Nordosten 

Nach knapp zwei Monaten verlassen wir Iran in Sarakhs, dem Grenzübergang zu Turkmenistan. Das Land zeigt sich nochmals von seiner besten Seite! 

Von Bojnurd bläst uns der Wind mit voller Kraft nach Osten. Shirvan, das angedachte Tagesziel erreichen wir bereits zum Z'nüni Rast und so machen wir erst in Faruj wieder Halt. In diesem Ort hatte wohl Einer die Idee, ein Dörrfrüchte-Nuss Geschäft zu eröffnen und mehrere Dutzend weitere Händler haben sich die Verkaufsidee abgeschaut... Nirgendwo vorher oder nachher sehen wir so viele nahezu identische Verkaufstände. Gerne decken wir uns mit Cashew Nüssen ein! Als Energiespender führen wir nämlich stets ein Säcklein Nüsse mit uns. Als wir nach der Mittagspause weiterfahren ist der Fahrspass nur noch halb so groß - der Wind hat seine Richtung um exakt 180 Grad geändert und somit legen wir im Gegenwind die letzten Kilometer des Tages zurück.

Wir wissen nun: "Der frühe Vogel fängt den größten Wurm" und sind am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang bereits auf der Straße. Das Stadtzentrum Mashhads finden wir mühelos, um die Mittagszeit hat es nur wenig Verkehr auf den Strassen. Schwieriger ist es, sich mitten im Stadtverkehr mit den Autofahrern zu unterhalten. Diese geben alles um uns einzuladen, ob auf der Schnellstraße, im stockenden Verkehr, im Kreisel oder beim Überqueren der Strasse, "Hello, come to my house!" Doch wir lehnen ab, morgen steht unser Besuch auf der turkmenischen Botschaft an, aus diesem Grund steuern wir ein Hotel in dessen Nähe an.

 

In der bedeutendsten Pilgerstätte Irans lassen wir die letzten Wochen unserer Reise nochmals Revue passieren und erinnern uns nur zu gerne an das Erlebte:

Welcome to my Country! 

  • Iranian toilet vs. European toilet
  • Bier: in allen möglichen (fruchtigen) Geschmacksrichtungen, garantiert alkoholfrei 
  • So viele Einladungen! Würden wir immer annehmen, wären wir wohl heute noch in Tabriz 
  • Iranis liebste Beschäftigung: Picknick und Camping, immer und überall, ob das Zeltmodell staatlich festgelegt wurde? Wir sehen immer nur 1 Typ
  • Konfi aus Rüebli, Rosenwasser und Glacé mit Safrangeschmack
  • Wassermelonen gehören wohl zu den Grundnahrungsmitteln
  • Wir sitzen oft auf dem Boden, auf schönen, weichen Teppichen ist es so bequem wie auf dem Sofa (uns ungeübten schlafen jedoch meist die Füße ein...)
  • Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit
  • Persien - so viele kulturelle Schätze!
  • Teppiche mit dem Sujet: Das letzte Abendmahl

Auch wir lassen die einzigartige Atmosphäre im Heiligen Bezirk auf uns wirken. Christian spaziert wie selbstverständlich vorbei an der Eingangskontrolle und mischt sich als wohl Einziger Nicht-Muslim mitten unter die Betenden vor dem Grabmal des Iman Reza. Zu Tausenden begeben sich die Gläubigen zum Abendgebet, die Teppiche sind bereits ausgerollt. Was muss es für eine Bedeutung haben für diese Menschen,  an einem solchen Ort ihr Gebet zu halten. Beeindruckt von der Anziehungskraft des Iman Reza brechen wir am nächsten Tag auf, die letzten Kilometer auf iranischen Strassen zurückzulegen. Wir essen noch einmal Kebap mit zwei schwarz angebratenen Tomaten und Reis und ich lege T-Shirt und kurze Hose zuoberst in die Gepäcktasche. Nach der Grenzüberquerung sollen sie griffbereit sein! Kaum zu glauben dass ich bereits morgen das Kopftuch zuunterst in die Tasche stecken werde.

Lasst uns also das Abenteuer Turkmenistan beginnen. Wir haben 7 Tage, ja genau, S I E B E N Tage Zeit, um durch das Land zu fahren. Nur selten stellt die Botschaft eine Aufenthaltserlaubnis für mehr als 5 Tage aus und wir zwei waren hartnäckig genug, dass wir nun zu den Glücklichen gehören, welche 7 Tage in den Pass gestempelt bekamen!! Von Durchrasen soll gemäß unserem Informationsstand nicht die Rede sein, es wird ausnahmslos von ärgstem Gegenwind und anfangs miserablen Strassenverhältnissen berichtet. Wir werden sehen wie weit wir kommen werden, denn klar ist: auch in Turkmenistan gibt es Busse, die uns jederzeit aufladen können(t)en.

Let's beat the heat!

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Grenze

Landesgrenzen gilt es so einige zu überschreiten auf unserer Reise. Doch da sind noch andere Grenzen, die, nach denen wir immer wieder gefragt werden: "und, wo seid ihr an eure Grenzen GEKOMMEN?"

Nach unserer velofreien Zeit ist die Freude gross, endlich wieder bei unseren Velos in Now Shahr am Kaspischen Meer zu sein. Auch wenn wir erst wieder unseren Rhythmus finden müssen, die Beine schneller müde werden und sogar das Hinterteil wieder etwas schmerzt nach den ersten Tagen zurück im Sattel - Velofahren ist einfach schön!

Doch dann ändert die Stimmung... Bereits morgens um halb 6 sind wir nassgeschwitzt, die langen Hosen, das Kopftuch, alles klebt am Körper. Bei der Mittagspause am Meer erfrischt sich Christian bei einem Bad, ich halte immerhin die Füße ins Wasser. Am Abend fahren wir nochmals ein Stück und finden ein gutes Plätzchen für unser Zelt, geniessen den Sonnenuntergang direkt über dem Meer und hoffen auf etwas Abkühlung mit der Dunkelheit.  Leider ist dies kaum der Fall, wir steigen bei 30 Grad ins Zelt und auch am nächsten Morgen zeigt das Thermometer kaum ein Grad weniger an. Die nassgeschwitzten Kleider vom Vortag sind in der Nacht noch feuchter geworden und es ist kein Spass, diese wieder anzuziehen! Müde und wenig erholt fahren wir los, aber bereits nach 12 Kilometer ist Schluß. Das Hotel mit Klimaanlage und Dusche zu verlockend,  die Müdigkeit zu gross. So checken wir bereits frühmorgens ein und machen einfach gar nichts mehr an diesem Tag. Doch wie solls weitergehen? Morgen wird es nicht weniger heiss, und solange wir entlang dem Meer fahren wird auch die Luftfeuchtigkeit nicht abnehmen. Bin ich nun an "der Grenze" angelangt, die ich nicht überschreiten möchte? Soll ich In den Bus nach Mashhad steigen und mich dort in klimatisierten Räumen herumtreiben? Lasse ich Christian alleine in dem Nationalpark Wildschweine jagen, Wasserfälle suchen, im Wald zelten & Hirsche erspähen?


Das wäre dann sozusagen aufgeben, was eigentlich nicht so meine Art ist. Wobei, für 400 Kilometer in den Bus steigen, ist das denn soo schlimm? Engel & Bengel schwirren nur so über meinem Kopf und ich bin froh, mit Christian verschiedene Möglichkeiten durchdenken zu können. Wir entscheiden, dass wir gemeinsam weiterfahren und planen eine "light Tour" bis Mashhad. Das heisst täglich nur morgens fahren, mittags ins Hotel und warten bis die Hitze nachlässt.

Nicht die steilen Aufstiege, kräftezehrende Fahrten im Wind oder gefährlicher Stadtverkehr haben mich also an meine Grenzen gebracht. Es war die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und ja, auch die Kleidervorschriften dieses Landes, die mich nach 5 Monaten fast zum Aufgeben brachten - aber nur fast!

In den freien Nachmittagen und Abenden haben wir uns umso mehr ob der großartigen Gastfreundschaft der Iranis erfreut. Wir waren in der besten Eisdiele in Sari und assen uns durchs Sortiment! Es gab Rosensofteis im Rüeblisaft, Melonensaft und Melonen-Pistache-Rosensofteis. Wir gaben unsere Postkarten auf der Post ab und halfen den Pöstlern beim Aufkleben der Briefmarken (wohl zum ersten Mal kamen Touristen mit Ansichtskarten bei Ihnen vorbei). Sogar zum Abendgebet in der Moschee wurden wir geleitet. Zum 1. August leisteten wir uns ein schönes Hotel um den Tag mit einem Buure-Brunch zu feiern, denn dank meinem Onkel hatten wir Bündnerfleisch, Schoggi & Appenzeller Biberli im Gepäck, und die Bauern der Region offerierten frische Früchte und Gemüse. In Gonebad-e Kavus baten wir einen Taxifahrer um eine Touristentour, obwohl dieser keine Sehenswürdigkeiten kannte (die Tour war ein Erfolg!). 

Nachdem wir das Kaspische Meer hinter uns gelassen haben ist es zwar immer noch sehr heiss, doch die Luft ist trocken und somit für uns wieder viel erträglicher zum Fahren. Nachdem wir uns in Gonebad-e Kavus mit Konserven & viel Wasser eingedeckt haben geht es endlich Richtung Golestan Nationalpark weiter. Es dauert nur wenige Stunden und wir sind mitten im Wald, umgeben von Wildschweinen und Iranis beim Picknick. So viele schöne Stellen zum Pause machen und Zelten gibt es zu finden! So gar nicht schön finden wir jedoch die Tatsache, dass überall Unmengen an Abfall achtlos liegengelassen werden. Abfalleimer werden konsequent ignoriert, um die Folgen für die vielen Tiere im Wald scheint sich keiner zu kümmern. Hier gilt es also für einmal einen Minuspunkt für das Land Iran zu vergeben!


Doch zurück zur Landschaft; wo die Überquerung des Alborz Gebirges im Westen noch ein richtiger Kraftakt war scheinen die Höhenmeter hier im Osten nur so an uns vorbeizuziehen. Ob es das wirklich schon war? Wir genießen die frische Luft in über 1000 m ü.M und schlagen unser Zelt zwischen Wildschweinen oder in Obstanlagen auf. Bevor wir in Bojnurd wiedermal unter die Dusche können gilt es dann doch nochmal einige Höhenmeter zu überwinden. Komisch, vor einigen Tagen sprach ich von "Krise" oder "ich nehme den Bus!" und jetzt? Ich Strample in der Mittagshitze den Berg hinauf und finde es einfach super, auf dem Velo zu sein! Motivation & Freude sind definitiv zurückgekehrt!

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Velofrei 

Unterwegs mit Zug, Bus, Taxi, Metro oder zu Fuss

Zu erzählen, was sich alles hinter den Namen Shiraz, Persepolis oder Isfahan versteckt würde sehr lange dauern - und bestimmt würden wir auch dann dem Glanz und der Schönheit dieser Schätze Persiens nicht gerecht werden. Anstelle eines langen Berichtes möchten wir an dieser Stelle folgende Dokumentation empfehlen:

Unter anderem mit diesem Film haben wir uns Vorfreude auf Iran geholt, und können nun definitiv jedem eine Reise nach Iran empfehlen: der Historiker und die Naturfreundin kommen genauso auf ihre Kosten wie der Kunstbegeisterte. Freunde von verschiedenen Handwerkskünsten und auch jene, welche gerne stundenlang auf Shoppingtour gehen möchten. Die Liste der sehenswerten Orten scheint schier unendlich, und genau aus diesem Grund entscheiden wir uns für einmal auf motorisierte Fortbewegungsmittel umzusteigen. So kommen wir deutlich schneller von A nach B und haben etwas länger Zeit, um an den schönen Orten zu verweilen.

Velofrei unterwegs sind wir aktuell folgendermaßen:

  • Kaspisches Meer - Tehran 
  • Tehran - Shiraz
  • Shiraz - Isfahan
  • Isfahan - Kashan
  • Kashan - Abyaneh
  • Kashan - Tehran

Zurück in Tehran freuen wir uns auf ein Treffen mit Besuch aus der Schweiz bevor es dann wieder ans Kaspische Meer zu unseren Velos geht.

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Big City Life: Tehran

Wird es klappen mit dem Visum für China? Soo vieles (Negatives) haben wir bereits gelesen und gehört... Die Dauer unseres Aufenthaltes in Tehran hängt vor allem davon ab, wie erfolgreich wir bei der Beschaffung unserer Visa sein werden. Inklusive einem Staatsfeiertag und dem Wochenende sind wir mit 7 Übernachtungen ganz zufrieden.

Die Dauer unseres Aufenthaltes in der Millionenmetropole hängt vor allem davon ab, wie lange wir auf die ersehnten Visa für die Weiterreise warten müssen. Anders als in Istanbul, wo wir quer durch die Stadt fahren mussten, liegen in Tehran die von uns benötigten Botschaften alle im selben Stadtteil.

Schweizer Effizienz - etwas anderes hätten wir auch gar nicht erwartet

Auf der schweizer Botschaft werden wir in schönem Schweizerdeutsch empfangen, sogar den Hijab nehme ich für einmal vom Kopf. Wir schmökern im Heftli für Auslandschweizer und überlegen noch, ob wir das diesjährige 1. August Abzeichen kaufen sollen und werden bereits wieder an den Schalter gebeten. Unser LNO (Letter Of No Objections - ein Empfehlungsschreiben welches wir für die Visumbeantragung benötigen) ist in kaum erwähnenswerter Wartezeit geschrieben und gestempelt. Dann geht's zügig weiter zum Copy Shop und ab auf die usbekische Botschaft. Denn die Zeit ist knapp, bei Öffnungszeiten zwischen 09.00 Uhr und 11.00 Uhr liegen keine Umwege der Taxifahrer oder Wartezeiten drin. 

"Come back on Tuesday, the Embassy is closing now for two days" 

Doch leider läuft es bei den Usbeken nicht ganz so speditiv. Geöffnet wird nicht pünktlich und wir werden gebeten uns erst einmal auf der Warteliste einzutragen, als Nr. 12 gesellen wir uns zu den Wartenden. Als wir dann die Agenten entdecken, welche vor uns dran sind stellen wir uns schon einmal darauf ein, es heute wohl nicht auch noch zu den Chinesen zu schaffen. Diese haben nämlich ihre Taschen mit Reisepässen gefüllt und die Nr. 12 wir zur gefühlten 112.

Unter den anderen Reisenden befinden sich weitere Tourenradler, sie kommen aus Frankreich, Belgien und haben so einige Tipps auf Lager. Kurz vor 11.00 Uhr erhalten wir Einlass und stellen leider fest, dass wir nicht alle benötigten Formulare bei uns haben. Wir haben doch alles doppelt ausgefüllt und bereits in Istanbul eingereicht!! Doch Widerstand ist zwecklos und eine Diskussion wird mit den Worten: "Come back on Tuesday, the Embassy is closing now for two days" beendet. Zum Glück liegt die chinesische Botschaft nur wenige Strassen entfernt und so schaffen wir es doch noch, unseren Antrag einzureichen. Dank des bevorstehenden Wochenendes sind wir nun mindestens vier Tage ohne Reisepass, da dieser zu Bearbeitung eingezogen wurde. 

So lassen wir uns zurück im Hotel von Mr. Lonely Planet beraten und planen die freie Zeit in der riesigen Stadt. Wir spazieren die nächsten Tage durch Pärke und Palastanlagen und vergessen den Ärger der Behörden.


Zum zweiten Mal im Botschaftsviertel wissen wir es besser und schreiben uns auf der Warteliste ein noch bevor die Usbeken ihre Tore öffnen. Etwas nervös drängeln wir uns dann vor den Agenten an den Schalter der Chinesen und hoffen, dass unsere Pässe mit einem hübschen Stempel auf uns warten... Haben wir doch während unserer Recherchen im Vorfeld über so viel Willkür und ständig wechselnde Bestimmungen gelesen. Möglich wäre, dass wir nach dem Ausstellungsdatum innerhalb von 30 Tagen in China einreisen müssten. So ist dies beispielsweise bei unserem Bekannten, welchen wir vor der usbekischen Botschaft angetroffen haben, der Fall. Das wäre für uns per Velo nicht möglich, doch um Plan B können wir uns später kümmern, wir hoffen noch immer dass wir mehr Glück haben... Es stellt sich heraus,  dass alle Bedenken umsonst waren und die Erleichterung ist gross. Wir dürfen bis spätestens in drei Monaten in China einreisen und mindestens 30 Tage im Land bleiben. Gerne hätten wir 60 bekommen, doch um eine Verlängerung können wir uns auch in China noch kümmern.

Auch den Usbeken scheint das Wochenende gut bekommen zu sein, wir werden freundlich empfangen und haben bereits kurze Zeit später ein weiteres Visum im Pass. Das läuft ja wie am Schnürchen heute! Im Copy Shop kennt man uns noch und schnell haben wir die gewünschten Kopien in der Tasche. Auf der Botschaft von Turkmenistan müssen wir nämlich vorweisen, dass die Weiterreise bewilligt ist und sie uns nach 5 Tagen ins Nachbarland "weitergeben" können. Schnell ins Taxi springen und loooos!!!! Ab zu den Turkmenen, viel Zeit bleibt nicht mehr... Mist, wir haben nur einen Kugelschreiber dabei und soo viele Zeilen sind auszufüllen. Als wir alle Angaben hingekritzelt haben ist dann promt die Klappe geschlossen! Auch nach energischem Anklopfen eines weiteren Antragstellers wird sie nicht mehr geöffnet! Wars das jetzt?! Müssen wir ein ander Mal wieder kommen? Einmal mehr haben wir Glück und der freundliche Mitarbeiter zeigt sich nochmals durch die kleine Öffnung, prüft unsere Dokumente und entlässt uns mit dem Versprechen, dass unsere Visa in 10 Tagen in Maschad bereitstehen würden.

 

An dieser Stelle möchten wir eine Homepage erwähnen, welche uns bei all den Vorbereitungen für die Beschaffung diverser Visa eine grosse Hilfe war. Dank dieser topaktuellen Seite haben wir viel Zeit gespart, (fast) immer alle benötigten Dokumente zusammenstellen können, dank wertvollen Tipps Geld gespart und, fast das Wichtigste, dank detaillierter Wegbeschreibungen alle Botschaften in noch so verwinkelten Gassen gefunden! 

                    www.caravanistan.com

Erleichtert und sehr glücklich über den erfolgreichen Verlauf des vergangenen Morgens sitzen wir am Nachmittag im Zug Richtung Süden. Mit Cola feiern wir und freuen uns auf die zwei Wochen Ferien. Mit Shiraz, Isfahan & Kashan stehen uns weitere Höhepunkte des Landes bevor. Auf keinen Fall möchten wir diese verpassen, wo wir schon einmal da sind. Doch mit dem Velo wäre die Distanz zu weit, sind wir doch bereits seit knapp 30 Tagen in Iran. Also steht in Isfahan noch die Verlängerung unserer Visa auf dem Programm. Wir fühlen uns haargenau wie Asterix und Obelix auf der Suche nach dem Passierschein A 38 als wir vom Büro 12 zum Büro 19, auf die Bank und dann zum grünen Unterstand geschickt werden, von dort zum Schalter unter dem grünen Unterstand, zurück in die

Warteschlange (inmitten afghanischer Flüchtlinge) wieder ins Büro 12... Genauer ins Detail gehen wir an dieser Stelle nicht. Nur noch so viel: Ja, nach 3h haben wir das Visum für weitere 30 Tage im Reisepass.

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West Azerbeijan bis Caspian Sea

Zu Gast in Marand

Wir fahren nach einer ausgedehnten Mittagspause weiter mit dem Ziel, unser Nachtlager unterwegs auf der Strecke nach Tabriz aufzuschlagen. In den Abendstunden sind auch so einige Familien auf dem Nachhauseweg. Die geernteten Früchte des Tages werden zuhauf in meine Velotasche gefüllt, und auch wenn dort kaum mehr Platz ist wird munter eingepackt. Eine grosse Hilfe beim kommenden Anstieg ist dies nicht gerade, doch wir freuen uns auf die süssen Früchte zum Znacht. Einladungen zur Übernachtung lehnen wir ab, schließlich sind wir erst wenige Km gefahren.

Doch eine Familie bleibt so hartnäckig dass wir, endlich oben angekommen, ihr Winken nicht länger ignorieren können. Ach, eine Picknick - Pause mit ihnen im Park, wieso auch nicht. Vielleicht können wir dann dort auch unser Zelt aufstellen, beraten wir uns. Nein, nein, sie seien nicht zum Essen hier, sie hätten nur auf uns gewartet. Ihr Haus sei doch so nahe und so gerne hätten sie uns als ihre Gäste. Eine Dusche und ein Znacht tönen zu verlockend, und wir gehen mit Ihnen mit. Aus den fünf Km wurden 12, und ja, den ganzen Berg wieder retour hinunter. Doch die Zeit mit der Familie war es definitiv wert! Wir wurden so herzlich aufgenommen, es gab ein Tee-Kränzlein mit den Nachbarinnen, traditionelles Essen, eine warme Dusche und so viel Freundlichkeit! Danke Fatheme und Familie.

Tabriz 

Der Smog, welcher über der Stadt hängt sehen wir von Weitem. Und immer wieder werden wir von Lastwagen überholt, welche einen immensen Beitrag zur Luftverschmutzung leisten. Ich bin geradezu froh über mein Kopftuch, welches ich als Schutz vor mein Gesicht halte. Da wir am Morgen nicht ganz so früh aufgebrochen sind haben wir nun das Geschenk: mitten in der Hitze fahren wie in die drittgrösste Stadt des Landes und müssen zudem noch ein Hotel finden. Noch dazu sind alle Beschriftungen in Farsi... Am nächsten Tag erkunden wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt und staunen am Eingangsportal der blauen Moschee, ein Bauwerk, welches im 15. Jahrhundert weltberühmt war. Nach unzähligen Erdbeben ist nur noch wenig vom Original erhalten, doch die Restauration veranschaulicht schön, wie wunderbar blau die Moschee gestrahlt haben muss.

Im Stadtpark El-Gohli spazieren wir entlang des künstlichen Sees und beobachten die Menschen beim Nationalsport Volleyball, beim Picknicken und sogar beim Pedalo fahren. Wir jedoch haben genug gepedalt und lassen uns im Restaurant eine grosse Portion Fleisch schmecken!

Caspian Sea - Bandar Anzali 

Wir verbringen die heissen Stunden des Tages im klimatisierten Hotelzimmer und machen es wie alle anderen, erst nach Sonnenuntergang verlassen wir das Haus und schlendern mit Mahyar, unserem persönlichen Reisebegleiter, durch den Park entlang der Lagune. Zum Tee werden frische Früchte und das für den Monat Ramadan typisch süsse Gebäck gereicht. Beim Rauchen der Waserpfeife werden die Gespräche flüssiger und es wird offen diskutiert. Der Wunsch nach grenzeloser Freiheit ist riesig, und wir zwei schweizer Touristen scheinen all dies zu verkörpern. Mit unserer Reise haben wir die Möglichkeit, unsere Träume zu verwirklichen und sehen unterwegs das Leben in fremden Ländern. Wir hören, wie die Menschen hier sich das Leben in Europa vorstellen und stellen dabei auch so einige Klischees klar. Das Leben ist anders, ganz klar. Wertende Aussagen treffen wir jedoch an dieser Stelle keine.

Am nächsten Morgen besuchen wir den grossen Bazar der Hafenstadt. Wir decken uns mit frischen Früchten und Gemüse ein und ziehen uns wieder zurück in unser kühles Zimmer. Am Abend unternehmen wir gemeinsam mit Mahyar eine Bootstour durch die Lagune, welche die grösste Süsswasserlagune der Welt ist. Sie Ist Lebensraum für eine Vielzahl an Vogelarten. Diese werden leider nicht genauer erkundet und beobachtet, der Kapitän ist schließlich Speedbootlenker und kein Ornithologe.

Am nächsten Morgen nehmen wir Abschied von der spannenden Hafenstadt und fahren weiter entlang der Küste. Angekommen in Nowshahr deponieren wir Velos & Gepäck und fahren im Bus bis Teheran. Für die nächsten zwei bis drei Wochen reisen wir mit den öffentlichen Verkehrsmittel (aufgrund der Hitze und der grossen Distanz) weiter in den Süden. Zuerst steht uns in der Millionenmetropole jedoch Bürokratie und Administration auf diversen Botschaften bevor...

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