wurde wohl gerufen da wir zwei ziemlich verloren in der Warteschlange standen. Mit seiner Hilfe haben wir uns von unseren Velos verabschiedet und sie auf die weite Reise nach Chengdu geschickt.

Wir sind nicht die Einzigen im Wartesaal, aber wohl die Einzigen Europäer...

Bereits zwei Stunden vor der Abfahrt unseres Zuges wird gedrängelt, gespuckt & Nudelsuppe geschlürft


Um nicht über 40 Stunden im Zug zu verbringen haben wir uns entschlossen, in mehreren Etappen nach Chengdu zu reisen. Das Lösen der Zugbillete war also unsere nächste Mission und wir brauchten etwas Zeit, bis wir verstanden wie der Billetkauf in China abläuft. Einmal mehr dank Internet informierten wir uns bezüglich der verfügbaren Plätze und stellen uns erst dann in die Reihe. Man muss nämlich A) wissen, welchen der unzähligen Züge man buchen möchte und B) ob die gewünschten Plätze noch verfügbar sind. Ich habe dann mein Smartphone, auf dem ich die Zugenummer notiert hatte, an die Scheibe des Schalters gedrückt und anschließend unsere Reisepässe durchgeschoben. Alles hat wunderbar geklappt und so stiegen wir nach zwei Stunden Wartezeit im überfüllten, chaotischen und lauten Wartesaal in den Zug nach Jiayuguan. 

Optimierung beim Packen

Ohne Essensvorräte im Gepäck schaffen wir es, unsere 12 Taschen auf sechs (plus Rucksack) zu reduzieren. Eine gelbe Tasche schicken wir mit den Velos nach Chengdu und reisen somit etwas leichter durch China.

Aus 12...

...mach 7


Mit Jiayuguan fanden wir eine sehr neue Stadt welche von Sehenswürdigkeiten umgeben ist. Wir fühlten uns noch einmal zurück in die Zeit des Handels auf der Seidenstraße versetzt. Mit der Weiterreise in den Süden werden wir diese bald verlassen. Während wir unterwegs nach Chengdu sind führt die Seidenstraße weiter Richtung Osten, wo sie in Peking ihr Ende findet.

In Jiayuguan endet die Grosse Mauer und wir sahen dort die Überreste des letzten Signalturms und spazierten auf dem weltberühmten Bauwerk. Gegen Westen hin soll nach Meinung der Chinesen nichts Nennenswertes kommen, Richtung Osten beginnt das Leben in Zivilisation. Für uns ist das komisch, wir sind also den weiten Weg aus dem Nichts gekommen um nun endlich in der Zivilisation anzukommen?! In der Zivilisation wo wir in den folgenden Tagen Mütter beobachten, wie sie ihre Kinder mitten in der Fussgängerzone zum Pinkeln hinhalten (dank der Hosen mit Schlitz eine schnelle Sache) oder wo rund um uns hemmungslos gespuckt wird.

Viele der bekannten Klichées scheinen sich also zu bewahrheiten. Wir erleben die von uns besuchten Großstädte Lanzhou und Chengdu jedoch trotz den Gewohnheiten ihrer Bewohner als saubere Städte, ein Hoch also auf all die Strassenreiniger! Auch der Verkehr wirkt ruhig und georndet. Auf den abgetrennten Seitenstreifen verkehren zwar mehr Elektrovelos und -töffli als "richtige" aber auf uns wirken die Städte dennoch velofreundlich. Nach wundervollen Tagen in Chengdu freuen wir uns, wieder auf die Velos zu steigen. Es geht immer weiter Richtung Süden und somit immer weiter in die Wärme, immer näher ans Meer... 

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