Entscheidungen

Eine Weltreise wollen wir antreten, gemeinsam. Mindestens ein Jahr möchten wir gerne untwerwegs sein. Dieser Entschluss stand ganz am Anfang unseres Abenteuers, und war für uns wohl der einfachste. Alle weiteren Fragen die es zu klären gab, um die Planung voranzubringen haben uns mehr Zeit gekostet.

Im Sommer 2013 haben wir gemeinsam die Ausstellung "ENTSCHEIDEN" im Zeughaus Lenzburg besucht.

"Eine Ausstellung über das Leben im Supermarkt der Möglichkeiten" hat uns aufgezeigt, welche Lust und gleichzeitig auch Last es sein kann, wenn uns alle Türen offen stehen. Im Experiment haben wir erfahren, was wir ohnehin schon ahnten: Wir treffen beide auf verschiedene Arten, gesteuert durch unterschiedliche Denkmodelle unsere Entscheidungen. Reichlich Konfliktpotential also, wenn es um GEMEINSAME Entscheidungen gehen soll!

Da die Reise jedoch unser beider Traum ist, kann es so schlimm ja nicht werden.

 

Südamerika oder Asien? Mit Flugzeug, Camper, Velo oder gar zu Fuss?

Entschieden haben wir uns für das Velo, eine körperlich aktive, gemächliche Reiseart. Wir erhoffen uns, dadurch nahe an den Menschen zu sein, langsam vom Alltäglichen & Bekannten in die Ferne zu kommen. Auf dem Landweg möchten wir dem Kompass Richtung Osten folgen, bis auch dort irgendwann nur noch ganz viel Wasser auszumachen ist.

 

Benzinkocher oder Gasbrenner? Felgen- oder Scheibenbremse? Tablet oder Notebook?

Vor allem Christian hat sich sehr intensiv mit der Zusammenstellung unserer Ausrüstung auseinandergesetzt. Unterschiedliche Argumente haben wir beide für dieses oder jenes hervorgebracht, und ganz sicher sind wir natürlich auch jetzt nicht. Vielleicht verschenken wir nach kurzer Zeit einen Teil unseres Gepäcks und bestellen vergessenes Material aus Europa?

Und doch, zu Beginn unserer Reise sind wir vorbereitet, so gut wir es können und wollen. Vor allem aber sind wir offen für Erfahrungen, Abenteuer und ganz viel Unbekanntes!

 

Die wichtigste & richtigste Entscheidung wird am Ende die erste sein. Dies ist unser Entschluss, dieses Abenteuer gemeinsam zu wagen!

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Prolog: Basel - Rotterdam

Da sich Christian gerade intensiv mit der Routenplanung für unser großes Abenteuer beschäftigt, wurde mir die Streckengestaltung für unsere Sommerferien zugeteilt. Knapp zwei Wochen Zeit werden wir haben, so um die 600-800km möchten wir zurücklegen um auch unsere Ledersättel einzufahren.

Basel-Rotterdam, von der Schweiz, dem Ursprungsland des Rheins bis nach Rotterdam, der Hafenstadt in Holland wo der Rhein ins Meer fliesst.

Dies tönt nach einer flachen Einsteigerroute auf dem Tourenrad, da werden wir auch ein paar Kilometer mehr locker radeln...

Am Tag der Abfahrt hat sich uns der schweizer Sommer 2014 von seiner schönsten Seite gezeigt, es regnete nur einmal! Ja genau, auch unsere Regenausrüstung will getestet werden, und das in den kommenden 14 Tagen fast täglich

Mit dem Zug legen wir die Strecke Frauenfeld-Basel zurück und da wir mit dem Montieren und Demontieren der Velotaschen noch nicht allzu geübt sind, kommen wir bereits beim Einsteigen zum ersten Mal ins Schwitzen. In Basel angekommen freuen wir uns, endlich in die Pedale zu treten und getreu dem Motto "I follow Rivers" den Rhein von nun an nicht mehr aus den Augen zu lassen.

So ganz einfach ist dies jedoch nicht, die "Rhein-Route" führt uns auf der französischen Seite des Rheins vorwiegend einem Binnenkanal entlang. Bald wechseln wir nach Deutschland, da sind wir dann direkt auf dem Rheindamm. Besonders abwechslungsreich und sehenswert ist die Strecke vorbei an Kieswerken zwar nicht unbedingt, dafür rollen unsere Räder zügig voran.

Bis es dann bei KM 145 so weit ist: Mein Hinterrad hat den ersten Platten eingefangen! Kein Problem, mein persönlicher Velomechaniker freut sich schon, das mitgeführte Ersatzmaterial & Werkzeug auszupacken. Rad weg, Ersatzschlauch drauf, Luft rein... Ja, irgendwie scheint die Velopumpe nicht mit dem Ventil des Schlauches überein zu stimmen. Dann wird halt flink das neue Tübli Vulkanisierungsgel gezückt und der kaputte Schlauch geflickt. Dumm nur, dass der Inhalt der neuen Tube bereits verdunstet ist und nicht mehr als ein leises "pff..." von sich gibt. Tja dann, kurz die Oberfläche aufrauen, selbstklebender Flick drauf und weiter gehts! Die erste Pannensituation wird dann am Abend in Ruhe analysiert und Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet...

Eingedeckt mit passendem Ersatzschlauch sind wir für den Rest der Reise zum Glück sicher vor weiteren Pannen. So geniessen wir die Fahrten durch das Elsass, durch Auwälder, Naturschutzgebiete und das grosse rheinhessische Weingebiet mit dessen "Weinhauptstadt" Oppenheim. Endlich zeigt sich die Sonne, die Regenjacken werden weggepackt und die Sonnencrème dick aufgetragen. Sommer, Sonne, Velofahren, so haben wir uns das vorgestellt! Wunderschöne Städte wie Koblenz, Bonn und Köln lassen wir hinter uns, immer weiter Richtung Norden fahrend.

 

Kaum sind wir über der holländischen Grenze entdecken wir bereits die ersten Windmühlen, und dass Windmühlen so richtig gut laufen... Genau! Braucht es Wind! Und von dieser geliebten Wettererscheinung hat es hier genug, er bläst von allen Seiten. Der Rhein schlängelt sich durch das Land und ihm zu folgen ist nicht mehr ganz so einfach. Immer wieder steigen wir auf die Fähre, um ans andere Ufer überzusetzen.

Am Schluss fehlen uns noch ca. 30 KM bis nach Rotterdam, doch nach weiteren zwei Tagen im Regen bleiben wir einfach sitzen auf unseren Plätzen in der warmen Fähre und geniessen die Fahr auf dem Rhein.

Nach zwei erholsamen, wenn auch leider sehr nassen Tagen packen wir unsere Velos in den Nachtzug und staunen, wie schnell wir zurück in der Schweiz sind.

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