Kasachstan

Kein Borat

In Kasachstan finden wir so Vieles: Beispielsweise einen Canyon, der grandios ist. Oder gute Strassen durch die karge Wüstensteppe, auf welchen wir von Pferdeherden begleitet werden. In Almaty - der Stadt der Äpfel - gibts es zwar nicht mehr so viele Apfelbäume zu sehen aber sonst genug zu entdecken. So suchen wir zum Schluss nur Eines vergebens in diesem Land: Borat.

In Bishkek ist der Schneefall der vergangenen Tage zum Glück vorüber und wir passieren die Grenze zu Kasachstan bereits nach 20 Km bei schönem Herbstwetter. Mit einem sehr freundlichen "Welcome to Kazakhstan" werden wir am Zoll begrüsst und bald darauf befinden wir uns in der einsamen Steppe Kasachstans. Am nächsten Morgen werden wir von Sonne und Wind geweckt, letzterer hat leider über Nacht noch zugelegt... Ungern berichten wir schon wieder über das Wetter, doch der Gegenwind an diesem Morgen war wirklich kein Spass!

Jammern wir etwas zu oft ueber Gegenwind? Vielleicht schon. (Aber Gegenwind ist auch so etwas Fieses!) Ich werde mir also Mühe geben, weniger übers Wetter zu schimpfen und während dem Treten zuerst alle positiven Aspekte aufzählen bevor ich zu jammern beginne. Weiter ging es also bei Sonnenschein auf der flachen Raserstrecke nach Almaty, der grössten Stadt Kasachstans. Bereits in Bishkek haben wir uns wie in einer westlichen Stadt gefühlt, doch der Kontrast von Stadt und Land ist in der Metropole Almaty noch krasser. Die Strassen und Pärke sind sauber, der Verkehr verläuft georndet und das Unterhaltungsangebot zeigt auf, dass unser Aufenthalt von zwei Tagen viel zu kurz ist...

Wir beginnen unsere Erkundungstour am nächsten Morgen im Süden der Stadt und wandern hinauf zum 371m hohen Almaty Tower. Leider ist dieser für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und so begnügen wir uns mit dem Aussichtspunkt am Fusse des Turms. Im Vergnügungspark mit Zoo, Seilpark und obligatem Riesenrad erfreuen uns an der Ruhe und frischen Luft hoch über der Millionenstadt. Wenige Marktstände sind noch aufgebaut doch die zu verkaufenden Souvenirs werden von den Händlern nur halbherzig angepriesen. Auch sie möchten sich wohl lieber in die Winterpause verabschieden als sich hier an die Finger zu frieren.

Warm eingepackt in unsere Daunenjacken fahren wir am zweiten Tag mit dem Bus hinauf zur Talstation der Seilbahn. Da die Skisaison noch nicht eröffnet ist herrscht kaum Betrieb und wir spazieren auf dem grossen Gelände in Richtung des Medeu Eisstadions. Die riesige Eisfläche von 10'000 Quadratmetern ist beeindruckend! Aufgrund der optimalen Bedingungen sollen in diesem Stadion bereits 120 Weltrekorde aufgestellt worden sein. Gerne würden auch wir uns Schlittschuhe anziehen und unsere Kurven drehen, doch leider ist das Eis an diesem Nachmittag für Besucher gesperrt und es wird nichts aus dem Schlittschuhlaufen für uns.

Am Abend besuchen wir das Filmfestival zum Thema Alpinismus in einem Kino im Stadtzentrum und geniessen es, nach so langer Zeit bei Popcorn englische Kurzfilme zu konsumieren.

Gerne würden wir noch einen Ausflug zum Big Almaty Lake unternehmen, einen etwas ausgedehnteren Stadtbummel machen, mit der Seilbahn in die nahegelegenen Berge fahren ..zig Ideen hätten wir noch um uns die Zeit in dieser Stadt zu vertreiben! Falls uns also jemand nach Kasachstan begleiten würde wären wir sofort wieder mit dabei! Doch mit unserer Vorgeschichte (ihr wisst schon, Visabestimmungen) möchten wir unsere 15 Tage visumfreie Zeit nicht ausreizen, droht der Staat in Kasachstan bekannterweise ab dem 16. Tag mit Gefängnis...

Den Charyn Canyon auf halber Strecke nach China wollen wir uns nicht entgehen lassen und so nehmen wir am 3. Morgen Abschied von Almaty, unserem familiären Hostel und den Annehmlichkeiten der Grossstadt. Der Umweg zum Charyn war definitiv ein Highlight in Kasachstan. Wir haben den Vegleich zum berühmten Gran Canyon der USA noch nicht, befinden die uns umgebende Schlucht jedoch ebenfalls als grandios! Beim Zeltaufbau am Abend müssen wir aufpassen, dass wir kein Erdloch zudecken. Wir sind nämlich umgeben von den Bauten der Erdmännchen welche pfeifen, sich nur kurz blicken lassen und dann wieder unter die Erde huschen.

Einige fröhliche Kilometer auf den Velos folgen und bald schon sind wir in Zharkent, wo wir uns im Schnegestöber ein Hotel gönnen. Hier, kurz vor der Grenze zu China verabschieden wir uns gedanklich bereits von Zentralasien. Seit der Einreise nach Trukmenistan, unserem ersten -stan Land sind bereits 2.5 Monate vergangen. Mary, Buchara oder Dushanbe sind für uns nun mehr als schön klingende Städtenamen im fernen Osten. Sie stehen jetzt für Begegnungen mit Menschen und Tieren, für körperliche Anstrengungen und Endorphinrausch und sie stehen für persönliche Eindrücke, welche wir von nun an mit uns tragen.

 

China zum 2.

Zum Abschied hat uns der kasachische Zöllner einen gehörigen Schrecken eingejagt: "You have no visa and this is day Nr 16..." Der Puls war bei uns noch im roten Bereich als dieser sich vor Lachen kaum auf seinem Stuhl halten konnte und uns dann endlich den Ausreisestempel in den Pass gedrückt hat. Er hat sich glücklicherweise verzählt und fand seinen Fehler amüsant, wir etwas weniger. Dass nach den 6 Km Niemandsland etwas ganz Anderes auf uns warten würde war bereits auf der Anfahrt unschwer zu erkennen. Riesige Wolkenkratzer ragten in die Höhe und Schriftzeichen anstelle der uns bekannten Buchstaben prangten von den übergrossen LED Werbeanzeigen. Hier sind wir also, China! Kurz nach der Grenze empfängt uns eine Stadt, welche in der Ausgabe unseres Reiseführers noch nicht aufgelistet ist. Khorgos ist ein Ort in einer autonomen Provinz der autonomen Region Xinjian der Volksrepublik China. Wir erfahren, dass die Stadt erst vor wenigen Jahren gegründet wurde und entdecken bei näherer Betrachtung dass viele Gebäude noch nicht fertiggestellt sind. Ein zollfreies Shoppingparadies für die kasachischen Nachbarn ist hier am Entstehen und an jeder Ecke wird gebaut. Die Chinesen scheinen sich das Projekt etwas mehr zu Herzen zu nehmen als die Kasachen, dort haben wir nämlich ausser einem Basar mit Artikeln des täglichen Bedarfs nicht viel entdeckt, was wir dem Begriff Einkautourismus zuschreiben könnten.

Während wir in einem uirgurischen Restaurant das bereits bekannte Nudelgericht Laghman essen fragen wir uns, wie lange die Bezitzer ihr Lokal wohl noch führen dürfen. Zudem staunen wir über den Bauwahn, den Drang nach Fortschritt und die über die Macht Pekings, welches mehrere tausend Kilometer östlich liegt.

Wir sind gespannt, was wir im Reich der Mitte erleben dürfen und freuen uns auf die Zeit in China. 

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Kirgistan

Take it easy

Bishkek, die Hauptstadt von Kirgistan ist unser nächstes Ziel. Wir baden im Stausee, schlafen neben frisch gebackenem Brot und sind dankbar um Tunnels, welche uns so manche Höhenmeter ersparen.

Die ersten Tage nach Osh war viel Verkehr auf der Hauptroute nach Bishkek und wir waren froh um gute Strassenverhältnisse. Neben vielen sehenswerten Orten gibt es an dieser Stelle das Dorf Mailuu-suu zu erwähnen. Auf der Karte scheint es einen Abstecher wert zu sein, liegt der Ort doch leicht abseits am Berghang. Nach einem Blick in den Reiseführer ist jedoch schnell klar: nichts wie weiter, weg aus diesem Gebiet! Mailuu-suu gehört zu den 10 schlimmsten verseuchten Gegenden der Welt. Schuld daran sind unzählige ungesicherte Lager von Uranabfällen, was hier ein Erdbeben anrichten würde, überlegen wir uns dann nicht weiter...

Nachdem wir in Tasch-Kömür dem Charme der verlotterten sowjetischen Bauten verfallen sind checken wir in einem solchen Hotel ein und sind dankbar um den trockenen Schlafplatz. Der nächste Morgen lockt uns mit Sonnenschein und einer schönen Strecke entlang des Kürp-Say Stausees, welcher sich wie ein Gebirgsfluss tief unter uns durchs Tal schlängelt. Nach einigen kurzen Tunnels folgen wir der kurvenreichen Strasse mit Bergen über uns und dem türkisblauen Wasser unter uns. Wir finden an diesem Abend den ultimativen Platz für unser Zelt: direkt am Stausee auf einem kleinen Inselchen, hier gefällt es uns so richtig gut. Nach einem erfrischenden Bad im See werfen die Jungs (wir erfreuen uns die Tage an der Begleitung von Nils, dem Berner Veloreisenden) ihre Fischerruten ins Wasser während ich vorsichtshalber mit dem Kochen beginne, falls es doch nichts werden soll mit dem grossen Fang... Die Nudeln mit Gemüse schmecken dann auch ganz gut :). Der Himmel lässt leider immer mehr Regentropfen fallen sodass wir unseren tollen Platz am nächsten Morgen verlassen und weiterfahren. Abends möchten wir lieber nicht im Freien schlafen und haben Glück, dass wir bei der Bäckerin des Dorfes in der Stube / dem Verkaufszimmer übernachten dürfen. Der Duft von frischem Brot ist herrlich! Auch am nächsten Tag regnet es leider ziemlich durchgehend. So wird die Etappe bis Toktogul vorerst unsere letzte auf den Velos. Da wir weder Lust auf Schneegestöber auf 3000 m ü.M haben und wir uns aufgrund des nahenden Winters nicht mehr zu lange im Norden aufhalten möchten verladen wir die Velos auf Kartoffelsäcken und steigen in den warmen Lieferwagen ein. Ab nach Bishkek! 

Bishkek: Top 5 Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten 

"Bishkek lockt mit keinem touristischen Pflichtprogramm, keine der Sehenswürdigkeiten beansprucht für sich die Kategorie muss-man-gesehen-haben."...

Unser Reiseführer hat wahrlich nicht viel versprochen für die Hauptstadt Kirgistans. Wir beide behalten die Stadt jedoch in sehr guter Erinnerung, gab es für uns hier beispielsweise ganz einfach ein Visum für China! Trotz Schneegestöber und winterlichen Temperaturen haben wir uns aufgemacht, unsere eigenen "Top 5" der Stadt zu finden.

1. Sierra Café 

Eine heisse Schoggi & ein Cappuccino, dazu ein Teller Kürbissuppe und ein Stück Apfelkuchen - was will man mehr wenn es draußen grau und nass ist? Die Einrichtung ist sehr westlich und wir werden freundlich auf Englisch bedient 

2. Monument to Baatyr Kaba Uulu Koshomkul

Viele Monumente und Statuen gibt es in dieser Stadt zu bestaunen... Doch diese gefällt uns besonders: Ein sehr kräftiger Mann stemmt ein Pferd in die Höhe - nach den unzähligen Kunstwerken, bei welchen ein Held AUF einem Pferd dargestellt wird ist dies eine sehenswerte Abwechslung 

3. Einkaufszentrum 

The Bishkek Park: Eine Shoppinmall nach westlichen Vorbild - ebenfalls ein geeigneter Ort wenns draussen regnet. Neben Cafés und diversen Geschäften stellen das Indoor-Eisfeld und die Bowling Bahn weitere Pluspunkte dar

4. PINTA Pub 

Ein Bierchen in guter Gesellschaft, leckeres Pub-Food und eine gemütliche Pub Atmosphäre finden wir an diesem Ort. Einen grossen Pluspunkt verdient der Tschüttelitisch! ...Gleichzeitig ist dieser jedoch ein Minuspunkt verbunden mit einer grossern Enttäuschung: es gibt keinen Ball!!

5. Postamt 

Souvenirs und kaum benutzte Gegenstände senden wir per Post nach Hause. Mit unserem Paket landen wir in einem kleinen Büro wo wir zuerst ganze 5 Deklarationsscheine ausfüllen. Mit der Nähmaschine wird dann von der Postbeamtin ein Leinensäcklein für unser Päckli genäht. Von Hand wird dieses zugenäht und mit mehreren Stempeln versiegelt. Zum Schluss schreiben wir die Adresse drauf und schicken unser Päckli nach knapp 1.5h in die Schweiz - gute Reise!



Auf der Suche nach Borat 

Mit dem 2. Visum für China im Reisepass verabschieden wir uns zum 2. Mal von Kirgistan. Dieses Mal verlassen wir das Land im Norden über die kasachische Grenze und fahren somit in ein Land von dem wir bis jetzt nur wenig wissen. Zugegeben, etwas beschränkt scheint mein Weltbild zu sein, wenn ich bei Kasachstan als Erstes an Sacha Baron Cohen alias Borat denke... Umso neugieriger bin ich also beim überqueren einer weiteren Landesgrenze! 

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Plan B

Von Sary Tash aus wollten wir ursprünglich direkt über den Irkeshtam Pass nach China weiterreisen. Doch wieso sollen wir nicht noch etwas Zeit in Kirgistan - der Schweiz Zentralasiens - verbringen? Wir könnten in Osh durch den Basar schlendern und in Arslanbob in der Herbstsonne wandern. Wieso nicht? Weil der ursprüngliche Plan seine guten Gründe hatte.

Für sehr lange Zeit war die Fahrt durch das Pamir Gebirge ein grosses Ziel für uns. Kälte, Wind und atem(be)raubende Pässe haben wir auf uns genommen. So sehnen wir uns nach der körperlichen Anstrengung nach Erholung und entscheiden uns spontan dazu doch noch nach Osh zu fahren um die Annemlichkeiten einer Stadt zu geniessen. Wir treffen dort im TES Guesthouse andere Veloreisende und tauschen uns über Material, Reiseerfahrungen und Routenwahl aus. 22 Velofahrer aus verschiedenen Ländern werden am einen Abend an der üppig gedeckten Tafel gezählt! So vergeht die Zeit im Flug und wir sinken immer tiefer in den Zustand der Entspannung. Wieso auch sollen wir weiterziehen? In Kirgistan können wir visafrei bis zu 60 Tagen bleiben und für die Einreise nach China haben wir seit dem Ausstellungsdatum in Iran drei Monate, also bleibt genügend Zeit, oder?!

Gerne würden wir bei dem schönen Herbstwetter wandern gehen, so buchen wir einen Ausflug nach Arslanbob, zu dem größten natürlichen Walnusswald der Erde. Das CBT Büro vor Ort begrüßt uns freundlich und vermittelt uns eine herzliche Homestay Unterkunft. HELVETAS (Schweizer Entwicklungsorganisation) hat den Aufbau der Tourismusinfrastruktur geleitet und so fühlen wir uns fast wie zu Hause als uns von Mountainbike Touren, Skiausflügen und Wanderungen vorgeschwärmt wird. Trotz dem grossen Angebot an geführten Aktivitäten entscheiden wir uns dafür, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Die Wanderung zum 80m hohen Wasserfall mit einem steilen Aufstieg zum Schluss belohnt uns mit einem Ausblick über das weite Tal welches unter uns liegt. In der Herbstsonne trinken wir Tee, während neben uns Äpfel geerntet werden. Mit Blick auf die hoch aufragenden Berge und das Laub, welches in kräftigen Farben leuchtet, fühlen wir uns richtig glücklich.


Zurück in Osh wir es dann aber endgültig Zeit, uns von Zentralasien zu verabschieden. Gerne würden wir wiedereinmal hierher zurückkommen, vielleicht das nächste Mal etwas früher im Jahr. Von den Ebenen gespickt mit Yurten und Yakherden war nicht mehr viel übrig in dieser Jahreszeit und wir bedauern es, dies verpasst zu haben. Dass es jedoch so schnell geht, bis wir wieder einen Einreisestempel von Kirgistan im Pass haben, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So steigen wir etwas wehmütig in den Nachtbus voller Chinesen welcher uns nach Kashgar bringen soll. Der Grenzbeamte von Kirgistan plaziert den Ausreisestempel und wir werfen nochmals einen Blick auf unser China Visum. Wie stolz waren wir, die drei Monate Einreisezeit ab Ausstellungsdatum zu erhalten! Wie selbstbewusst haben wir erzählt, dass alles so einfach abgelaufen ist an der chinesischen Botschaft. Gross ist in diesem Moment die Vorfreude auf die Einreise ins Reich der Mitte! Doch dann: "Ähm, Christian, welches Datum ist heute?" - "Der 12., wieso?" - "Weil hier steht, dass wir bis spätestens 09.10.2015 in China einreisen müssen... "


??? WAAS ??? Der Pamir hat wohl so einige Hirnzellen rausgeschüttelt... Wir waren wenige Stunden zuvor noch stolz darauf, nicht nach Plan zu reisen, spontane Abstecher gemacht zu haben, doch in diesem Moment fühlen wir uns einfach nur dämlich. Waren wir wirklich so dumm, die Frist von drei Monaten zu verschlafen? Warum bloss sind wir nach Osh, das war doch nie der PLAN!!! Wieso bloss haben wir das Visum nicht früher nochmals kontrolliert?

Mit dem Bus fahren wir dann doch noch die paar Kilometer zum chinesischen Grenzposten aber dort ist dann definitiv Endstation. Es ist uns sehr peinlich, unsere Velos aus dem Bus zu räumen (brauchte es am Vorabend doch viel Überredungskunst, dass der Chauffeur sie verladen hat). Wie konnte das bloss passieren? UNS? Den stets vorbereiteten und durchorganisierten Schweizern?

 

Nun, mit zwei Wochen Abstand ist der Ärger nicht mehr ganz so gross, wenn ich an unseren dummen Fehler zurückdenke. Nach einem solchen Tag konnte es nur noch besser werden, und das wurde es auch. Die Wut über uns selbst von der Seele strampeln, eine sympathische, aufmunternde und auch vermittelnde Reisebegleitung & so einige Flaschen Vodka haben unsere Reiselust zurückgebracht. Selbstverständlich haben wir nun einen neuen Plan, weniger detailliert, weniger terminiert und auf das Wesentliche zusammengefasst:

 

  1. Neues China Visum beantragen
  2. Einreisefrist nicht verpassen

 

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Tajikistan

Pamir

Dushanbe - Khorog 

In Dushanbe treffen wir mit Rahel und Benjamin ein schweizer Paar, welches seit einigen Jahren in Tajikistan lebt. Wir erhalten wertvolle Tipps und durch Erzählungen von ihren Pamirerlebnissen wird die Routenwahl für uns noch schwieriger. Da die Südroute aktuell in einem besseren Strassenzustand ist wird auch der Schwerverkehr dort durchgeleitet, so entscheiden wir uns für die ruhigere und wohl auch holprigere Strecke im Norden. Wir planen knapp zehn Tagesetappen bis Khorog, dies entspricht etwa 50 Km pro Tag. Bis anhin haben wir spätestens nach fünf Velotagen eine Pause eingelegt und sind gespannt, wie wir das Leben in der Natur meistern werden :-).

Jeden Abend finden wir schöne Plätzchen für unser Zelt und waschen uns oft im kalten Bergbach. Wir waschen unsere Wäsche, welche bei der tiefen Luftfeuchtigkeit über Nacht trocknet, im Fluss und sind glücklich mit den spätsommerlich warmen Temperaturen. So lassen wir uns morgens vom Sonnenschein wecken und kriechen abends unter einem schier unendlichen Sternenhimmel in unsere Schlafsäcke. Das Leben im Freien klappt somit wunderbar und wir finden immer mehr Gefallen daran!



Haben wir bis anhin bei der Routenplanung die ganz hohen Pässe ausgelassen gibt es bei der Anfahrt zum Pamir-Highway keine "light" Version. So steht mit dem Sagirdast Pass auf 3252 m ü. M. der höchste Punkt unserer bisherigen Reise an. Wir meistern den Aufstieg auf der Schotterpiste ohne Probleme und entdecken nach dem obligaten Gipfelfoto weitere Velofahrer im windgeschützten Unterstand. Um uns herum ist eine internationale Gruppe von Minenräumern im Einsatz. In den folgenden Tagen treffen wir immer wieder auf Gebiete, welche noch Landminen verbergen und stellen unser Zelt sicherheitshalber in der Nähe von Dörfchen auf. Während die anderen Reisenden noch mit der Zubereitung ihres Mittagessens beschäftigt sind und es um uns knallt von den Sprengungen mampfen wir ein paar Schoggiguezli und machen uns dann bereit für die Abfahrt. Auf dieser Höhe ist von sommerlichen Temperaturen nämlich nicht mehr viel zu spüren und wir packen Mütze, Windjacke und die langen Hosen aus... Im Tal angekommen stellen wir unser Zelt wieder nahe ans Wasser und auch ein erfrischendes Bad im Fluss darf nicht fehlen, hier unten können wir uns wieder an den lauen Temperaturen erfreuen. Die Strecke führt uns bald ganz nah an die Grenze zu Afghanistan. Bis Khorog folgen wir dem Fluss Panj welcher als natürliche Landesgrenze von Tajikistan und Afghanistan definiert wurde. Am anderen Ufer beobachten wir Kinder beim Spielen und Arbeiter beim Strassenbau. Wobei "Straße " wohl zu viel gesagt ist, denn sie schlagen in wohl mühselige Aber einen Weg in die steile Felswand.

Nach zehn Tagen erreichen wir glücklich das Guesthouse in Khorog. Nicht nur unsere müden Muskeln freuen sich auf Ruhe, v.a. unser Magen-Darm System braucht dringend Erholung. Erst wenn die Speicher wieder gefüllt sind fahren wir weiter. Denn bis hierher war es nur die Anfahrt - der "wahre" Pamir beginnt erst!

Wakhan Valley 

Erholt und gestärkt machen wir uns auf den Weg ins Wakhan Valley, eine von den verschiedenen Routen durch das Pamir Gebirge. Im fruchtbaren Tal wird Landwirtschaft betrieben, wie wir es kaum noch kennen. Es kommen Ochsen und Esel zum Einsatz und von den Bauern selbst wird viel Handarbeit geleistet. Traktoren sehen wir kaum, wohl auch weil die Nutzfläche zwischen dem Fluss und den steil abfallenden Felsen sehr klein ausfällt. Als Schweizer werden wir meist herzlich willkommen geheissen. Ob es daran liegt, dass die schweizer Entwicklungshilfe viele Projekte in der Region unterstützt? Oder liegt es daran, dass das geistliche Oberhaupt der Ismailiten Aga Khan schweizer Wurzeln hat? Der Ismailismus ist nämlich die meist verbreitete Religion im Pamir, als eine Abspaltung des Islam ist für uns vor allem ein Aspekt auffallend: in dem ganzen Gebiet gibt es kaum Moscheen und nach Monaten in islamischen Ländern hören wir somit keine Muezzinrufe mehr. Der Schulbildung wird ein hoher Stellenwert beigemessen und wir treffen auf sehr viele Kinder in Schuluniform. In kleinen Dörflädeli kommt es nicht selten vor dass wir auf englisch oder sogar deutsch bedient werden. Überhaupt befinden wir uns hier nicht einfach in Tajikistan, sondern in der autonomen Provinz Gorno-Badakhshan (GBAO). Eine spezielle Bewilligung um diese Region zu bereisen haben wir in Duschanbe bekommen und fast täglich zeigen wir diese den freundlichen Herren an den Kontrollposten. 

Dank Steuergeldern von Herr und Frau Schweizer fließt hier sauberes Wasser


Bei Langar verlassen wir den Fluss Panj welcher nun zum Pamir wird und begeben uns langsam in Lagen über 3000 m ü. M. Da wir in der Tat sehr langsam vorankommen haben unsere Körper genügend Zeit sich an die Höhe zu gewöhnen und wir sind glücklich, dass wir von den Symptomen der Höhenkrankheit verschont bleiben. Der Aufstieg zum Karagush Pass ist ein speziell schönes Erlebnis. Einsam ziehen wir unsere Spuren auf der guten Schotterpiste, bei strahlend blauem Himmel treten wir immer höher und kommen so zum ersten Mal über 4000 m ü. M.! Einzigartig wird das Erlebnis auch dadurch, dass wir hinter uns eine Herde der mittlerweile sehr seltenen Marco Polo Schafe entdecken! In rasantem Tempo überqueren die Tiere die Strasse, weiter über die grüne Wiese bevor sie dann in den grau-braunen Felsen perfekt getarnt aus unserem Blickfeld verschwinden.

Der Weg führt uns vorbei an klaren Bergseen und wir schlagen unser Zelt knapp unter der 4000er Marke bei dem Salzsee Chokur auf. Dort gibt es die vielfältige Vogelwelt dieser Bergregion zu beobachten. Über uns fliegt sogar ein Schwarm Pamir Gänse vorbei! Geier ziehen ihre Kreise am wolkenlosen Himmel, am Vortag sahen wir ein zweihöckriges Kamel beim grasen entlang des Flusses, heute Marco Polo Schafe und Pamir Gänse - die Tierwelt im Pamir zeigt sich uns von seiner allerbesten Seite!

Bereits kurze Zeit später haben wir wieder Asphalt unter unseren Reifen. Für einen Abstecher zum Bulunkul und Yashilkul See verlassen wir diesen nur zu gerne wieder. Wir werden mit Joghurt & Butterbrot bewirtet und schlagen unser Zelt hoch über dem See und unter dem funkelnden Sternenhimmel auf. Wunderschöne Tage einsamen Velofahrens inmitten fast unberührter Natur liegen hinter uns. Laut Berichten der uns entgegengekommenen Velofahrer wohl auch die anstrengensten, soll mit dem Asphalt auch starker Rückenwind auf uns warten...

Murghab - Sary Tasch

Im Hotel in Murghab gibt es nach langer Zeit eine warme Dusche und kulinarisch eine willkommene Abwechslung. Gestärkt und erholt ist bei der Weiterfahrt von dem allseits gelobten Rückenwind leider nichts zu spüren... Schlimmer noch, eisig-kalter Gegenwind peitscht uns bei knapp 5 Grad ins Gesicht und die Temperatur sinkt mit jedem Meter, den wir weiter in die Höhe pedalen. Auf kalte Tage im Wind folgen kältere Nächte im Zelt, zum Glück finden wir einigermaßen windgeschützte Schlafplätzchen. Für den Ak Baital Pass auf 4655 m ü.M. haben wir noch wenig Energie und ganz viel Motivation übrig - soll dies doch der höchste Punkt auf unserer Reise werden welchen wir aus eigener Kraft erreichen.

Auf der anderen Seite des Passes entdecken wir eine Yak Herde, doch meine Finger waren klamm vor Kälte so dass ich nicht einmal ein Foto mache... Und wir hoffen sehr, dass dies nicht die letzten Yaks waren denn mit dem herannahenden Winter ziehen auch die Tiere in tiefere Lagen. Doch vor uns liegen noch einige Kilometer in der Kälte. Als wir am letzten Tag vor lauter Gegenwind und Holperpiste mehr laufend als fahrend vorankommen steigen wir schließlich etwas zögernd (ja, der Stolz...) in das warme Auto eines freundlichen Kirgisen. All unsere 7 Sachen und unsere beiden Velos sind verstaut und wir holpern langsam dem nächsten Land entgegen. In Sary Tash finden wir ein Gasthaus in welchem wir freundlich begrüßt und bewirtet werden. Also bleiben wir hier bis a) der Dorfladen keine Snickers mehr hat, b) unsere Finger und Füsse wohlig warm sind und c) der Pamir-Staub von den Velos geputzt ist :-).

Heaven vs. Hell


Das befahren des Pamir-Highway ist für die meisten Tourenfahrer DAS Highlight, und auch wir haben uns lange darauf gefreut, sind gut ausgerüstet und mit viel Respekt in dieses Abenteuer gestartet. Wo es vor und nach Zentralasien unzählige Wege von West nach Ost gibt konzentriert sich die "Szene" im Pamir eindeutig, und wir waren dankbar für die Tipps von entgegen kommenden Reisenden und detaillierten Blogeinträgen. "So, you'll go throuh hell the next few days?" - Ja, es wurde anstrengend... Doch mit unserem Motto "Das glauben wir erst, wenn wir es selber erleben" war alles relativ. Nach Langar wurde es steil, sandig und wir kamen uns öfter vor wie auf einer schönen Wanderung als auf einer Velotour. Nur war da halt noch das 50-60 Kg schwere Velo, welches den Berg hinaugeschoben werden wollte...

Damit für alle nach uns das Erlebnis Pamir zu "Heaven" und nicht "Hell" wird, raten wir folgendes zu bedenken:

  • Genug Zeit einplanen! Es gilt viele Höhenmeter zu überwinden und dies auf meist über 3000 m ü. M. (40-50 Km / Tag), so bleibt auch genügend Zeit für einen Abstecher zu Hot Springs, alten Festungen, Geysiren...
  • Bei mangelnden Sprachkenntnissen empfehlen wir die genaue Planung der Route, einige der Sehenswürdigkeiten sind ohne exakte Koordinaten kaum zu finden...
  • Breite Pneus sind aufgrund des fehlenden Asphaltes nur zu empfehlen ("I saw many who gave up because the road is so bad " - das waren wohl die mit den Rennrädern aus Karbon, inkl. Triathlon-Lenker...???)
  • Bedenke: über 3000 m ü. M. wirds kalt (Blue Kazoo, unser Schlafsack wird zu unserem besten Freund und hält uns auch bei -10 Grad warm!)
  • Höhere Gewalt: Der Wind bläst so stark und von wo er grad will, alles Fluchen hilft nicht (aber versuchen kann man's)

Trotz aller Anstrengung und manchen Flüchen 'gen Petrus - wir behalten unser Pamir Abenteuer definitiv als "Heaven" in unseren Herzen!

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Usbekistan

1001 Nacht

Um uns von unserer Fahrt durch Turkmenistan, dem "heissesten Land Zentralasiens" zu ehrholen quartieren wir uns in Buchara im Hotel ein. Auf Tage in einer der schoensten Staedte unserer Reise folgen Etappen durch wundervolle Landschaften und sehr viele laechelnde & winkende Kinder am Strassenrand.

Buchara - wow! Wir werden freundlich begruesst von Einheinheimischen als wir durch enge Gassen fahren und lassen von der Stadt wie aus 1001er Nacht verzaubern. Wir schlendern durch die gedeckten Bazaare unter den Kuppeldaechern und stellen uns vor, wie die Haendler zur Hochbluete des Handels um Preise fuer Seide, Gold & Gewuerze gefeilscht haben. Buchara gilt als wichtiger Ort der Seidenstrasse, viele Gueter sind von China ueber das Pamirgebierge hierhin gelangt, und auf genau diesen Spuren sind wir unterwegs. An den Medresen und Moscheen mit ihren tuerkisblauen Kuppeln koennen wir uns kaum satt sehen. Wir staunen, wie entspannt die Stimmung in dieser touristischen Stadt ist. Wir erleben keine aufdringlichen Haendler. Klar wollen sie uns in ihre Geschaefte locken, doch auf so eine freundliche und unaufdringliche Art wie wir es noch nie erlebt haben. Wir fuehlen uns sehr wohl im familiaeren Hotel und haben im grossen Innenhof Platz und Ruhe um den grossen Veloservice durchzufuehren, zu lesen und zu schreiben und die mueden Beine hochzulegen. Wir freuen uns auch sehr, dass wir Elli & Seb nochmals treffen. Auch Nils, den wahren Abenteurer unter uns treffen wir zum gemeinsamen Bierchen auf der Dachterasse. Der Berner ist mit einem alten Renner und nur gerade zwei Taschen am Velo unterwegs. Er ist macht fast doppelt so viele Kilometer wie wir und auch wenn er ueber Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans im Norden fahert, und wir direkt Richtung Dushanbe, (Tajiskistan) hoffen wir, ihn auf dem Weg zum Pamir nochmals zu treffen.

Das Internet scheint in ganz Usbekistan sehr schlecht zu sein. Wir haben keinen Zugriff auf unseren Blog und auch im Internet Cafe der Stadt welches mit dem Slogan "amazingly fast internet" wirbt geht es eher unglaublich langsam bis gar nicht. Das Internet ist auf unserer Reise ein wichtiger Informationskanal fuer uns. Nicht nur um uns auf Nachrichtenportalen ueber das Geschehen ausserhalb unserer "Reiseblase" zu informieren, sondern vor allem um wichtige Informationen bezueglich Visabestimmungen zu erhalten und um auf dem aktuellen Stand zu sein, welche Strassen und Grenzuebergaenge passierbar sind. Ein Fehler wie an der turkmenischen Grenze moechten wir lieber nicht wiederholen! Da diese Bestimmungen staendig wechseln und wir uns meist nur sehr begrenzt mit Einheimischen unterhalten koennen sind wir froh ueber das Internet. Bleibt zu hoffen, dass wir in Dushanbe, Tajikistan mehr Glueck haben.

Erhohlt und sehr gluecklich fahren wir nach drei Tagen weiter. Unterwegs auf gut ausgebauten Strassen sehen wir wilde Esel in einer grossen Herde, leider schaffen wir es nicht, ein gutes Foto zu schiessen da sie schnell davontraben als sie uns entdecken... Esel sind ueberhaupt omnipraesent auf den Strassen, meist als Lasttier vor dem Wagen gespannt oder bepackt inmitten von Schaf- und Ziegenherden. Zwei Hirtenjungen posieren begeistert fuer unser Fotoshooting und lassen Christian auf dem Esel davon reiten. Wir mit unseren Drahteseln scheinen noch immer eine Attraktion zu sein, auch wenn bestimmt viele Tourenfahrer vor uns auf dieser Strecke unterwegs waren. Unglaublich wie viele Kinder hier in den Doerfern leben! Sie entdecken uns bereits von Weitem und laufen uns entgegen, fahren uns mit ihren Velos nach oder stehen einfach nur laechelnd und winkend am Strassenrand. Nach Quarshi - wo wir nochmals eine Nacht im Hotel verbringen, um uns rechtsmaessig zu registrieren - fuehrt der Weg leicht ins Gebirge. Hier im Sueden sind nur noch die Auslaufe des grossen Hissar-Gebirges und wir haben nicht ganz so viele Hoehenmeter zu ueberwinden. Die Landschaft wird in meinem Reisefuehrer als "wohl schoenste Strecke Usbekistans" beschrieben und wir stimmen dem eindeutig zu. Weite Ebenen, tiefe Schluchten, gruene Obstplantagen, Taeler umgeben von faszinierenden Felsformationen bieten uns schoene Bilder. Die Naechte im Zelt sind mittlerweile angenehm kuehl und wir werden immer geuebter im Erspaehen von schoenen Plaetzchen, Zeltaufbau & Kochen im Freien. Bald schon erreichen wir Denov, die letzte groessere Stadt vor der Grenze zu Tajikistan. Wir wollen uns nochmals mit Essen eindecken und unsere letzten usbekischen SOM unter die Haendler bringen. Dies gelingt nur mit maessigem Erfolg, werden unsere Taschen einmal mehr in Form von suessen Trauben, sonnengereiften Tomaten und herrlich duftendem, knusprigen Brot mit Gaben von Einheimischen gefuellt. Bleibt zu hoffen, dass die Zollbeamten uns nicht alles wieder wegnehmen... Doch der Grenzuebertritt am spaeten Nachmittag verlaeuft dieses Mal problemlos und wir lassen Usbekistan hinter uns. Viel zu wenig wusste ich im Vorfeld ueber Zentralasien, meine Vorstellungen deckten sich ueberhaupt nicht mit dem Erlebten. Buchara erlebte ich als schoenste Stadt auf unserer 6 monatigen Reise und die Menschen sind uns gegenueber sehr freundlich aber dennoch zurueckhaltend. Mit Tajikistan reisen wir nun in das 3. Land Zentralasiens und freuen uns darauf, noch mehr zu sehen!


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Turkmenistan

Wüstenritt

Unterwegs mit unserem Luxusvisum von 7 Tagen finden wir Zeit, die antike Stadt Merw zu besichtigen. Wir fahren in der Karakum-Wüste vorbei an Kamelen und über uns fliegen sogar Flamingos!


Gemütlich fahren wir an Tag 1 von Sarakhs zu der Grenze von Turkmenistan. Ohne Probleme oder aufwändigem Procedere passieren wir diese und verabschieden uns mit einem letzten "Choda Hafez" von den iranischen Grenzwächtern. Kurz nach dem Verlassen des Zollgelaendes vollführe ich auf offener Strasse den lang ersehnten Striptease! Nach zwei Monaten in langen Hosen, hüftlanger Bluse und hübscher Kopfbedeckung fühle ich mich tatsächlich etwas nackt in meinen engen Radlerhöschen und im luftig-leichten Sweatshirt... Verrückt, beinahe hätte ich mich an die islamischen Kleidersitten gewöhnt! Ziemlich direkt steuern wir den ersten Mini-Markt an und freuen uns über Mars-Riegel statt Pars-Riegel und über Bier ohne Fruchtgeschmack. Mit einem halben Liter des goldig-prickelnden Getränks im Bauch fahren wir beschwingt los. Schlechte Strassenverhältnisse? "Schlecht" liegt hier im Auge des Betrachters, wir haben unsere Heidenfreude beim Treten durch den natürlich angelegten Pump-Track! Die Löcher in der Strasse haben tatsächlich Badewannenformat, sind schön abgerundet und mit unseren Velos fährt es sich da super! Andere Verkehrsteilnehmer haben wohl weniger Freude an dieser Piste, unglaublich dass hier ein LKW den anderen abschleppt. Verständlich, dass sie kaum schneller unterwegs sind als wir...

"The Mongol Rally thunders 10.000 miles arcoss the mountains, desert and steppe of Europe and Asia each summer. There's no backup, no support and no set route: just you, your fellow adventurist and a tiny car bought from a scrapyard for 11.50 Pounds."

Am Tag 2 wirds dann doch noch holprig, doch nur eine kurze Strecke (ca. 40 Km) und dann sind wir bereits auf der Hauptverkehrsachse nach Mary. Deutlich schneller kommen wir voran und treffen eingangs Stadt direkt auf unsere neuseeländischen Freunde der Mongol Rally, mit denen wir noch eine Rechnung offen haben. Für den letzten Kilometer durch die Stadt tausche ich einen Platz im Auto mit einem Kiwi, der seinerseits freudig in die Pedale tritt. Bei ein paar Bierchen werden Schulden beglichen und wir freuen uns auf ein weiches Bett im viel zu teuren Hotel. Tag 3 beginnt mit einer (trotz heruntergehandeltem Preis) viel zu teueren Tour nach Merw, einer antiken Stätte nahe Mary. Da das Gelände sehr gross ist sind wir froh, einen Mitarbeiter des Museums von Mary als Fahrer und Guide dabei zu haben und staunen einmal mehr ueber Bauwerke, Geschichte und die Natur.


Den freien Tag nutzen wir noch zur dringend nötigen Veloreparatur. Neben Wind, Hitze & Holperpisten ist Christian seit zwei Tagen mit schleifender Bremse unterwegs... Die eine Bremsbacke hat sich verklemmt und alles justieren der Scheibenbremse führte stets nur kurzzeitig zum Erfolg. Dank Internet haben wir ein Manöver gefunden, um die Bremse fachmännisch zu mobilisieren und sind nun definitiv gerüstet fuer die Fahrt duch die Karakum Wüste.


Da wir es am Morgen gerne gemütlich nehmen fahren wir erst um 09.00 Uhr los und erleben an Tag 4 die Hitze der Wüste so richtig. Wir finden bei einer Autowerkstatt einen kleinen Shop und stärken uns mit Cola. Am Abend schaffen wir es dann nicht mehr so weit und das Feierabendbier haut uns dann so richtig aus den Socken. So lege ich mich bereits am frühen Abend ins Zelt, trinke Boullion und lasse meinen Körper regenerieren. An Tag 5 sitzen wir bereits um 07.00 Uhr auf den Velos. Heute sind wir so richtig in der Sandwüste und es gibt entlang der Eisenbahn nur wenige kleine Siedlungen, ansonsten treffen wir kaum auf andere Menschen. Sand so weit das Auge reicht, und wir mitten drin auf einer ganz passablen Asphaltpiste. Über uns fliegen pinkig-weisse Flamingos und wir fahren vorbei an Kamelherden. Heute bläst der Wind etwas stärker und wir erleben den wohl heissesten Tag unserer Reise. Die Temperaturanzeige meines Velocomputers zeigt 46 Grad im Schatten an, und im Schatten sind wir sozusagen gar nicht... Immer mit dem Ortsnamen "Repetek" im Kopf strampeln wir weiter und weiter. Das Wasser (ja, wir haben genug dabei, siehe hier), gemischt mit Fruchtsaft trinkt sich wie Früchtetee, zuerst müssen wir etwas blasen damit wir uns die Zunge nicht verbrennen. Ziemlich müde kommen wir in Retepek, einer Lastwagen Raststätte, an. Mit dem Übertreten der Türschwelle erreichen wir einen klimatisierten Raum, Pepsi, Suppe & Poulet werden auf unsere Teller geschöpft und grosse Freude macht sich breit. Juhuu! Ein grosser Teil des Wüstenritts ist geschafft, und wir sind noch immer munter & zufrieden!

Am Abend geniessen wir die Gesellschaft des deutschen Päärchens Elli & Sebastian. Es tut richtig gut, Gespräche auf deutsch zu führen die weiter reichen als "Helooo, how are you? Goodbyyyeee!". Gemeinsam starten wir Tag 6 und fahren um 04.30 Uhr noch im Dunkeln bei angenehmen 24 Grad los. So meistern wir auch die letzte Wüstenetappe und erreichen Turkmenabat am frühen Mittag. Christian besucht das eindrückliche Regionalmuseum welches in einem prunkvollen Bau, ganz nach turkmenischer Art, als wohl einziger Tourist. Unter Aufsicht unzähliger Angestellter darf leider kein einziges Foto gemacht werden. Schade eigentlich, wurde dieses doch so sorgfältig ausgebaut und das Leben in Turkmenistan so schön dargestellt.

An Tag 7 rollen wir bereits der nächsten Grenze entgegen und blicken zurück auf heisse Tage, sind dankbar dass der Wind gnädig gestimmt war, behalten Frauen in farbigen Tüchern in Erinnerung und nehmen die intensive Erfahrung des Wüstenritts mit.

Natural Pump-Tack, made by Turkmenistan 


Da war noch was...

Ach ja, der Grenzübertritt nach Usbekistan... Unsere 7 Tage Luxusvisa wurden uns dann doch noch zum Verhängnis. Aus unerklärlichen Gründen haben wir ganz dummerweise vergessen (zu wenig informiert, falsch informiert?!) uns nach sechs Tagen in Turkmenistan offiziell beim Amt für Immigration zu registrieren. Der Chef persönlich klärt uns auf, dass wir nun zwei Möglichkeiten hätten :

 

A) Busse a 1200 USD pro Person

B) Einreiseverbot in Turkmenistan für 1 Jahr

 

Hmm, na dann... zweimal Option B), bitte! Und ein langwieriges Prozedere folgt. Von Fingerabdrücken über Fotos, Passkopien und drei von uns handgeschriebenen Briefen. Die Zöllner werden immer freundlicher und verteilen Bonbons bevor wir nach drei Stunden entlassen werden. Und wir sollen uns ja nicht mehr zeigen! - Aber nur für 1 Jahr, danach seien wir selbstverständlich wieder herzlich Willkommen in ihrem Land.

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