Horizonterweiterung  - oder wie sich unsere Sicht auf die Welt verändert hat 

Landestypische Klichées zu kennen ist Eines. Zu erkennen, dass man total falsch liegt etwas ganz Anderes.

Stand: 08.12.2015

1) Zum Geburtstag viel Glück...

Happy Birthday! Das passende Lied für das Geburtstagskind singen wir zu Hause oft mehrsprachig. Ob Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder Englisch: die Melodie bleibt stets die selbe. In Iran haben wir lange nicht verstanden, worum es sich beim im ganzen Saal bekannten Gesang auf der Bühne handelte. Erst als die Tischnachbarn uns aufgeklärt haben verstanden wir: "Das war das Geburtstagslied!" Aha... Die Melodie scheint also doch nicht auf der ganzen Welt dieselbe zu sein.

2) Kheili Khub 

Wir Schweizer machen uns gerne einen Spass daraus, fremdsprachigen Touristen das Wort "Chuchichäschtli" beizubringen. Scheinen die "ch's" für diese fast unmöglich auszusprechen, da nur wir Schweizer und vielleicht noch die Holländer diese Laute beherrschen. FALSCH! Iranis sprechen uns das Wort akzentfrei nach!

 

"Cheeeiili Chuub" (Sehr gut!) Ein allgegenwärtiger Ausdruck in Farsi, als Schweizer beherrschen wir ihn bald schon akzentfrei :-)

3) Zum Essen gebraucht man Messer und Gabel, ausser in Asien, dort benützt man Stäbchen.

Wo es in den Hotels in der Türkei vielleicht noch ein Messer am Frühstückstisch gab war spätestens in Iran Schluss damit. Butter und Confi werden mit Löffel oder Gabel aufs Brot geschmiert. Ein Tafelmesser wird im muslimischen Land vergebens gesucht. Auch in Zentralasien wird dem Essbesteck nicht allzu grosse Wichtigkeit beigemessen, oft wird einfach nur von Hand gegessen. Für die Hygiene am Esstisch steht drum an jedem Eingang ein Wasserhahn. Gemessen an unseren Verdauungsproblemen scheint dieses A) zu wenig benützt B) erst beim Verlassen des Lokals benützt...

4) MIGROS 

Im bekannten Supermarkt einkaufen kann man nur in der Schweiz? Falsch! In der Türkei haben wir den selben Einkaufspass wie zu Hause und bekommen sogar eine Club-Karte.

 

Willkommener Unterschied: die MIGROS Türkei verkauft auch Alkohol und wir gönnen uns ein Fiirobig-Bier auf diese Tatsache! 

5) "Heissi Marroni... "

Auf den so typischen Duft von frisch gerösteten Marroni müssen wir auf unserer Reise nicht verzichten - ob in der Türkei oder in China, wir freuen uns über die feine Zwischenverpflegung.

6) Iran ist ein gefährliches Reiseland.

Uuuh! So was von falsch! Nirgendwo sonst werden wir so gastfreundlich und herzlich behandelt wie in Iran. Uns wird mitten auf der Strasse, im Feierabendverkehr oder auch beim Trinkstop Hilfe angeboten. In Form von Brot, Früchten oder Erfrischungsgetränken wird uns der Tag erleichtert. Und ein Nachtlager zu finden ist nirgendwo leichter: ob im Stadtpark oder bei einer Familie zu Hause, uns bleibt die Wahl. Wir würden auch mitten auf der Strasse schlafen, so unglaublich sicher wie in diesem Land haben wir uns noch nie gefühlt.

7) Schwiiz, Suisse, Svizzera...

Eine der ersten Fragen an uns Reisende ist meist die nach unserer Herkunft. So lernen wir "Schweiz" oft als eines der ersten Wörter in der Landessprache. "Isviçre" (Türkisch), "Shveytsariya" (Usbekisch), "Elvetía" (Griechisch) - alles kein Problem. Doch woher die Verwandtschaft zur Schweiz bei "Ruìshì" (Chinesisch) kommt, verstehen wir beim besten Willen nicht.

8) "Das Brot werden wir vermissen"

Zu Hause ein frisches Brot beim Beck holen, zum Z'Morge knusprige Gipfeli oder noch lieber einen feinen Butterzopf... Schon die Gedanken an solche Brotwaren lassen das Wasser im Mund zusammen laufen. Klar, so ganz kann wohl kein Land mit der schweizer Backkunst mithalten... Ofenfrisches, knusprig warmes Weissbrot finden wir unerwartet jedoch auch in Iran und Zentralasien. Sogar im Pamir werden unsere Taschen mit leckerem Brot gefüllt. In China scheinen Bäckereien auch in Mode zu kommen. Im Zopf finden wir eine Ähnlichkeit, ansonsten ist die meiste Ware eher süss-scharf von gummiger Konsistenz als knusprig & nahrhaft.